Züge auf der Rhein-Strecke sind besonders unpünktlich

Der Frankfurter Hauptbahnhof am frühen Morgen.

Einige Regionen sind besonders von Verspätungen im Fernverkehr betroffen. So ist Bingen bundesweit der unpünktlichste Bahnhof. Wie schneiden die anderen Stationen ab?

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Frankfurt. Der Fernverkehr der Bahn kämpft mit chronischen Verspätungen und Zugausfällen. Aber nicht alle Regionen sind im gleichen Ausmaß betroffen. Viele Bahnhöfe mit einer besonders niedrigen Pünktlichkeitsquote liegen entlang der stark belasteten Strecken durch das Ruhrgebiet und entlang des Rheins. So ist Bingen deutschlandweit der Bahnhof mit der geringsten Pünktlichkeit im Fernverkehr. Nur 39 Prozent der Fernverkehrszüge kamen dort im vergangenen Jahr pünktlich an. Das ergab eine Analyse des „Spiegel”-Magazins auf der Grundlage von Daten des Internetportals Zugfinder.de, welches unabhängig von der Bahn betrieben wird. Ausgewertet wurden Informationen über insgesamt 8,7 Millionen Einzelhalte von ICE und IC an 230 deutschen Bahnhöfen in den vergangenen drei Jahren. Pünktlichster Bahnhof war Warnemünde, dort waren 94 Prozent der ICE und IC im vergangenen Jahr pünktlich.

In der Rhein-Main-Neckar-Region zählen neben Bingen noch Mainz und Mannheim zu den Bahnhöfen mit einer Pünktlichkeitsquote von weniger als 60 Prozent. Im Mittelfeld rangieren Darmstadt, Gießen und die Frankfurter Bahnhöfe mit einer Pünktlichkeit von 60 bis 70 Prozent. Limburg und Wiesbaden rangieren vorne mit Werten von mehr als 70 Prozent. Die Bahn wertet einen Zug als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten verspätet ist.

Zwei Reisegäste warten an einem Bahnhof am Gleis.
Zwei Reisegäste warten an einem Bahnhof am Gleis. (© Arne Dedert/dpa/Symbolbild)
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Die Pünktlichkeit am Frankfurter Hauptbahnhof und dem Fernbahnhof am Flughafen entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren parallel zum Bundesschnitt. Nach relativ stabilen Werten im ersten Corona-Jahr 2020, mussten Bahnkunden im zweiten Halbjahr 2021 bereits mehr Geduld aufbringen. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 2022 verzeichnete die Pünktlichkeitskurve einen regelrechten Absturz. Seitdem hat sich die Lage wieder etwas entspannt.

Überalterte und knappe Infrastruktur

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Bahn mit 65,2 Prozent lediglich etwa zwei Drittel aller ICE- und IC-Züge pünktlich an ihr Ziel gekommen. „Die überalterte und knappe Infrastruktur, intensive Bautätigkeit und ab dem zweiten Quartal ein rasant wachsendes Verkehrsaufkommen im Fern- und Nahverkehr haben in Summe den Bahnbetrieb unter Druck gebracht”, begründet die Bahn die Verspätungen. Damit liege der Fernverkehr etwa zehn Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Auch extreme Wetterereignisse sorgen immer wieder für Verdruss.

Der Frankfurter Hauptbahnhof und der Fernbahnhof am Flughafen sind laut „Spiegel“ mit 84.375 beziehungsweise 62.111 Ankünften mit weitem Abstand die wichtigsten Verkehrsdrehscheiben in der Region. 64 Prozent der Züge kamen am Hauptbahnhof der Main-Metropole pünktlich an, am Flughafen waren es 62 Prozent. Mannheim liegt bei 55.893 Ankünften mit einer Pünktlichkeitsquote von 57 Prozent dahinter. Das gilt auch für Mainz mit 20.127 Ankünften und einer Quote von 45 Prozent. Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt schneidet schlechter ab als der Bundesschnitt.

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Wiesbaden und Limburg liegen vor Darmstadt und Gießen

Im Mittelfeld platzieren sich die Bahnhöfe in Darmstadt bei 10.323 Ankünften und 68 Prozent Pünktlichkeitsquote und Gießen bei 4545 Ankünften mit einem Wert von 69 Prozent. Vorne rangieren die für den Fernverkehr weniger bedeutenden Bahnhöfe in Wiesbaden und Limburg, die sich bei der Pünktlichkeit besser entwickelten als andere Haltepunkte. Die hessische Landeshauptstadt kommt bei lediglich 6267 Ankünften auf eine Quote von 75 Prozent. Limburg an der Lahn verzeichnet bei 10.560 Fernverkehrszügen ebenfalls einen Pünktlichkeitswert von 75 Prozent.