Funklöcher: Hessen und Rheinland-Pfalz schneiden schlecht ab

Westeuropa holt bei der Nutzung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) gegenüber Nordamerika und China mit großem Tempo auf.

Glaubt man den Netzbetreibern, leben wir im Mobilfunk-Schlaraffenland. Doch eine Analyse legt die Schwachstellen offen. Wir zeigen, wo die Funkloch-Quote am höchsten ist.

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Wiesbaden/Mainz. Folgt man den Netzbetreibern, ist die Mobilfunkwelt in Deutschland in Ordnung. So geben Telekom und Vodafone für den Mobilfunkstandard 4G einen Abdeckungsgrad 99 Prozent und darüber an – der Haushalte. Bezieht man die Abdeckung auf die Fläche, sieht es etwas anders aus. Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis der Daten des jüngsten Mobilfunk-Monitorings der Bundesnetzagentur bieten Telekom und Vodafone auf knapp 90 Prozent der Fläche ein 4G-Netz an. Telefonica kommt auf rund 85 Prozent. Bei 5G sind es 56 (Telekom), 55 (Vodafone) und 37 Prozent (Telefonica/O2). 1&1 wurde nicht berücksichtigt, da der Anbieter kein eigenes 4G-Netz hat.

Ohne Zweifel treiben die Unternehmen den Netzausbau voran, aber es gibt sie noch, die berüchtigten Funklöcher. Unterschieden wird hier zwischen grauen Flecken – nur einer oder zwei Netzbetreiber können ein 4G- oder 5G-Netz anbieten – und weißen Flecken, wo es überhaupt keinen 4G- oder 5G-Empfang gibt. Dort lässt sich lediglich mit dem 2G-Netz telefonieren, das zum Internetsurfen aber zu langsam ist.

Wie hoch ist der Anteil der „grauen Flecken”?

Knapp 19 Prozent der Fläche Deutschlands weisen laut Verivox graue Flecken auf, weiße Flecken gibt es auf rund drei Prozent der Fläche. Doch das ist nicht gleich verteilt. Denn die Flecken finden sich in aller Regel in ländlichen, vergleichsweise dünn besiedelten Regionen. Flächenländer schneiden daher schlechter ab. So kommen die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen nur auf 1,8 und weniger Prozent graue Flecken, während Baden-Württemberg mit rund 25 Prozent der Spitzenreiter im negativen Sinne ist.

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Fast gleichauf liegt in der Verivox-Analyse Hessen mit 24,7 Prozent vor Rheinland-Pfalz mit 24 Prozent. Es folgt Bayern mit knapp 22 Prozent. Die anderen Flächenländer liegen alle unter 20 Prozent, sechs unter 16 Prozent. Die wenigsten grauen Flecken haben Sachsen, Sachsen-Anhalt (jeweils rund 14 Prozent) und Schleswig-Holstein (unter neun Prozent).

Wie häufig gibt es überhaupt keinen 4G-Empfang?

Bei den weißen Flecken nimmt Rheinland-Pfalz mit 4,6 Prozent sogar die negative Spitzenposition ein. Hessen landet mit 4,3 Prozent auf Rang fünf. Richtig interessant wird es, wenn man sich die Daten auf Kreisebene anschaut. So nehmen bei den grauen Flecken zwei Landkreise aus Hessen traurige Spitzenpositionen ein. Der Werra-Meißner-Kreis landet auf Rang eins, der Odenwaldkreis auf Rang drei von 294 Landreisen. Mit einem Grauen-Flecken-Anteil von 43 beziehungsweise 42,6 Prozent.

Was die weißen Flecken betrifft, landen mit Landau, Südwestpfalz, Südliche Weinstraße sowie Bad Dürkheim vier Landkreise beziehungsweise kreisfreie Städte aus Rheinland-Pfalz unter den „Top ten“. Hier gibt es auf elf bis über 14 Prozent der Fläche überhaupt kein 4G. Der Odenwaldkreis steht mit 8,4 Prozent auf Rang 20. Wie die weiteren Städte und Landreis aus der Region abschneiden, kann man auf einer Verivox-Tabelle einsehen, die sich hier herunterladen lässt.

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Warum hinkt der ländliche Raum hinterher?

„Der Netzausbau in Metropolregionen ist für die Betreiber ungleich lukrativer und öffentlichkeitswirksamer als das Schließen eines Funklochs in einer dünn besiedelten, ländlichen Region“, sagt Jens-Uwe Theumer von Verivox. Nach wie vor seien „schleppende Genehmigungsverfahren und eine komplizierte Standortsuche die Hauptursachen für Unterversorgung“. Doch der Druck auf die Netzbetreiber, 4G-Funklöcher schnellstmöglich zu schließen, steigt. Bei einer Sitzung des Beirats der Bundesnetzagentur wurde deutlich, dass das Ziel, zum Jahresende 500 der weißen Flecken zu schließen, wohl verfehlt wird.