Timothy Chandler: Bei der Eintracht plötzlich wieder gefragt

aus Eintracht Frankfurt

Thema folgen
Timothy Chandler von Eintracht Frankfurt beim Torjubel. Foto: Jan Huebner

Zwei Konkurrenten verletzt, einer auf die andere Rheinseite abgewandert – und auf einmal ändert sich für den Publikumsliebling bei Eintracht Frankfurt alles ganz schnell.

Anzeige

FRANKFURT. Wie schnell sich im Fußball die Voraussetzungen für einzelne Spieler ändern können, ist gerade bei der Frankfurter Eintracht zu beobachten. Auf der Position des rechten Verteidigers/rechten Außenspielers waren die „Adler“ zu Beginn dieser Saison eindeutig überbesetzt. Vier Spieler haben sich da um eben diesen einen Platz gestritten. Danny da Costa, Almamy Touré (24), Timothy Chandler (30) und Erik Durm (28). In genau dieser Reihenfolge waren die Kandidaten im September an den Start gegangen. Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, hat sich alles verändert. Der vor noch nicht gar zu langer Zeit noch unverzichtbare Da Costa hat voller Frust den Klub verlassen. Er kickt inzwischen mit Erfolg für Mainz 05, weil ihn Trainer Adi Hütter bei der Eintracht kaum noch spielen ließ. Touré war in der Vorrunde einige Zeit in der Pole Position, konnte sie aber nicht halten. Der Franzose spielte zu unstet, zu unkonzentriert, manchmal auch einfach zu leichtfertig. Chandler schien der nächste Kandidat als Touré schwächelte. Doch der Trainer holte Durm aus der Versenkung hervor. Mit dem ehemaligen Nationalspieler hatte niemand mehr gerechnet, heute gilt er als Stammspieler.

Zwei Verletzte und zwei fehlgeschlagene Experimente

Die Zahlen sind da eindeutig. Durm hat vierzehnmal in der Startelf gestanden, darunter in allen Begegnungen während der langen Erfolgsserie mit elf Spielen in Folge ohne Niederlage, die die Eintracht in der Tabelle so weit nach vorne gespült hat. Touré hat es auf acht Einsätze von Beginn an gebracht. Chandler hat noch kein einziges Mal angefangen. Alles klar? Keineswegs. Denn Verletzungen haben wieder alles durcheinandergewirbelt. Durm kann seit Anfang März nicht mehr spielen, ihn hat eine Zerrung am sogenannten Hüftbeuger-Muskel geplagt. Und Touré hat sich als Vertreter Durms im Heimspiel gegen Stuttgart eine so schwere Sehnenverletzung zugezogen, dass er in dieser Saison gar nicht mehr spielen kann. Versuche mit den Offensivspielern Daichi Kamada und Aymen Barkok die Lücke zu stopfen, sind trotz guter Resultate nicht wirklich gelungen. Und plötzlich ist Chandler wieder ein Thema.

Anzeige

Vor allem auch, weil er nach seiner Einwechslung am letzten Samstag gegen Union Berlin die Chance genutzt hat, auf sich aufmerksam zu machen. Chandler ist das fünfte Tor gelungen. Der ausgelassene Jubel danach hat deutlich gemacht, wie viel Herzblut bei ihm und anderen „Reservisten“ wie Vorbereiter Steven Zuber dabei ist. Und er hat umgesetzt, was der Trainer von allen immer und immer wieder fordert. „Wer nicht spielt muss im Training hart arbeiten und da sein, wenn er gebraucht wird“, sagt der Trainer. Chandler wird jetzt gebraucht. Gerade bei fallen die Worte des Trainers auf fruchtbaren Boden. In jedem Training, bei jedem Spiel, sogar auf der Bank, merkt man ihm an, welchen Spaß es ihm macht, diesen Beruf auszuüben und dies auch noch für seinen Herzensverein Eintracht, für den er schon in der Jugend gespielt hat. „Ich bin sehr glücklich und stolz, dass ich den Sieg mit meinem Tor eintüten konnte“, sagte er, „ich habe gesehen, wie sehr sich die Jungs für mich gefreut haben, das hat mir viel bedeutet.“

Wichtig in der Kabine und auf dem Platz

Die Mitspieler haben ihn gefeiert auf dem Platz. Timmy Chandler genießt im Kreis der Kollegen ganz hohes Ansehen. Er ist ein durch und durch freundlicher Mensch, einer, der immer für Späße zu haben ist, einer, der immer lacht. In der Kabine ist er wichtig und im Endspurt wird er nun auch auf dem Platz wieder wichtig. Chandler hat gute Chancen schon in Dortmund beim Spitzenspiel am Ostersamstag von Beginn an dabei zu sein, obwohl Kollege und Konkurrent Durm nach seiner Verletzung wieder mit dem Training begonnen hat. Doch Trainer Hütter ist nicht bekannt dafür, Spieler ohne hundertprozentige Fitness einzusetzen. Chandler ist fit. Der US-amerikanische Nationalspieler ist auch erfahren genug, um schwierige Aufgaben zu lösen. Und er ist bereit. „Es wird sicher ein hart umkämpftes Spiel“, glaubt er, „wir müssen physisch stark sein und unsere fußballerischen Qualitäten auf den Platz bringen. Dann können wir auch in Dortmund punkten.“

Von Peppi Schmitt