Rekorde, die niemand braucht

aus SV Darmstadt 98

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Fabian Holland steht auch nach Niederlagen wieder auf. Dem SV 98 bleibt er wohl erhalten: Sein Vertrag hatte sich mit dem Klassenerhalt in der Vorsaison um ein weiteres Jahr bis 2018 verlängert.Foto: dpa  Foto: dpa

Es gibt Rekorde, die braucht wirklich kein Mensch. Der SV Darmstadt 98 stellt derzeit in der Fußball-Bundesliga so einige auf, auf die man alles andere als stolz sein kann. So...

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DARMSTADT. Es gibt Rekorde, die braucht wirklich kein Mensch. Der SV Darmstadt 98 stellt derzeit in der Fußball-Bundesliga so einige auf, auf die man alles andere als stolz sein kann. So kassierten die Lilien am Samstag bei RB Leipzig mit dem 0:4 die 13. Niederlage im 13. Auswärtsspiel, was seit der Saison 1983/84 keine Mannschaft mehr „geschafft“ hat. Damals war der 1. FC Nürnberg aus der Bundesliga abgestiegen, ohne einen einzigen Punkt in der Fremde geholt zu haben. Bei nur noch vier Auswärtsspielen droht den Lilien jetzt ein ähnliches Schicksal.

Fabian Holland steht auch nach Niederlagen wieder auf. Dem SV 98 bleibt er wohl erhalten: Sein Vertrag hatte sich mit dem Klassenerhalt in der Vorsaison um ein weiteres Jahr bis 2018 verlängert.Foto: dpa  Foto: dpa

Zumal der SV 98 seit Samstag eine weitere „Bestmarke“ hält: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Saison 1995/96 hatte keine Mannschaft nach 26 Spieltagen weniger Erfolg als die Lilien. Gerade einmal 15 Punkte haben die Darmstädter erreicht, allesamt wurden sie am heimischen Böllenfalltor geholt. Die Tordifferenz von 17:51 ist zudem schlechter als die des SC Freiburg in der Saison 1996/97 (27:58), die damals nach 26 Spieltagen ebenfalls nur 15 Punkte auf dem Konto hatten.

Spielerisch verbessert, aber kaum Punkte

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Man muss schon sehr optimistisch sein, um zu glauben, dass die Darmstädter auch noch so viele Punkte holen werden. Vielmehr drohen die Lilien ein Fall für die Geschichtsbücher zu werden – als einer der schlechtesten Absteiger der Bundesliga-Geschichte. Spielerisch hat sich seit der Winterpause und der Verpflichtung von Trainer Torsten Frings einiges verbessert, in Punkten schlägt sich das aber einfach nicht ausreichend nieder. Immerhin: Der schlechteste Absteiger aller Zeiten können die Lilien nicht mehr werden. Da haben andere Mannschaften „Bestmarken“ gesetzt, die nicht unterboten werden können.

Der schlechteste Bundesligist, was die Punktausbeute angeht, war Tasmania Berlin in der Saison 1965/66. Gerade einmal zwei Siege und zwei Unentschieden standen nach 34 Spielen auf der Habenseite, nach der heutigen Drei-Punkte-Regelung wären das zehn Punkte. Und auch der Wuppertaler SV reiht sich bereits hinter den Lilien ein, der WSV holte in der Saison 1974/75 nach heutiger Zählart 14 Punkte.

In Reichweite sind für die Lilien noch Hertha BSC (17 Punkte in der Saison 1990/91), der SC Freiburg (18 Punkte in der Saison 2004/05), Dynamo Dresden (20 Punkte in der Saison 1994/95), der VfB Leipzig (20 Punkte, 1993/94) und der 1. FC Nürnberg (20 Punkte, 1983/84). All diese Mannschaften stiegen als Tabellenletzter ab, ein Schicksal, das auch den SV Darmstadt schon einmal ereilt hat. Das war 1978/79, die Lilien hatten am Ende ihres ersten Jahres in der Bundesliga nach heutiger Lesart 28 Punkte auf dem Konto. Das können sie in dieser Saison nur noch äußerst schwer erreichen.

Im zweiten Bundesligajahr 1981/82 waren es dann 21 (nach heutiger Lesart 26) Punkte, immerhin wurden die Darmstädter aber nicht Letzter. Das war der MSV Duisburg (19 Punkte, heute wären es 27). Hätte es zu jener Zeit also schon drei Punkte für einen Sieg gegeben, hätten die Lilien auch diese Saison als Letzter beendet.

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Eine Kuriosität bot die Saison 1968/69: Damals stiegen die Offenbacher Kickers als Letzter ab. Sie hatten nach heutiger Rechnung sagenhafte 38 Punkte erreicht, was ihnen freilich wenig nutzte. Denn vor ihnen platzierten sich der 1. FC Nürnberg (17./38) und Borussia Dortmund (16./41). Nürnberg stieg mit ab, Dortmund hielt die Klasse.