Weitenjagd am Schattenberg

aus Zeit-Lupe

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Die Schattenbergschanze muss immer öfter künstlich beschneit werden. Foto: dpa

Der erste Skisprung im Wettkampf von der Oberstdorfer Schattenbergschanze endet 1925 bei 35 Metern. Erst nach vielen baulichen Veränderungen sind in den 1970er Jahren...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Wer einmal den Wintersportort Oberstdorf im Allgäu besucht, kommt an den weithin sichtbaren Skisprungschanzen nicht vorbei, die Jahr für Jahr zum Auftakt der Vierschanzentournee internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Im Mittelpunkt die Schattenbergschanze mit dem K-Punkt bei 120 Metern, auf der der Norweger Sigurd Pettersen 2003 mit 143,5 Metern den Schanzenrekord aufstellte.

Vor mehr als 100 Jahren war die Situation noch völlig anders. Schon 1910 sprang Bruno Biehler damals sensationelle 22 Meter weit vom ersten Holzgerüst ins Tal. Die Schanze stand noch an der Halde und war der Sonne zu stark ausgesetzt, um dauerhaft gute Bedingungen zu schaffen. Auf Anregung des Kurdirektors Hermann Schallhammer wurde ein neuer Standort gesucht, das Grundstück vor dem Schattenberg schien mit reichlich Schatten der geeignete Ort für die „Schattenbergschanze“. Der Allgäuer Architekt Hans Schwendiger entwarf eine 50-K-Schanze, auf der Franz Thannheimer vom Skiclub Oberstdorf (SCO) erste Versuche unternahm. Sein Jungfernsprung brachte ihm 43 Meter und eine Sturzlandung ein.

Erst bei der offiziellen Eröffnung der Schattenbergschanze am 27. Dezember 1925 trugen die Weitenmesser einen neuen Rekord ein: Gustl Müller aus Bayerisch-Zell landete bei 35 Metern. Thannheimer, der 1928 zu den Olympischen Spielen nach St. Moritz fahren sollte, übertraf diesen Hüpfer aber mit einem 46-Meter-Satz.

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Olympia 1936 brachte eine Vergrößerung der Schanze auf K70, die Bestweite wuchs – Heini Klopfer sprang 59 Meter. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute der SCO die Schanze mit gespendetem Holz wieder auf. Sepp Weiler steigerte die Bestweite bis 1950 auf 82 Meter, ehe erneut bauliche Anpassungen vorgenommen wurden. Doch die Bestmarke hielt bis 1969, als der Japaner Yukio Kasaya seine Ski bei 86 Metern in den Schnee setzte.

Extra für die Skiflug-WM 1973 wurde am Schattenberg erneut gebaut – erstmals mit Stahlbeton statt mit Holz. Die K115-Anlage brachte Flüge über 100 Meter. Eine Dimension, die sich bereits Ideengeber Schallhammer gewünscht hatte, die mit Pettersens Weite aber nur noch historischer Schnee von gestern ist.