Kolumne von Eric Scherer: FCK soll Meinung zu Abbruch äußern

aus 1. FCK

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Er beleuchtet das Geschehen rund um den Betzenberg: Eric Scherer. Foto/Grafik: Scherer/Wilinski

Soll die 3. Liga abgebrochen werden? Eine Entscheidung darüber wird nicht alle Klubs zufrieden stellen. Warum sich der FCK-Geschäftsführer zu dem Thema öffentlich äußern sollte.

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KAISERSLAUTERN. „In dieser Woche werden wichtige wichtige Weichen gestellt, wie es in den ersten drei Profiligen in Deutschland weitergeht“, kündigt DFB-Präsident Fritz Keller in der aktuellen Ausgabe des „kicker“ an. Klingt gut, aber darf der Fußballanhänger jetzt wirklich eine endgültige Entscheidung erwarten, ob die aktuellen Spielzeiten ohne Publikum zu Ende gespielt oder abgebrochen werden? Klar ist immerhin schon: Für die Dritte Liga wird es keine Entscheidung geben, die alle Klubs zufrieden stellt, da drohen weiterer Ärger und vielleicht auch gerichtliche Klagen. Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, will sich an der längst auch öffentlich geführten Debatte nicht beteiligen. Das kann man verstehen, muss es aber nicht.

Partien mit Publikum sind ohnehin nicht mehr möglich

Welche Meinung Voigt intern vertritt? Zumindest steht der FCK nicht auf der Liste der acht Klubs, die sich am vergangenen Freitag für einen Saisonabbruch ausgesprochen haben. Bereits am Gründonnerstag soll sich bei einer Videokonferenz der 20 Vereinsvertreter eine 13:7-Mehrheit für eine Fortführung der Saison 2019/2020 ausgesprochen haben – gegebenenfalls mit „Geisterspielen“. Partien mit Publikum sind bis 31. August ohnehin nicht mehr möglich, wie aus einer Erklärung der Bundesregierung in der vergangenen Woche hervorgeht. Führende Virologen empfehlen bereits, Großveranstaltungen bis Ende des Jahres abzusagen.

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„Keine Absteiger", plädieren die Letztplatzierten - wen Wundert´s?

Klar für eine Fortsetzung der Ligaspiele ausgesprochen haben sich bislang die fünf bayerischen Drittligisten sowie der FC Hansa Rostock. Schaut man sich beide Listen näher an, drängt sich vehement der Verdacht auf, dass nahezu alle, die darauf stehen, in erster Linie von egoistischen Interessen geleitet sind.

Die Abbruchs-Befürworter sprechen sich nämlich auch dafür aus, dass die aktuelle Tabelle, also die nach dem zuletzt ausgetragenen 27. Spieltag, zur endgültigen erklärt wird, es aber nur Aufsteiger, aber keine Absteiger geben sollte. Und, welch ein Zufall: Den Abbruch ohne Absteiger befürworten die vier Teams, die gegenwärtig auf den Abstiegsplätzen stehen – Jena, Großaspach, Münster und Zwickau – sowie die abstiegsbedrohten, weil unmittelbar davor platzierten Halle und Magdeburg.

Die noch Hoffenden wollen weiterspielen - Ebenfalls kein Wunder

Auch der Tabellen-13. aus Chemnitz steht nur zwei Punkte überm Strich, aber immerhin noch einen Rang vor dem FCK, der öffentlich keine Position beziehen will. Der SV Waldhof Mannheim dagegen dürfte als gegenwärtiger Tabellenzweiter in die Zweite Liga aufsteigen – und votiert, was Wunder, ebenfalls für den sofortigen Abbruch. Unter den Verfechtern der Fortführung dagegen finden sich ausnahmslos Klubs, die gegenwärtig keine direkten Aufstiegsplätze belegen, aber noch gute Aussichten hätten, einen solchen zu erklimmen: Unterhaching, Ingolstadt, 1860 München, Würzburg, auch der FC Bayern II, für den die Platzierung in der Endtabelle freilich nur eine untergeordnete Rolle spielen könnte.

