Die Straße eines Unternehmer-Pioniers

Carl Cloos gründete im Jahr 1919 in Weidenau die Firma Cloos & Fries Apparatebau. Der Unternehmer zog 1924 nach Haiger, hat seinen Hauptsitz in der Industriestraße am Rande des Bahnstrecke in Richtung. Heute verbindet man den Namen Cloos mit dem Schweißen mit Robotertechnik. In zwei Jahren feiert das Unternehmen seinen 100. Geburtstag.  Foto: C. Weber

Dass es seit einigen Wochen in Haiger eine "Carl-Cloos-Straße" gibt, ist ein wenig dem Zufall zu verdanken, denn der Werdegang des Unternehmer-Pioniers begann im Jahr 1919 in...

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HAIGER. Dass es seit einigen Wochen in Haiger eine "Carl-Cloos-Straß;e" gibt, ist ein wenig dem Zufall zu verdanken, denn der Werdegang des Unternehmer-Pioniers begann im Jahr 1919 in Weidenau.

"Mein Groß;vater hätte sich bestimmt sehr gefreut", sagte Carl-Eberhard Cloos, Geschäftsführer der Cloos Holding GmbH, als zu Ehren des 1981 verstorbenen Firmengründers die "Carl-Cloos-Straß;e" in Haiger eröffnet wurde. Dieser Verbindungsweg zwischen der Bahnhofstraß;e und dem Firmensitz in der Industriestraß;e hieß; vorher "Werkstraß;e".

Der 1894 geborene Ingenieur Carl Cloos gründete wenige Monate nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1919 in Weidenau die Firma Cloos & Fries Apparatebau. Hergestellt wurden Acetylen-Gaserzeuger und Schweiß;brenner. 1924 verlegte er das Unternehmen nach Haiger.

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Auch die drei Söhne engagierten sich im Familienunternehmen. Walter (1922 – 2003) und Helmut (1926 – 2008) auf dem kaufmännischen Sektor, Ingenieur Erwin Cloos (1924 – 2000) im technischen Bereich.

Firmengründer Carl Cloos war bis zu seinem Todesjahr immer noch stundenweise im Unternehmen. "Sein Platz war in der Firma", erinnert sich Holding-Geschäftsführer Carl-Eberhard Cloos an seinen Groß;vater.

Gegründet hatte Carl Cloos sein Unternehmen mit der Herstellung von Acetylen-Gas-Entwicklern. Seinerzeit musste das Acetylen, das heute in Flaschen verkauft wird, noch von den Firmen selbst hergestellt werden. Für die Behälter, in denen das Gas mit Wasser hergestellt wurde, hatte Cloos einige Patente und Gebrauchsmuster angemeldet. Diese Behälter waren in der kleinsten Ausführung 1,3 Meter und in den größ;ten Dimensionen fünf bis sechs Meter hoch. Die Firma war damals noch ein "größ;erer Handwerksbetrieb".

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte der Gründer zusammen mit seinen Söhnen mit den ersten Elektroschweiß;geräten die Produktpalette und stellte 1956 das erste Schutzgasschweiß;gerät auf der Hannover-Messe vor. Das war der eigentliche Durchbruch in der Firmengeschichte, denn durch das neue Gerät kam weltweites Wachstum und auch der Bereich der Automatisierung bis hin zur Robotertechnik dazu. Die Firma wuchs seinerzeit in wenigen Jahren von 70 bis 80 Mitarbeitern auf 280 Mitarbeiter an.

Die Nachfrage nach modernen Automatisierungssystemen und Schweiß;geräten ist im digitalen Zeitalter weltweit sehr groß; und wird durch das Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Ost und West abgedeckt. Die Unternehmensgruppe hat weltweit etwa 750 Mitarbeiter, davon im Stammwerk in Haiger rund 500.

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In den Haigerer 
Straß;en finden sich immer mehr Spuren von prägenden Persönlichkeiten

In Haiger gibt es inzwischen schon einige Straß;en und Plätze, die an prägende Persönlichkeiten erinnern. So ist die Straß;e vom "Tor zur Stadt" zum Paradeplatz zu Ehren des ehemaligen Bürgermeisters die Willi-Kröckel-Allee. Diese beginnt am neuen Philipp-Carl-Weiss-Platz, dem mittleren Kreisel der Ortsumgehung in direkter Nähe des heutigen Firmensitzes. Gegründet wurde das Unternehmen am 15. April 1815 von dem damals 20 Jahre alten Hilchenbacher Philipp Carl Weiss.

An die Willi-Kröckel-Allee grenzt die Rudolf-Loh-Straß;e, die von der Rodenbacher Straß;e als Zufahrt zu Rittal bzw. der Friedhelm Loh Group dient. Am Ende der Rodenbacher Straß;e wurde der Kreisel in Rudolf-Loh-Platz umbenannt.

Auch der Kreisel an der Bundesstraß;e 277 in Richtung Dillenburg ist nach einem Haigerer Unternehmen benannt, dessen Wurzeln – wie die von Carl Cloos – in Siegen liegen: der Carl-Klingspor-Platz. In Siegen gründete Johann Friedrich Klingspor im Jahr 1893 zusammen mit seiner Schwester und seiner Schwägerin die Leimfabrik Klingspor & Co. Ende 1956 zog die seit 1917 von Carl Klingspor geleitete Firma nach Haiger um, wo sie im kommenden Jahr ihren 125. Geburtstag feiern kann. Ein Jahr später wird die Firma Cloos 100 Jahre alt.⋌(cw)