Die Suche nach der Lilien-Stammformation

aus SV Darmstadt 98

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Er könnte Victor Palsson auf der Sechserposition vertreten: Seung-ho Paik, hier im Duell mit Kevin Heinz (Eintracht Trier).  Foto: Florian Heinz

Das Testspiel des SV Darmstadt 98 bei Vitesse Arnheim am Samstag könnte zeigen, auf wen sich Trainer Markus Anfang verlässt. Doch auch danach werden noch einige Fragen offen sein.

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. DarmstadtDer letzte Härtetest steht an: Wenn Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 an diesem Samstag um 13.30 Uhr beim niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim antritt, dürfte etwas mehr Klarheit darüber herrschen, wem der neue Lilien-Trainer Markus Anfang vertraut und auf wen er auch im ersten Pflichtspiel der Saison am 13. September (Sonntag, 18.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Magdeburg setzen könnte. "Es ist alles sehr eng, aber das finde ich auch gut so", sagt Anfang. "Wir werden wegen der Belastung viel rotieren in der kommenden Saison, aber wir brauchen natürlich gerade am Anfang eine Formation, die sich einspielen kann."

Soll heißen: Allzu viele Wechsel wird es zumindest in den ersten Wochen wohl nicht geben. Anfang hat in der Vorbereitung fast allen Spielern gleiche Einsatzzeiten gegeben - dadurch sind zwar alle auf dem gleichen Stand, aber eine vermeintliche Stammformation hat sich halt nicht herausgebildet. "Wir brauchen eine Mannschaft, die sich zwei, drei Spieltage lang einspielen kann", erlaubt der Trainer einen Einblick in seine Gedankenwelt. Dass er personell viel Auswahl hat, findet er gut. "Wenn wir darüber nicht reden könnten, hätten wir eher ein Problem. Wir haben in der Tat viele Varianten."

Es gibt Profis wie den aus Bielefeld zur Düsseldorfer Fortuna gewechselten Florian Hartherz, die die Lilien in der kommenden Saison als Aufstiegskandidaten sehen. Wenig Veränderung im Kader, starker Konkurrenzkampf, gute Einzelspieler - all das könnten ja auch Argumente dafür sein. Anfang selbst stapelt naturgemäß tiefer. "Nürnberg, der Hamburger SV - das sind schon Kaliber. Die Ambitionen dort sind klar, die Kader sind top aufgestellt." Der HSV etwa holte Simon Terodde - und der würde nicht nach Hamburg gehen, wenn das Ziel nicht der Aufstieg wäre, glaubt Anfang. In Darmstadt halten sie sich derweil nach wie vor zurück, was die Zielsetzung angeht. "Wir wollen eine gute Saison spielen, und das hat nicht unbedingt mit der Platzierung zu tun", sagt der 46-Jährige. "Wir wollen die Jungs weiterentwickeln, eine Platzvorgabe wäre vermessen."

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Zumal auch Anfang weiß, wie eng es in der Zweiten Liga zugehen kann. Als Trainer bei Holstein Kiel hat er einmal am letzten Spieltag gegen Eintracht Braunschweig gewonnen - die Eintracht stieg deshalb ab, obwohl sie zuvor nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz gestanden hatte. Nürnberg und Hamburg schätzt er stark ein, er nennt zudem Paderborn und Düsseldorf, auch Heidenheim. "Die haben andere Ambitionen", sagt er.

Die Lilien haben Spieler wie Aaron Seydel, Lukas Mai und Adrian Stanilewicz geholt, der HSV den gestandenen Torjäger Terodde - "man muss das im Verhältnis sehen", bittet Anfang. "Wir haben gute Jungs geholt, aber keinen, der direkt in Kombination mit Platz eins bis sechs steht."

Anfang blickt immer wieder einmal auf seine Kieler Zeit zurück, und dabei erinnert er daran, dass Holstein einmal mit 33 Punkten Herbstmeister war, dann aber doch nicht aufstieg. "Es ist immer schwer, so etwas zu bestätigen. Hin- und Rückrunde gehören nun mal zusammen - man muss immer realistisch bleiben." Für ihn selbst gelte, dass er es mit Tabellenplätzen generell nicht so habe. "Ich war mal Erster, und das war auch nicht so gut", erinnert er schmunzelnd an seine Freistellung beim 1. FC Köln nach der 1:2-Niederlage ausgerechnet gegen den SV 98 im April 2019.

Dass er viel von seinen Spielern verlangt, schildern diese in jedem Gespräch. Nicht nur fußballerisch, auch mental fordert Anfang eine gewisse Intelligenz, heißt es unisono. "Das geht irgendwann in Fleisch und Blut über. Jeder Trainer gibt neue Impulse, und wenn man die erst mal verinnerlicht hat, hat man auch kein Problem." Dass der eine oder andere überfordert sein könnte, glaubt er nicht. "Jeder Spieler hat immer eine Aufgabe, keiner darf abschalten", lautet Anfangs Devise. Oder anders ausgedrückt: "Umschalten ist erlaubt, abschalten nicht."

Allzu sehr verkomplizieren will er es freilich auch nicht, "denn viel mitzugeben, heißt ja nicht zwangsläufig, dass es auch viel bringt", weiß der Coach. "Ich diktiere niemandem, wie er Fußball spielen soll - ich sage nur, wo er spielen soll. Ich will keinen Spieler verändern." Jeder Akteur solle auch mal eigene Lösungen finden, in ein Korsett mag Anfang niemanden schnüren. "Im Raum dürfen sie es machen, wie sie es wollen. Sie dürfen aber auch nicht machen, was sie sollen."

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Das sollen sie auch in Arnheim nicht, Anfang verspricht sich viel von dem Test. "Wir werden die Partie nutzen, um den Jungs zu zeigen, in welche Richtung es gehen kann", sagt Anfang. Um gleich nachzuschieben: "Was aber nicht bedeutet, dass die Positionen danach fest vergeben sind."