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Gibt es auch objektive Gründe?

Die Frage ist daher: Gibt es auch objektive Gründe, die sich in dieser Frage abwägen lassen? Die wiederum läuft im Grunde darauf hinaus: Was stellt das wirtschaftlich kleinere Übel dar – Geister- oder gar keine Spiele? „Mit Rückkehr zum Spielbetrieb gehen wir aus der Kurzarbeit heraus, hätten die vollen Personalkosten zu tragen, gleichzeitig aber keine relevanten Einnahmen, die dem entgegenstehen“, erklärt Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau, der zu den ersten Entscheidungsträgern der Dritten Liga gehörte, die sich klar für einen Abbruch positionierten. Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen, die beim Austragen der restlichen Heimspiele ohne Publikum verloren gingen, beziffert der FSV auf 540.000 Euro.

FCK verliert durch Ausfälle siebenstelligen Betrag

Wobei festgehalten werden muss: Zwickau hat in dieser Saison bislang durchschnittlich 5.572 Zuschauer bei seinen Heimspielen begrüßt. Der 1. FC Kaiserslautern wiederum verzeichnet aktuell einen Mittelwert von 19.269 Zuschauern, ist damit auch in dieser sportlich mau verlaufenden Saison immer noch der am besten besuchte Drittligist. Die Verluste dürften also höher entsprechend höher zu veranschlagen sein. „Bei Geisterspielen können wir wenigstens die TV- und Werbeverträge erfüllen“, halten die Befürworter von Partien ohne Publikum dagegen. Dass dieses Argument in der Ersten und Zweiten Liga schwer wiegt, liegt auf der Hand. Die Klubs verdienen an TV-Übertragungsrechten schon lange mehr als mit Fans, die ins Stadion pilgern. In der Dritten Liga aber ist das anders: Dort gibt’s einheitlich für jeden Klub aufgerundet 1,2 Millionen Euro aus dem TV-Topf, für die komplette Spielzeit. Durch 19 Heimspiele dividiert, fließen also pro Partie etwa 63.000 Euro in die Kassen. Die dürften die anfallenden Personal- und Infrastrukurkosten für ein ausgetragenes Heimspiel kaum decken.

Besser rechnen dürften sich Geisterspiele für die Wenigsten

Was dagegen an Werbe- und Sponsorengeldern bei einer Absage wegfällt, das beim Austragen eines Spiels eingenommen könnte? Das allerdings lässt sich ohne Einsicht in die diversen Verträge kaum beziffern und könnte in der Tat von Klub zu Klub verschieden sein. Wesentlich besser rechnen dürften sich „Geisterspiele“ allerdings bei den wenigsten, erst recht, wenn die Effekte der Kurzarbeit miteingerechnet werden, die verschiedene Klubs, darunter der FCK, bereits nutzen. Auch der Sicherheitsaufwand, der mit der Organisation eines Geisterspiels in Corona-Zeiten einherginge, stellt einen Kostenfaktor dar, den die Befürworter bislang wohl kaum berücksichtigt haben. Die Akteure müssten Tage zuvor einkaserniert und vor und nach jedem Spiel aufs Neue auf Viren getestet werden. Im Millionenspiel Bundesliga kann dergleichen ja vielleicht gewährleistet werden, ohne dass Menschen, die solche Tests dringender benötigen als an sich robuste Profisportler, das Nachsehen haben. Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, kündigt im aktuellen „kicker“ jedenfalls an, dass die DFL in dieser Woche ein „Paket“ vorlegt, demzufolge der deutsche Spitzenfußball „kreative Wege“ fand, „die nichts mit einer Sonderbehandlung des Fußballs zu haben.“

Warum die Dritta Liga zur DFL sollte und warum ein Saisonabbruch Sinn macht, lesen Sie unter www.blogvierzwei.de