Favoritenrollen in der Zweiten Bundesliga sind klar verteilt

aus SV Darmstadt 98

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Experten sehen die Teams aus Hamburg, Hannover, Düsseldorf und Nürnberg am Ende vorne. Doch es gibt viele Unwägbarkeiten – und auch dem SV 98 wird eine Überraschung zugetraut

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DÜSSELDORF. Im Vorjahr schienen die Favoriten in der Zweiten Fußball-Bundesliga klar, doch nur Stuttgart wurde der Rolle gerecht. Hamburg, Hannover und Nürnberg nehmen nun einen neuen Anlauf. Zusammen mit den Absteigern und Geheimfavoriten scheint ein spannendes Rennen bevorzustehen.

Zusammen kommen sie auf 177 Bundesliga-Jahre, in einer Ersten Liga mit den 18 Ersten der Ewigen Tabelle wären sie allesamt dabei. Doch in der am Freitag beginnenden Saison der Zweiten Liga geht es für das Traditions-Quintett Hamburger SV (55 Bundesliga-Jahre), VfL Bochum (34), 1. FC Nürnberg (33), Hannover 96 (30) und Fortuna Düsseldorf (25) mit unterschiedlichen Voraussetzungen und teilweise großer Unsicherheit um einen vor allem in Corona-Zeiten immens wichtigen Aufstieg. Auf den ohne forsch formulierte Ziele auch Absteiger Paderborn, Relegations-Teilnehmer Heidenheim und mögliche Überraschungs-Teams wie Darmstadt oder sogar Sandhausen hoffen dürfen.

„Die Zweite Liga ist spannender als die Bundesliga“, sagte der frühere Meistercoach Felix Magath, der nun der starke Mann hinter Aufsteiger Würzburger Kickers ist, in einer Gesprächsrunde der Sport Bild. „Den Favoriten-Kreis würde ich sehr groß ziehen“, befand der neben ihm sitzende Dieter Hecking. Dieser war im Vorjahr mit dem HSV gescheitert und soll nun als Sportvorstand den fast in die Dritte Liga durchgereichten Club aus Nürnberg reanimieren.

Heckings Nachfolger Daniel Thioune hat beim einstigen Bundesliga-Dino aus Hamburg den vielleicht weiterhin besten Kader zur Verfügung, gleichzeitig aber auch den größten Druck. Die Rückkehr in die Bundesliga ist quasi ein Muss – mit dem Trauma von zwei verpassten Anläufen im Nacken und einem deutlich reduzierten Etat. Und nun auch noch mit der Pokal-Pleite beim Drittligisten SG Dynamo Dresden inklusive der schlagzeilenkräftigen Fan-Rangelei von Abwehrspieler Toni Leistner. Direkt im Auftaktspiel am Freitag (18.30 Uhr empfangen die Hamburger mit Absteiger Düsseldorf zudem gleich einen weiteren Favoriten.

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Die Fortuna tat sich nach 17 Abgängen zunächst schwer, die sofortige Rückkehr in die Erste Bundesliga als Ziel zu benennen. Doch mit einem guten Gerüst und Neuzugängen wie Edgar Prib muss dies der klare Anspruch der Düsseldorfer sein. „Wenn die anderen uns lassen, wollen wir natürlich aufsteigen“, sagt Sportchef Uwe Klein.

In Hannover hat man sich bewusst von Stützen wie Prib und Ex-Weltmeister Ron-Robert Zieler getrennt. Die Ziele sind nach dem Verpassen des direkten Wiederaufstiegs im Vorjahr aber klar. „Wir müssen jetzt hoch“, fordert Präsident Martin Kind auch vor dem Hintergrund der Corona-Einbußen. Trainer Kenan Kocak war von der klaren Vorgabe wenig begeistert, er sei „kein Freund von langfristigen Zielen“.

Noch deutlicher als die Niedersachsen verfehlte Nürnberg den Wiederaufstieg, am Ende trennten die Franken nur wenige Sekunden von der Dritten Liga. Mit Hecking und Trainer-Talent Robert Klauß (35), bisher Assistent von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig, soll es nun nach oben gehen. Man befinde sich in einem Prozess, gab Hecking zu bedenken. „Sollten wir am Ende einen Lauf haben, werden wir uns nicht dagegen wehren.“

Für Magath ist der Kreis der Aufstiegs-Kandidaten damit fix. „Wer soll außer Hamburg, Hannover, Nürnberg und Düsseldorf aufsteigen? Ich kenne keinen“, sagte er. Hecking denkt derweil jedoch sehr wohl auch an die Bochumer, die nach der Corona-Pause zuletzt die meisten Punkte aller Teams geholt hatten: „Der VfL erinnert mich an Arminia Bielefeld, die dieses Jahr aufgestiegen sind.“

Aber wer könnte noch das neue Bielefeld werden? Vielleicht die ohne Niederlage in der Relegation an Bremen gescheiterten Heidenheimer? „Diese Zielsetzung kann es bei uns definitiv nicht geben“, sagte Trainer Frank Schmidt in der Sport Bild mit Blick auf den Verlust wichtiger Leistungsträger: „Zaubern können wir auch in Heidenheim nicht.“ Trainer Steffen Baumgart von Düsseldorfs Mitabsteiger SC Paderborn zählt Heidenheim aber sehr wohl zu den Kandidaten. „Uns würde ich aber nicht zum Favoritenkreis zählen.“

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Immer wieder genannt wird auch der SV Darmstadt 98 nach einer starken Rückrunde und mit Neu-Trainer Markus Anfang, der 2018 Holstein Kiel in die Relegation führte und 2019 den 1. FC Köln zum Aufstieg, obwohl er wenige Wochen vor Saisonende entlassen worden war. Und manch einer traut sogar Sandhausen etwas zu: Der Dorfverein aus der Nähe von Heidelberg war in der Nach-Corona-Tabelle Fünfter und hat sich auch in diesem Sommer gut verstärkt.

Von Holger Schmidt