Durchbruch für Merck: Wichtiges Krebsmittel wird in USA...

Das Krebsmittel soll einen bedeutenden Anteil der neuen Pharmaumsätze von Merck bringen. Archivfoto: dpa

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat nach jahrelanger Durststrecke einen Befreiungsschlag für einen Medikamenten-Hoffnungsträger erreicht. Die US-Gesundheitsbehörde FDA...

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DARMSTADT/WASHINGTON. Großer Tag für Merck, Begeisterung in der Belegschaft, die Aktie im Höhenflug: In der Nacht zum Freitag gelang früher als erwartet der ersehnte Durchbruch. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat grünes Licht für die Marktzulassung des Krebsmedikaments Avelumab gegeben, der große Hoffnungsträger der Merck KGaA mit Milliardenpotenzial. Dessen Entwicklung hat der Darmstädter Dax-Konzern zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer vorangetrieben.

Die FDA genehmigte erstmals überhaupt den Verkauf eines Mittels zur Behandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms, einer besonders aggressiven Form des Hautkrebses. Avelumab, das unter dem Namen Bavencio vermarktet werden soll, ist weltweit das erste zugelassene Medikament in dieser Indikation. Entsprechend froh gestimmt zeigte sich Konzernchef Stefan Oschmann, den diese Zeitung telefonisch in München erreichte. Er habe eine Flut an Glückwünschen erhalten. Obwohl es eine kleine Indikation sei, "ist das ein Signal, dass da etwas funktioniert", sagte er. Denn die erste Indikation habe oft die höchste Hürde zu nehmen.

Vielseitig einsetzbarer Antikörper

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Die letzte Neuheit mit Gewicht war das Krebsmedikament Erbitux, das 2003 zugelassen wurde. Das ist für das älteste Pharmaunternehmen der Welt, das 2018 sein 350. Jubiläum feiert, alles andere als ein Ruhmesblatt.

Bereits bei der Bilanzvorlage mit Rekordzahlen Anfang März hatte Oschmann von einem "historischen Ereignis" gesprochen, wenn die FDA Avelumab in einem beschleunigten Verfahren und mit dem Sonderstatus als Therapiedurchbruch ihr Okay geben würde. Das ist nun geschehen, wobei der Einsatzzweck gegen die seltene Form des Hautkrebses mit geringen Überlebenschancen ein relativ kleiner Markt ist. Pro Jahr gebe es in den USA und Europa jeweils 2500 Betroffene, heißt es.

Doch der Antikörper, der das körpereigene Abwehrsystem dazu bringen soll, bösartige Tumore zu bekämpfen, ist vielseitig einsetzbar. Die Zulassung des Präparates aus der Immunonkologie für die Anwendung bei Blasenkrebs wurde bereits beantragt. Mit Avelumab hat Merck derzeit insgesamt neun Studien in der dritten und letzten Phase der klinischen Entwicklung, darunter etwa zur Behandlung von Lungen-, Nieren-, Magen- und Eierstockkrebs. Damit könnte Avelumab in die Größenordnung eines sogenannten Blockbusters wachsen, wie Medikamente mit einem Umsatzvolumen von über einer Milliarde Euro bezeichnet werden.

Rückenwind für die Merck-Aktie

Die Jahre harter Arbeit hätten sich ausgezahlt, erklärte die Chefin von Mercks Gesundheitssparte, Belén Garijo. Merck erwarte in der zweiten Jahreshälfte auch noch in der EU die Zulassung. Wie Branchenkenner sagten, könnten Kliniken sich über internationale Apotheken bis dahin in den USA versorgen.

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Experten erwarten von dieser ersten Zulassung noch kein Riesengeschäft - DZ-Bank-Analyst Peter Spengler etwa rechnet mit Spitzenumsätzen von 40 Millionen Euro für Merck. "Die erfolgreiche Zulassung stimmt uns aber optimistisch für das weitere Potenzial von Avelumab", so Bernhard Weininger von Independent Research.

Der Merck-Aktie im Dax gab die positive Nachricht zum Wochenschluss viel Rückenwind. Sie schloss am Freitag deutlich im Plus.

Von Achim Preu