VfB Stuttgart gegen Mainz 05: Darauf kommt es an

aus Mainz 05

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Wer darf am Samstag beim Bundesliga-Restart jubeln - Mainz 05 (links) oder der VfB Stuttgart?

Auf welchen 05er kommt es am Samstag an? Auf welche Stuttgarter müssen die Mainzer aufpassen? Und wie müssen sie sich anstellen? Der besondere Ausblick unserer 05-Reporter.

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Mainz. Am Samstag um 15.30 Uhr schlägt die Stunde der Wahrheit: Tritt Mainz 05 nach langer WM-Pause zum Bundesliga-Restart beim VfB Stuttgart an, wartet ein Gegner in Abstiegsnöten. Unsere 05-Reporter beantworten in einer neuen Online-Serie vor jedem FSV-Spiel, worauf es besonders ankommt, um die 90 Minuten erfolgreich zu meistern.

1. Auf diesen 05er kommt es am Samstag besonders an

Florian Schlecht: Karim Onisiwo ist die Laufmaschine in der Mainzer Offensive. Gerade gegen einen Gegner, der um den Klassenerhalt kämpft, braucht es diesen nimmermüden Beißer dringender denn je. Der Österreicher kann die Stuttgarter, die sich nach dem Trainerwechsel neu sortieren, mit seinem beherzten Pressing früh zu Fehlern zwingen, verunsichern, entnerven. Der 30-Jährige hat sich nach einer schmerzhaften Zehenverletzung zurückgekämpft, nimmt sich mehr Torgefahr vor. Weil in Stuttgart ein von Vorsicht geprägtes 0:0-Spiel droht, könnte Onisiwo damit umso mehr der Schlüssel zum Mainzer Glück werden.

Reinhard Rehberg: Alexander Hack ist die Schlüsselfigur in der Abwehrreihe. Wenn der 29-Jährige fehlerfrei auftritt, dann gehört er mit seiner Schnelligkeit, mit seinem Stellungsspiel, mit seinem Zweikampfgeschick und mit seinem technisch starken Aufbauspiel zu den stärksten Innenverteidigern der Liga. Diesen Hack brauchen die 05er unbedingt im Deckungszentrum gegen die antrittsschnelle, dribbelstarke und wuchtige Angriffsreihe der Stuttgarter.

Henning Kunz: So oder so wird der Schlussmann der 05er im Fokus stehen. Sollte Robin Zentner wundergeheilt doch noch spielen können, wird er unter besonderer Beobachtung stehen, wie er die Rückenprobleme (gerade bei Keepern, die durch den Strafraum fliegen, keine Lappalie) wegsteckt. Gehen wir davon aus, dass Finn Dahmen die Hütte hütet. Die Nummer zwei in der ewigen Warteschleife, gerade mal fünf Bundesliga-Spiele (davon einige gute) auf dem Tacho. Doch der 24-Jährige wird hochmotiviert sein, den Moment zu nutzen, um zu zeigen, dass er ein guter Bundesliga-Torhüter ist.

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2. Auf diesen Stuttgarter müssen die 05er besonders achten

Reinhard Rehberg: Silas Katompa Mvumpa (ehemals Wamangituka) hat vor zwei Jahren mal mit einem Zaubersolo über 40 Meter ein Zaubertor gegen die Mainzer geschossen. Der kräftig gebaute Rechtsaußen ist nicht nur höllisch antrittsschnell, er ist auf dem Weg zum gegnerischen Tor auch enorm  wuchtig, zielstrebig und am Ende abschlussstark. Der Sprinthüne kann an guten Tagen Spiele alleine entscheiden mit Toren und Vorlagen.

Florian Schlecht: Die Leihe von Serhou Guirassy hat sich für den VfB Stuttgart rentiert. Vier Tore hat der Mittelstürmer in zehn Bundesliga-Spielen für die Schwaben geschossen. Die Mainzer müssen auf den Torjäger besonders aufpassen – zumal sie im Rücken ihrer eigenen Abwehrkette in den Winter-Testspielen gegen den FC Luzern (5:1) und die TSG Hoffenheim (2:2) manche gefährliche Lücke offenbarten. Freiheiten, die Guirassy bestrafen würde. Der steht eigentlich noch beim französischen Erstligisten Stade Rennes unter Vertrag, angeblich kann der VfB Stuttgart eine Kaufoption von neun Millionen Euro ziehen. 

