Das Filialnetz der neuen VR Bank Lahn-Dill.  Grafik: Steinhaus

Die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, die Volksbank Dill und die Volksbank Herborn-Eschenburg fusionieren 2018 zur VR Bank Lahn-Dill. Die neu entstehende Genossenschaftsbank...

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Marburg-Biedenkopf. Die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, die Volksbank Dill und die Volksbank Herborn-Eschenburg fusionieren 2018 zur VR Bank Lahn-Dill. Die neu entstehende Genossenschaftsbank startet mit 34 Geschäftsstellen und 360 Mitarbeitern.

Am Donnerstag wurden die Beschäftigten und Betriebsräte der drei Geldinstitute aus den beiden Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill über den Schritt informiert; am Freitag die Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz.

Wolfgang Brühl, Vorstandssprecher der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, stellt klar: "Hier ist kein Kranker dabei." Alle drei Geldinstitute seien "stark und wirtschaftlich kerngesund". Die Entscheidung zur Fusion sei "ohne wirtschaftliche Not eines einzelnen Partners entstanden".

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Von der Fusion erhoffen sich die Volksbanken "strukturelle Antworten auf Zukunftsfragen". So möchte man der immer komplexer werden Regulatorik und dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld begegnen, sagt Brühl. "Der demografische Wandel und die Digitalisierung erfordern einen spürbaren, wenn nicht sogar kompletten Umbau des Finanzdienstleistungssektors", führt er aus.

Durch die Verschmelzung sollen auch Synergieeffekte genutzt werden. "Und wir erhoffen uns schnelle Entscheidungen und kurze Wege", sagt Brühl. "Wir sind ein Schnellboot, kein Tanker."

Auch sei die Fusion ein klares Bekenntnis zur Region, dem "Wirtschaftsraum Lahn-Dill", erklärt Ralph-Uwe Orth, Vorstandsmitglied der Volksbank Dill: "Wir kennen die mittelständisch geprägte Region. Die Kunden sollen sich weiterhin mit uns identifizieren." Das erklärte Ziel: "Ein starke Partnerschaft im Sinne von Mitarbeitern, Kunden und der Region", so Orth.

Die aufnehmende Bank sei die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach. Sie ist mit einer Bilanzsumme von 783 Millionen Euro, 212 Mitarbeitern und 48 000 Kunden die Größ;te der Dreien. "Und alles bedarf der Zustimmung der Vertreterversammlung", erläutert Brühl. Der letztliche Beschluss zur Fusion soll Ende Mai kommenden Jahres fallen. Der Zusammenschluss soll dann rückwirkend auf den 1. Januar 2018 datiert werden.

Den Rückhalt aus den Aufsichtsräten haben die Vorstände: "Ich denke, es ist eine einmalige Chance für die Region", sagt Sven-Michael Wolf, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Dill.

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Veränderungen im Filialnetz – Zusammenlegungen und Zentralisierungen – seien wahrscheinlich, sagen die Vorstände. Über Schließ;ungen spreche man aber derzeit nicht. "Wir starten mit 34 Filialen", sagt Orth. Das sind 15 der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, 14 der Volksbank Dill und fünf der Volksbank Herborn-Eschenburg.

Eine direkte Überschneidung gibt es in Sinn. "Dort sind zwei Geschäftsstellen 100 Meter voneinander entfernt, eine der Volksbank Dill und eine der Volksbank Herborn-Eschenburg. Diese werden ziemlich bald nach der Fusion eine werden."

Der Vorstand 
der neuen VR Bank Lahn-Dill soll einmal aus drei Personen bestehen

Weitere Pläne, die die Vorstände bereits kommunizieren: In Eibelshausen soll ein Kunden-Service-Center etabliert werden. Der Bereich "Private Banking" soll in Herborn konzentriert werden. Ein Zentrum für den Vorstand sei in Dillenburg denkbar, während im Hinterland die Verwaltung sitzen könnte. Wichtig: "Wir werden alle Arbeitsplätze übernehmen", erklärt Orth. Das sind 360 Jobs.

Auch Veränderungen im Bereich des Vorstands stehen nach vollzogener Fusion an. Zwar beginne man mit den derzeitigen sieben Mitgliedern, allerdings arbeite man "zielgerichtet" auf drei Personen hin. Der Aufsichtsrat, der nach der Fusion aus 25 Personen besteht, soll auf zwölf bis 15 verkleinert werden. "Das ist der Größ;e des Geschäftsgebietes angemessen", meint Orth.

Ein erstes "gemeinsames Leuchtturmprojekt", wie es Klaus-Dieter Theis, Vorstandsmitglied der Volksbank Herborn-Eschenburg, nennt, sei eine Immobilienvermittlungsplattform. Sie deckt das gesamte Geschäftsgebiet ab. Diese soll am 15. August kommenden Jahres starten.

Seit circa einem halben Jahr reifen die Pläne zur Fusion schon. "Im Januar 2017 gab es den ersten Flirt", sagt Brühl und schmunzelt. Ab da seien die Gespräche konkreter geworden. Wichtig sei dabei gewesen, dass man "Gespräche auf Augenhöhe" geführt habe. "Und das hat bislang alles wunderbar geklappt."