Ex-Betriebsratschef von Opel erwartet durch Verkauf an Peugeot...

Erwartet kaum Zugeständnisse von PSA: Klaus Franz, Ex-Betriebsratschef von Opel. Archivfoto: dpa

Als die Pläne zum Verkauf von Opel an den PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) durchsickerten, war Ex-Betriebsratschef Klaus Franz plötzlich wieder ein gefragter (Opel-) Mann. Alle...

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RÜSSELSHEIM. Als die Pläne zum Verkauf von Opel an den PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) durchsickerten, war Ex-Betriebsratschef Klaus Franz plötzlich wieder ein gefragter (Opel-) Mann. Alle (Medien-)Welt wollte wissen, wie er die Chancen der Rüsselsheimer bei PSA sieht. Nun hat Franz in einem Papier seine Sicht der Dinge ausführlich dargestellt.

Zwar betont Franz, „dass die Hochzeit gelingen kann, wenn ein guter Ehevertrag ausgehandelt wird“. Doch bereits Überschrift („Statt Standortzusagen – jeder gegen jeden“) und Aufbau des Papiers zeigen, dass er erhebliche Bauchschmerzen hat. So befasst sich auf den vier DIN-A4-Seiten nur ein kleiner Abschnitt mit dem, was „Opel zu bieten hat“. Und das ist vor allem die Produktivität. „Bei Opel/Vauxhall stellen 35.000 Beschäftigte in Europa 1,1 Millionen Fahrzeuge her. Das sind 31 Pkw pro Kopf. Bei PSA sind es 172.000 Beschäftigte bei 3,15 Millionen Fahrzeugen, was 18 Pkw pro Beschäftigtem entspricht.“

Dagegen steht nach Ansicht von Franz, „dass PSA eine Rosskur hinter sich hat und kaum Zugeständnisse machen wird“. Knapp 30.000 Stellen und eine Fabrik seien seit 2011 gestrichen worden; jährlich würden weitere 2000 Jobs abgebaut. Und natürlich werde PSA-Chef Carlos Tavares den Standorten „die Wettbewerbskarotte“ hinhalten und einen Konkurrenzkampf entfachen. Ein Kampf, der laut Franz ab 2019 die Verteilung künftiger Modell-Generationen auf die Werke neu aufrollen kann.

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So sei die Entwicklung des neuen Corsa im November um neun Monate verschoben worden, damit die künftige Generation auf einer gemeinsamen Plattform mit PSA gebaut werden könne. „Wo diese Gemeinschaftsentwicklung dann produziert werden wird, ist offen“, so Franz. Auch der Wettbewerb um den künftigen Mokka werden neu entfacht, denn die Produktion im spanischen Saragossa sei nur unter Volllast hoch rentabel. Bislang soll der künftige Corsa in Saragossa und der nächste Mokka in Eisenach gebaut werden.

Harte Rendite-Vorgaben

Die Rendite-Vorgaben aus Frankreich sind Franz zufolge hart – bis 2026 soll Opel eine Rendite von sechs Prozent erreichen. Und das liegt einen Prozentpunkt über dem aktuellen Durchschnitt der Autoindustrie. Bei Opel nun „auf die Wachstumskarte zu setzen, um die Rationalisierungseffekte zu kompensieren, wird in den nächsten fünf Jahren schwierig sein“, betont Franz mit Blick auf den gesättigten Markt in Europa. Außerdem habe die Noch-Mutter GM „mit dem Zugriff auf Patente und Lizenzen die Märkte vorgeschrieben, die Opel beliefern darf“.

Der Ex-Betriebsratschef erklärt auch, warum er das Komponentenwerk in Kaiserslautern unter Druck sieht. Bei einem harten Brexit werde die Zuliefererindustrie nach Großbritannien verlagert werden müssen, damit die Werke in Ellesmere Port und Luton erhalten bleiben, um im Pfundraum Fahrzeuge und Teile abrechnen zu können. „Dies kann zu Problemen in Kaiserslautern führen“, so Franz.