Ulrich Salchow: Auf den Kufen wie eine Maschine

aus Zeit-Lupe

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Ulrich Salchow der Dominator auf dem Eis. Foto: gemeinfrei

Der Schwede beherrscht Anfang des 20. Jahrhunderts den Eiskunstlauf und gewinnt 1911 in Berlin seinen zehnten WM-Titel.

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BERLIN. Wer sich für Eiskunstlauf interessiert, kommt um den Namen Ulrich Salchow nicht herum. Nicht nur, weil der Schwede zwischen 1901 und 1911 nahezu jede Weltmeisterschaft für sich entschied. Auch nicht unbedingt, weil er 1908 zum ersten Olympiasieger seiner Sportart gekürt wurde. Und schon gar nicht, weil er einen Kunstlauf-Schlittschuh erfand, der bis in die 1930er Jahre unter seinem Namen verkauft wurde.

Ulrich Salchow sprang bei der WM 1910 in Davos erstmals mit seiner Kufe rückwärts einwärts ab, drehte sich um die eigene Achse und landete auf dem anderen Bein rückwärts auswärts - eine Weltneuheit, die schließlich nach dem damals 32-jährigen Eiskunstläufer benannt wurde.

Comeback-Erfolg 1920 scheitert am eigenen Sprung

Noch immer wird der Salchow als einer von sechs Grundsprüngen in der Eiskunstlauf-Ausbildung gelehrt. Allerdings springen ihn die Talente der Gegenwart inzwischen bereits mit drei Umdrehungen, die Sportler in der Weltelite gar mit vier. Davon hatte der Schwede nicht zu träumen gewagt, als er sich am 3. Februar 1911 zum letzten Mal aufs WM-Eis begab. Vielmehr konzentrierte er sich auf seine Stärke: das technische Pflichtprogramm, das er meist sicher wie eine Maschine abspulte. Der berufliche Elektro-Fachmann hatte im Lokalmatadoren Werner Rittberger einen ernsthaften Konkurrenten zu bezwingen, der ihm schon ein Jahr zuvor alles abverlangt hatte. Doch so sehr sich Rittberger, der dem Eiskunstlauf ebenso mit einem erfundenen Sprung seinen Stempel aufdrückte, auch bemühte: Schlagen konnte der Deutsche den erfolgreichsten Eiskunstläufer aller Zeiten nie. Auch nicht in Berlin, wo Salchow sich seinem zehnten WM-Triumph sicherte.

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Ulrich Salchow engagierte sich fortan für zahlreiche Sportarten in seiner Heimat, stand dem Radsport und Boxverband vor, widmete sich seiner anderen Leidenschaft, dem Bobsport. Doch ganz ohne Eislauf ging es nicht, also wagte der Stockholmer nach 1913 auch zu den Olympischen Spielen 1920 mit inzwischen 42 Jahren ein Comeback. Die Tragik in Antwerpen: Salchow verpatzte ausgerechnet seinen eigenen Sprung und musste sich mit Platz vier begnügen.

Von Björn-Christian Schüßler