Henning Kunz: Bei Kapitän und Strippenzieher Wataru Endo laufen im zentralen Mittelfeld die Fäden zusammen. Der Japaner, in den vergangenen Spielzeiten statistisch der beste Zweikämpfer der Liga, führt im Maschinenraum des VfB die Regie, kurbelt an und sichert vor der Abwehrreihe ab. Mit ihm steht und fällt das VfB-Spiel. Die 05er werden alles daran setzen, den VfB-Leader rund um die Uhr zu stressen und aus der Ruhe zu bringen.

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3. Worauf müssen sich die 05er in Stuttgart einstellen und wie müssen sie sich anstellen?

Florian Schlecht: Welche Wucht das Stuttgarter Publikum im Abstiegskampf entfachen kann, zeigte sich bereits in der vergangenen Saison. Da ließen sich die Fußballer von einer feurigen Atmosphäre zu einem furiosen Last-Minute-Sieg gegen den 1. FC Köln und dem Klassenerhalt peitschen. Auch wenn die Rückkehr von Trainer Bruno Labbadia Kritik entfachte, wissen die Fans spätestens am Samstag um 15.30 Uhr bei Bier und Bratwurst, worauf es zum Bundesliga-Restart ankommt: Ein Sieg gegen Mainz könnte der ersehnte Befreiungsschlag sein – und den Gegner gleich mit in den Abstiegssog ziehen. Um die Stimmung im Schwabenländle früh kippen zu lassen, müssen die Mainzer daher von Anfang an aggressiv auftreten, mit schnellen, präzisen Angriffen rasch Stuttgarter Selbstzweifel nähren. Dann könnte Unmut auf den Rängen aufkommen – und galligen Mainzern in die Karten spielen.

Reinhard Rehberg: Bruno Labbadia, der neue VfB-Trainer, ist dafür bekannt, dass er vor Spielen gewaltig an der Motivationsschraube dreht. Entsprechend hoch emotionalisiert und aggressiv werden die Stuttgarter auftreten. Die 05er werden in ihrem Pressing und Gegenpressing in der Laufbereitschaft und im Zweikampfgift extrem hochtourig fahren und sehr effektiv arbeiten müssen, um physisch mindestens auf Augenhöhe zu sein. 

Henning Kunz: Das wird kein Samstagnachmittag-Spaziergang für die 05er. Bruno Labbadia wiederholt gebetsmühlenartig, dass sein VfB auf dem Rasen jeden Zentimeter beackern werde, dass man dem Gast aus Rheinhessen wenig Freude bereiten wolle. Die Mainzer müssen diesen Fight annehmen und darüber hinaus ihre Impulse setzen. Ausfälle dürfen sich die 05er nicht erlauben, müssen hochkonzentriert bleiben. Und noch wichtiger: Die wenigen Möglichkeiten, die sich ergeben, müssen konsequent genutzt werden. Beim letzten Gastspiel in Stuttgart ließen die 05er in ihrer dominanten Phase viel zu viel liegen.

4. Wie können die 05er ihr Zwei-Halbzeiten-Gesicht ablegen?

Reinhard Rehberg: Das ist eine Frage der Haltung, des Willens und der mannschaftlichen Geschlossenheit. Es gibt keinen logischen Grund, in einem Spiel in der emotionalen und physischen Intensität irgendwann Spielraum nach oben zu lassen. Darin muss innerhalb der Gruppe Einigkeit bestehen. Die drei, vier mental stärksten Profis müssen auf dem Feld entsprechende Signale senden, sollte der Energiepegel sinken. 

Florian Schlecht: Indem sie an das Trainingslager in Marbella anknüpfen. Dort arbeiteten die Bundesliga-Profis in den Trainingseinheiten dermaßen konzentriert, dass selbst der oft kritisch tadelnde Bo Svensson zufrieden wirkte. Der Trainer hat ohnehin ein Mittel an der Hand, um Spielern wankelmütiges Auftreten abzugewöhnen. Konkurrenzkampf. Gerade in der Verteidigung und im zentralen Mittelfeld sind die zu vergebenden Plätze umkämpft. Spieler wie Angelo Fulgini oder Aymen Barkok hoffen nach enttäuschender Hinrunde auf ihre Chance. Wer sich da ein Zwei-Halbzeiten-Gesicht erlaubt, könnte sich schnell auf der Bank wiederfinden. Wenn das kein Ansporn ist …