In Zukunft mehr Transparenz

Äußern ihren Unmut auch öffentlich: Hubertus Gerth (links) und Ortsvorsteher Ingo Habermann.  Foto: Berns

Die geplante Sperrung einer Brücke in Bonbaden sorgt weiter für Unmut. Auch die Stadtverordneten haben sich am Donnerstag mit dem Thema beschäftigt und einen Beschluss für...

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Braunfels. Die geplante Sperrung einer Brücke in Bonbaden sorgt weiter für Unmut. Auch die Stadtverordneten haben sich am Donnerstag mit dem Thema beschäftigt und einen Beschluss für die Zukunft gefasst.

Noch im Mai sollen laut Hessen Mobil die Arbeiten an der Brücke beginnen. Dafür wird die Solmsbachstraß;e (L 3283) komplett gesperrt. Das Problem: Die Straß;e ist der einzige Weg um mit dem Auto von der einen in die andere Hälfte des Ortes zu kommen. Mehr noch: Sie ist für viele auch der kürzeste Weg, von Braunfels in Richtung Schöffengrund und umgekehrt. Die Straß;enbaubehörde sieht eine Umleitung über Neukirchen, Niederquembach, Altenkirchen, Philippstein und Braunfels vor.

Die Sperrung sorgt bei vielen Bonbadener Bürgern für Unmut. Einer der Hauptkritikpunkte dabei ist, dass sie sich zu spät und nicht umfassend über die Arbeiten informiert fühlen, denn Bürger und Ortsbeirat erfuhren erst im März aus der Zeitung von den Arbeiten.

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In Zukunft soll es bei Straß;enbauarbeiten in Braunfels mehr Informationen für die Bürger geben

Hessen Mobil teilt dazu auf eine Anfrage im April mit: "Bereits im Januar wurde die Stadt Braunfels über die geplanten Arbeiten informiert. Ein Ortstermin fand im Februar statt. Dabei wurde auch festgelegt, dass die Stadt Braunfels die Gewerbetreibenden und Anwohner von Bonbaden über die Baumaß;nahme und deren Auswirkungen informiert." Die Stadt Braunfels hingegen schrieb: "Die Stadt ist Ende Februar informiert worden, dass die Bauarbeiten ungefähr Mitte Mai beginnen werden." Danach habe man diese Information umgehend herausgegeben.

Wie man in Zukunft die Bürger von solchen Bauvorhaben in Kenntnis setzt, das diskutierten jetzt auch die Stadtverordneten. Anlass war ein Antrag, den die CDU-Fraktion eingebracht hatte. Dieser beinhaltet im Wesentlichen zwei Punkte: Zum einen sollen die Stadt Braunfels und Hessen Mobil die Bonbadener "umgehend und umfassend" über die geplanten Arbeiten informieren – auch in Bezug auf den Beginn , den Zeitplan und die Verkehrsführung. Zum anderen soll es bei Straß;enbauarbeiten in Braunfels in Zukunft jeweils eine Informationsveranstaltung für die Bürger des betroffenen Ortsteils geben. Die Stadtverordneten waren sich am Donnerstag einig und stimmten geschlossen für den Antrag.

Der Ortsbeirat, der ehrenamtlich arbeite, müsse die Informationspolitik am Ende ausbaden und dies sei nicht hinnehmbar, hatte zuvor Felix Waidhas von der SPD gesagt.

"Das ist nicht die erste Baumaß;nahme, die in dieser Art und Weise vorgenommen wird", erklärte Joachim Schmidt von der FDP, der kritisierte, dass die Aufträge für die Arbeiten ja nicht plötzlich vergeben würden und daher genug Zeit bestanden hätte, Bürger und Ortsbeirat früher zu informieren.

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Der Unmut der Bonbadener bleibt unterdessen bestehen. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie diesen zum Ausdruck bringen wollen. 150 Personen haben bereits unterschrieben, rund 1500 Einwohner hat der Ort. Denen geht es nicht nur um die Umwege, die sie demnächst zurücklegen müssen. Viele ortsansässige Gewerbetreibende befürchten Umsatzeinbuß;en. Einer von ihnen ist Hubertus Gerth, der eine Metzgereifiliale direkt vor der besagten Brücke betreibt. "Das ist jetzt die fünfte Baumaß;nahme, die ich in zehn Jahren hier mitmache", sagt er resigniert. Bei der letzten, die allerdings den Ort Laufdorf in der benachbarten Gemeinde Schöffengrund betraf, habe er von Januar bis Mai 2017 rund 30 000 Euro Verlust hinnehmen müssen.

Ortsvorsteher: "Sind der Meinung, dass nicht alle Möglichkeiten geprüft und ausgeschöpft wurden"

"Es heiß;t, wir müssten dafür Rücklagen bilden. Aber so viele Rücklagen, wie ich angesichts der Bauarbeiten in den vergangenen Jahren Verluste hatte, kann ich gar nicht aufbringen." Er befürchtet zudem, Kunden zu verlieren. "Die fahren dann lieber in die Märkte und bleiben auch dabei." Wahrscheinlich bleibe auch die Laufkundschaft aus.

Dass Fuß;gänger dank einer kleinen Brücke vom einen in den anderen Ortsteil kommen können, erscheint Gerth keine Lösung. "Solche Umwege machen die Leute nicht. Die sind gewohnt, dass sie hier vor dem Laden parken können." Gerade für Ältere sei der Weg auch zu weit.

Der Weg über die kleine Brücke zur Metzgerei beträgt hin und zurück rund 500 Meter – wenn man direkt vor dieser parkt. Was Gerth besonders ärgert ist, dass man die Anlieger nicht eingebunden habe. Ortsvorsteher Ingo Habermann (SPD) sagt dazu: "Wir sind der Meinung, dass nicht alle Möglichkeiten geprüft und ausgeschöpft worden sind."

Der Ortsvorsteher verweist darauf, dass noch weitere Gewerbetreibende, beispielsweise der Wirt der Gaststätte "Germania", der Betreiber des Dorfladens und möglicherweise auch ein örtlicher Landwirt Nachteile durch die Sperrung haben werden.

Mehrere Forderungen stellt Habermann im Namen der Bürger sowohl an die Stadt Braunfels wie an Hessen Mobil: "Wir wollen, dass direkt an der Baustelle eine Fuß;gängerbrücke errichtet wird. Und wir fordern für die Gewerbetreibenden eine zeitlich begrenzte Sondergenehmigung, damit sie den bisher ausschließ;lich für Rettungs- und Einsatzkräfte vorgesehenen Wirtschaftsweg in der Zeit von 6 bis 8 und von 18 bis 10 Uhr nutzen können." Habermann hat zudem einen Anwalt eingeschaltet. Über den will er unter anderem prüfen lassen, ob Gewerbetreibende eine Entschädigung für die Umsatzeinbuß;en einklagen können.