Jonas Rutsch startet angriffslustig in die Saison

Beim Saisonauftakt in Südfrankreich fuhr Jonas Rutsch mehrfach in Spitzengruppen. Foto: Getty Images

Der Erbacher Radprofi ist nach gutem Wintertraining und der ersten Rundfahrt in Frankreich zufrieden. Klassiker Paris-Roubaix und Tour de France als Saisnhöhepunkte fest im Visier.

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ERBACH/WIESBADEN. Die Höhepunkte sind noch weit weg, die Saison hat auch gerade erst angefangen. Für Jonas Rutsch aber kein Grund, es gemächlich angehen zu lassen. Es ist halt das Naturell des Erbacher Radprofis, sich die Rennen lieber ein bisschen schwerer zu machen. Entsprechend war er bei er der Tour des Alpes Maritimes et du Var auch auf zwei von drei Etappen Initiator in Ausreißergruppen. "Die Beine haben sich echt gut angefühlt. Auch wenn ich bergauf natürlich noch nicht in der Verfassung bin, um mit einem Nairo Quintana mitzufahren", sagte Rutsch nach der Rundfahrt in Südfrankreich, die der von ihm erwähnte Kolumbianer zum zweiten Mal gewann.

"Es war ein hartes Rennen für den Einstieg, es ging eigentlich nur berghoch". Nicht eben das Terrain für den 1,91 Meter großen Mann, der sich da auf anderem Terrain wesentlich wohler fühlt. "Das Kopfsteinpflaster kann kommen", lautet die Ansage von Rutsch, der dieses Terrain und eigentlich schon an diesem Wochenende bei zwei Eintagesrennen in Belgien unter die Räder nehmen wollte. Sein Einsatzplatz wurde zwar kurzfristig umgestellt, der 17. April bleibt aber als erster Saisonhöhepunkt im Visier: Paris-Roubaix, wo der Odenwälder bei seinem Debüt im Vorjahr als bester Deutscher auf Rang elf fuhr.

"Wir haben viele starke Fahrer dazu bekommen und ich bin überzeugt, dass wir eine richtig starke Klassikerkampagne fahren werden", sagt Rutsch, der aus seinem Vorjahresergebnis keinen Anspruch auf die Kapitänsrolle ableiten will. Wäre auch etwas vermessen mit immer noch erst 24 Jahren. Mehr noch als um die Platzierung geht es ihm ohnehin um die Weiterentwicklung seiner fahrerischen Qualitäten. Die Winterarbeit sieht er dafür als gute Basis. "Die Vorbereitung lief komplett zur Zufriedenheit, ohne Krankheit und ohne Covid. Ich konnte gut trainieren und bin genau in der Verfassung, in der ich sein muss", lautet die Bestandsaufnahme des Odenwälders, der in den nun zwei Jahren der Pandemie auch ganz andere Phasen erlebt hat.

Der Saisoneinstieg sei recht chaotisch verlaufen bezüglich Streckenführung und -sicherung. "Wenn du da auf der falschen Seite in den Kreisel gefahren bist, hast du schon mal 50 Positionen verloren", berichtet Rutsch von der Rundfahrt in den französischen Seealpen, durch die er bald schon wieder fahren wird. Sein von EF Education Nippo in EF Coaching umbenanntes Team hat ihn für die Fernfahrt Paris-Nizza (6. bis 13. März) nominiert. Der Startort ist wiederum der wichtigste Zielort, den er im Sommer anvisiert. "An meinem Rennkalender sollte sich im Vergleich zur Vorsaison nur wenig ändern", sagt der Erbacher selbstbewusst. Was bedeuten würde, dass er wieder im Aufgebot für die Tour de France stehen würde, die am 1. Juli in Kopenhagen startet. "Der Prozess muss weiterlaufen. Ich fühle mich bereit, weitere Schritte gehen zu können." Als starker Helfer, aber auch als ein Mann, der selbst Akzente im Renngeschehen setzen kann. Beides hatte Rutsch schon bei seiner Tour-Premiere im Vorjahr gezeigt.

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Neben den Beinen fordert Rutsch aber auch seinen Kopf stetig. Zwischen Renn- und Trainingseinsätzen arbeitet er an der Bachelor-Arbeit seines dualen Studiums in der Sportfördergruppe der hessischen Polizei in Wiesbaden, wo er auch wohnt und von wo er gerne mal mit dem Rad in seinen Heimatort fährt. Einmal Erbach und zurück, knapp 200 Kilometer, kleine Trainingsrunde eben.