„Nobel“ liegt auch in Hessen

Die Landesgrenze (rot) zwischen Hessen (rechts) und Nordrhein-Westfalen geht quer durch das Betriebsgelände von „Dynamit Nobel“. 20 Prozent des Areals liegen im Gebiet der Stadt Haiger, die damit für den Brandschutz zuständig wäre. Mittels einer ab kommendem Jahr greifenden Vereinbarung mit der Gemeinde Burbach wird diese Aufgabe aber von der südwestfälischen Kommune mit übernommen. Rechts die A 45, die B 277 und der Technologiepark Kalteiche.  Quelle: Google

Weil die Haigerer Feuerwehr nicht auf den hessischen Teil der "Dynamitfabrik" kommt, schließen Haiger und Burbach einen neuen Vertrag, nach dem der Brandschutz und die...

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. HAIGER/BURBACH-WASSERSCHEIDE Weil die Haigerer Feuerwehr nicht auf den hessischen Teil der "Dynamitfabrik" kommt, schließ;en Haiger und Burbach einen neuen Vertrag, nach dem der Brandschutz und die allgemeine Hilfe in Händen der Siegerländer liegen.

Das Gelände der Würgendorf Genehmigungshaltergesellschaft (WGHG), das landläufig immer noch als "Dynamitfabrik" oder "Dynamit Nobel" bezeichnet wird, liegt zu etwa 80 Prozent auf dem Gebiet der Gemeinde Burbach. Die übrigen 20 Prozent gehören zur Gemarkung Allendorf und damit zur Stadt Haiger. Die Landesgrenze verläuft durch das Betriebsgelände von "Dynamit Nobel", sie teilt sogar ein Haus.

Eine Karte des Gebiets verdeutlicht die Problematik. Dort sind alle Zufahrten von der Bundesstraß;e 277 zum Werksgelände aufgeführt und farblich markiert. Einen "gut befahrbaren" Weg über die Landesgrenze gibt es überhaupt nicht. Bestenfalls gibt es "eingeschränkt befahrbare Wege", in vier Fällen sind die letzten Meter der hessischen Waldwege auf der Kalteiche mit der Kategorie "nicht befahrbar" ausgezeichnet. Sollte Haiger keinen Vertrag mit Burbach in der Tasche haben, könnte dies theoretisch dazu führen, dass der Haigerer Feuerwehr ein befahrbarer Zugang zum hessischen Teil der "Dynamitfabrik" gebaut werden müsste.

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Zu Hessen gehören insgesamt fünf Allendorfer Flurstücke. Diese sind Teil des Firmengeländes, auf dem es keine Werksfeuerwehr gibt. In dem vom Haigerer Parlament abgesegneten Vertrag werden alle erforderlichen Maß;nahmen auf Haigerer Terrain der Gemeinde Burbach und dem Kreis Siegen-Wittgenstein übertragen. Der Kreis übernimmt beispielsweise die Brandschutzaufsicht und koordiniert über ihre Leitstelle erforderliche Einsätze. Bei Gefahren richtet sich die Einsatzleitung nach dem Landesrecht für die Gemeinde Burbach. Diese hat am Standort Würgendorf und damit gerade einmal 900 Meter vom offiziellen Eingang der "Dynamitfabrik" eine freiwillige Feuerwehr stationiert. Bei einigen meldepflichtigen Störfällen sind Haiger und der Lahn-Dill-Kreis zu informieren.

Bei kostenpflichtigen Einsetzen schickt die Gemeinde Burbach dem Verursacher eine Rechnung

Finanziell sind beide Seiten auß;en vor. Bei kostenpflichtigen Einsätzen stellt die Gemeinde Burbach dem Verursacher die Kosten in Rechnung. Deshalb ist auch ein Kostenausgleich der beiden Vertragspartner nicht notwendig. Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren, verlängert sich um weitere fünf Jahre, sofern er nicht spätestens drei Monate vor Ablauf gekündigt wurde.

In dem fünfseitigen Vertrag gehört die komplette letzte Seite den Unterschriften. Für den Kreis Siegen-Wittgenstein sind dies Landrat Andreas Müller und Kreisdirektor Thomas Damm. Den Gegenpart für den Lahn-Dill-Kreis bestreiten Landrat Wolfgang Schuster und der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber. Für die Kommunen segnen Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers und sein Allgemeiner Vertreter Thomas Leyener den Vertrag ab, für die Stadt Haiger Bürgermeister Mario Schramm und Erster Stadtrat Sebastian Pulfrich. Damit nicht genug, müssen die beiden oberen Kommunalaufsichtsbehörden, für Nordrhein-Westfalen die Bezirksregierung Arnsberg und für Hessen das Regierungspräsidium Gieß;en, dem Vertrag zustimmen.