Güttersbach: Der Dorflauf, der bei der Marathon-EM mitrennt

Vom Güttersbacher Kirchturm weit und hoch hinaus in den Odenwald führen die Wettbewerbe des Güttersbacher Volkslaufs. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wieder angesetzt sind sie am13. August.  Foto: SC Güttersbach

Zum Volkslauf im Mossautal gehören prominente Namen wie der von Katharina Steinruck. Am 13. August startet die 25. Ausgabe.

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MOSSAUTAL. Wenn die 32 Jahre alte Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) am 15. August in München um den Europameistertitel im Marathon läuft, dann steckt ihr auch ein Stück Güttersbach in den Beinen. "Ich bin mit Katharina immer unheimlich gerne in den Mossautaler Ortsteil gekommen", sagt Steinrucks Mutter, die Leichtathletik-Ikone und Frauenmarathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig (60). Und die Erbacherin ließ sich auch regelmäßig beim Volkslauf in der Nachbargemeinde sehen, als ihre Tochter längst den Kinder- und Jugendschuhen entwachsen war, mit denen ihr die Güttersbacher Wettkämpfe passten.

"Ich kenne kaum eine Veranstaltung, die eine solche Empathie für die Athleten hervorbringt wie dieser Odenwälder Volkslauftag", begründet Dörre-Heinig ihre Zuneigung zum Güttersbacher Ausdauersportereignis. In diesem Jahr freilich wird sie zum entsprechenden Termin wohl noch nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden. Denn gelaufen wird in Mossautal, wenn die Bundestrainerin und ihre Schützlinge in den finalen Vorbereitungen für die EM stecken. "Als Datum für unseren Volkslauf ist von je her der zweite August-Samstag gesetzt", erklärt Vorsitzender Achim Schmidt vom Skiclub Güttersbach. Und damit startet der vom Winter- zum Ausdauersportverein konvertierte Veranstalter seine Läufe in diesem Jahr am Samstag, 13. August - also zwei Tage vor dem EM-Rennen in München.

"Zwei Jahre haben wir wegen Corona die Füße stillhalten müssen", sagt der Polizeibeamte im Ruhestand weiter, "aber jetzt können wir endlich unser Jubiläum feiern". Zum 25. Mal arrangieren das Führungs- und ein großes Helferteam das Lauffestival, das sich aus kleinen Anfängen zum wohl größten Ausdauersportfest im Odenwald entwickelt hat. Schon häufig hat der SC mehr als 400 Erwachsene, Jugendliche und Kinder auf die Strecken im Gebiet des legendären Siegfriedsbrunnens geschickt. "Dieses Jahr werden es wohl etwas weniger werden, weil sich nach den Lockdowns die Felder doch etwas ausgedünnt haben", weiß Schmidt.

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Strecke verlangt den Läufern viel ab

Bundestrainerin Dörre-Heinig indes wünscht sowohl dem Veranstalter als auch den Sportlern die Rückkehr der üblichen regen Betriebsamkeit auf den Dorfplatz vor der beeindruckenden Quellkirche. "Ich kann ein Gastspiel in Güttersbach nur empfehlen", sagt die Fachfrau, die ihre Expertise freilich nicht auf eigene Wettkampferfahrung dort stützen kann. "Das hat einfach nie in mein Jahresprogramm gepasst", gibt die dreifache Gewinnerin des London-Marathons preis. Von Trainings- und Erkundungsrunden her aber kennt sie die Strecken. "Mit bis zu 450 Höhenmetern verlangen sie den Läufern zwar viel ab, sind aber ausgesprochen abwechslungsreich, sodass es nie langweilig wird."

Eine Herausforderung stellen nicht nur die langen Anstiege, sondern auch die Bergab-Stücke dar, von denen vor allem der Zielhang konzentriert gelaufen werden wolle. Um so größer sei dann das Läuferglück im Ziel, das der Skiclub mit gekonnter Kommentierung, vorbildlicher Publikumsnähe, Finisher-Medaillen und Trikots mehre. "Unter diesen Umständen geht kaum jemand gleich nach dem Zieleinlauf nach Hause", weiß Dörre-Heinig, die Güttersbach deshalb auch als Platz zum geselligen Austausch in der Szene schätzt.