Robert Hoyzer: Von wirren Pfiffen und obskuren Cafés

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Tiefpunkt: Dank der Mauschelei von Robert Hoyzer (rechts) fliegen Sergej Barbarez und der HSV aus dem Pokal.Archivfoto: dpa

Wie Robert Hoyzer im Jahre 2005 Spiele verschob und zum Teil der nationalen Fußball-Kultur wurde.

Anzeige

. Von Ulrich Gerecke

Der Mann ist mittlerweile Teil der nationalen Fußball-Kultur geworden, allerdings könnte Robert Hoyzer auf diese Ehre gut verzichten. Schließlich gilt „Du Hoyzer!“ auf dem Platz als Beleidigung, „hoyzern“ schaffte es 2005 auf Platz sieben bei der Wahl zum Unwort des Jahres und wenn Fans singen „Schiri, wir wissen, dass Du Oddset spielst!“ schwingt immer noch etwas mit vom größten Skandal der jüngeren Fußball-Geschichte.

Am 27. Januar 2005 teilt Robert Hoyzer (damals 25) schriftlich mit: „Die in der Öffentlichkeit erhobenen Anschuldigungen gegen mich sind im Kern zutreffend.“ Diese Anschuldigungen, eine Woche zuvor von vier Schiedsrichter-Kollegen ins Rollen gebracht, schlagen anderthalb Jahre vor der Sommermärchen-WM hohe Wellen: Hoyzer gibt nämlich zu, mehrere Spiele verschoben zu haben, damit Bekannte von ihm hohe Wettgewinne einheimsen. Im Zentrum stehen obskure Runden im nicht minder obskuren Berliner „Café King“.

Die Republik gerät in Wallung. Hoyzer pfeift zwar nicht in der Ersten Liga, trotzdem ziehen viele Vergleiche mit dem Bundesliga-Skandal 1971. Ganz so dick kommt es am Ende nicht, aber Hoyzer hinterlässt nicht nur in der Fankultur, sondern auch in der Statistik Spuren. Dank seiner verqueren Pfiffe fliegt der Hamburger SV im Sommer 2004 beim SC Paderborn mit 2:4 aus dem DFB-Pokal und Trainer Klaus Toppmöller zwei Monate später raus. Die Zweitliga-Partie LR Ahlen – Wacker Burghausen (1:0) verpfeift Hoyzer im Oktober 2004 dermaßen, dass sie wiederholt werden muss.

Anzeige

Der DFB reagiert hart, sperrt Hoyzer lebenslänglich – wohl auch, um den Verdacht im Keim zu ersticken, bei der Referee-Rekrutierung gehe es unsauber zu und das System leiste der Verführung zur Manipulation Vorschub. Hoyzer wird im November 2005 wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Sein Café-King-Kumpel und Wettpate Ante Sapina bekommt noch ein halbes Jahr mehr, das Urteil wird 2012 vom Bundesgerichtshof kassiert. Hoyzer arbeitet laut Medienberichten heute für ein Internet-Vergleichsportal.