Will die Eintracht Trapp loswerden?

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurts Keeper Kevin Trapp will gegen Werder Bremen endlich wieder zu Null spielen. Foto: dpa

Vor einem Jahr noch als Hoffnungsträger gefeiert, steht Torhüter Kevin Trapp bei der SGE nun möglicherweise vor dem Aus. Doch rein sportlich ist das nicht zu begründen.

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FRANKFURT. Es war im August vergangenen Jahres: Die Frankfurter Eintracht hatte nach wochenlangen zähen Verhandlungen Kevin Trapp von Paris St. Germain zurückgeholt. Nach einem zwischenzeitlichen Leihgeschäft für die Saison 2018/19 wurde der Nationalspieler für eine Ablösesumme von knapp acht Millionen Euro fest verpflichtet. „Kevins Ausstrahlung und Wirkung sind enorm wichtig für die Mannschaft und wir sind sehr glücklich, einen Toptorhüter und deutschen Nationalspieler langfristig an uns binden zu können“, sagte damals Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Auch der Aufsichtsrat der Eintracht mit Wolfgang Steubing an der Spitze war hocherfreut. Trapp solle in Zukunft das „Gesicht der Eintracht“ sein, hieß es. Ein knappes Jahr später hört sich das plötzlich ganz anders an. Bobic sagte vor zwei Wochen: „Da ist ein guter Kampf zwischen Trapp und Rönnow. Wir sind glücklich mit dieser Situation. Doch es ist klar, dass uns der eine oder andere auch mal verlassen kann. Und ich weiß nicht, wer.“ Aufsichtsratsboss Steubing hat nun nachgelegt, wie er es am liebsten tut über die Bild-Zeitung: „Auch einen Verkauf von Kostic oder Trapp schließe ich nicht aus. Weil die Marktlage schwierig ist". Will die Eintracht Trapp loswerden? Die Aussagen deuten darauf hin.

„Wir werden niemanden ins Schaufenster stellen“, hat Bobic zwar betont, doch genau dies wird nun getan. Zum einen ist Trapp der mit Abstand am besten verdienende Profi bei der Eintracht, kassiert angeblich knapp fünf Millionen Euro pro Saison. Und sein Vertrag läuft noch bis 2024. Zum anderen gehört er neben Stürmer Filip Kostic und Abwehrspieler Evan Ndicka, der angeblich das Interesse von Paris St. Germain geweckt hat, zu jenen Spielern für die auf dem Markt eine Millionen-Ablöse zu erzielen sein könnte.

Hat die Corona-Krise die Eintracht doch heftiger getroffen?

Hintergrund für die doch überraschend öffentlichen Gedankenspiele sind die finanziellen Schwierigkeiten wegen der Corona-Krise. Offenbar ist die Eintracht doch heftiger betroffen, als zunächst angenommen worden war. Dafür sprechen einige weitere Indikatoren. Dass West Ham United Ratenzahlungen der Ablöse für Sébastien Haller bislang schuldig geblieben ist, tut weh. Dass die Eintracht ausgerechnet jetzt die Vermarktung des Stadions übernommen hat, als es wegen Corona nichts zu vermarkten gibt, ist bitter. Steubing befürchtet zudem, dass einige Sponsoren in Zukunft weniger zahlen wollen („Damit müssen wir rechnen“). Dazu passt, dass der Aufsichtsrat die angedachte vorzeitige Vertragsverlängerung von Daichi Kamada zu verbesserten Bezügen zunächst einmal blockiert haben soll (Quelle: Kicker). Und in Mitarbeiterversammlungen wurde angedeutet, dass es Entlassungen geben könnte, was der Klub bislang immer vermeiden wollte. „Eintracht Frankfurt ist ein sehr soziales Unternehmen, aber wenn es mit Corona so weitergeht, dann kann es den einen oder anderen treffen“, räumt Steubing ein.

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Zurück zu Kevin Trapp, der eigentlich als designierter Nachfolger für Kapitän David Abraham gilt. Mit noch vier weiteren Jahren Vertrag im Rücken, kann er der Angelegenheit in aller Ruhe entgegenblicken. „Ich bin froh zu Hause zu sein“, hatte er letztes Jahr nach der Rückkehr gesagt. Gilt das noch heute, will der 30 Jahre alte Keeper den Klub sicher nicht verlassen. Die Angebote werden nun auch nicht reihenweise ins Haus flattern, zumal die Spitzenklubs keinerlei Torhüterbedarf haben. In der Bundesliga wären wohl nur die Neureichen von Hertha BSC in der Lage, Ablösesumme und Gehalt für Trapp zu aufzubringen.

Auch Rönnow könnte wechseln

Und sportlich? Ohne Trainer Adi Hütter würden Vorstand und Aufsichtsrat nicht solche Versuchsballons starten. Hütter spricht davon, „dass wir zwei Nummer-eins-Torhüter haben.“ Er hat von Trapp-Vertreter Frederik Rönnow eine hohe Meinung und könnte sich wohl vorstellen mit dem Dänen als Stammkraft zwischen den Pfosten in die Saison zu gehen. Was sich allerdings geändert haben soll gegenüber dem letzten Sommer, als Trapp klare Vorteile gegenüber Rönnow attestiert wurden, ist unklar. Offenbar geht es „nur“ ums Geld. Und was macht die Eintracht eigentlich, wenn Rönnow sich seinen Wunsch nach einem Vereinswechsel erfüllen will und demnächst einen neuen Klub präsentiert? Die Ablöse für den Dänen würde sicher deutlich niedriger liegen als jene für Trapp. Und die Gehaltsersparnis wäre auch deutlich geringer. Und so könnten die Aussagen von Bobic und Steubing auch der durchsichtige Versuch sein, Trapp öffentlich unter Druck zu setzen, damit der einem deutlichen Gehaltsverzicht zustimmt.

Von Peppi Schmitt