Hohe Anforderungen an Markus Krösche bei Eintracht Frankfurt

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Markus Krösche wechselt von RB Leipzig zu Eintracht Frankfurt. Foto: dpa

Die Eintracht hat einen Nachfolger für Freddi Bobic gefunden. Markus Krösche kommt von Liga-Konkurrent RB Leipzig an den Main und hat gleich große Aufgaben vor der Brust.

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FRANKFURT. Es ist ja nicht so, dass Philip Holzer im ersten Jahr seiner Amtszeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurter Eintracht nichts zu tun gehabt hätte. Im Gegenteil, der ehemalige Goldman-Sachs-Manager hat hart daran gearbeitet, die Eintracht vor allem wirtschaftlich auf gesunde Füße zu stellen, was ihm auch gelungen ist. Doch dies ist eher im Hintergrund geschehen.

Die Suche nach einem Nachfolger von Fredi Bobic als Sportvorstand aber wurde von großem öffentlichen Interesse begleitet. Am 1. Mai haben Holzer und seine Kollegen aus dem Aufsichtsrat (AR) nun Markus Krösche als neuen Sportvorstand bestellt. Der 40 Jahre alte ehemalige Sportgeschäftsführer des SC Paderborn und Sportdirektor von RB Leipzig hat einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Er kommt ablösefrei und der am 1. Juni in Kraft tretende Vertrag enthält keine Ausstiegsklausel. „Wir haben ganz bewusst eine so lange Vertragsdauer gewählt, weil wir total überzeugt sind von Markus“, sagte Holzer, „er ist für uns ein Volltreffer.“

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Hohe Anforderungen

Holzer (55) wirkte nach der Entscheidung erleichtert und zufrieden, „total happy“. Die Suche hatte sich über Wochen hingezogen, der Druck in der Öffentlichkeit war immer größer geworden. Doch der AR-Boss hatte sich Zeit genommen, war tief in die Materie eingetaucht. „Qualität kommt vor Geschwindigkeit“, war das Motto, „die größte Herausforderung war unser Erfolg“. Die Fallhöhe für den Nachfolger des erfolgreichen Bobic ist nach dem fast schon märchenhaften Aufstieg der Eintracht in den letzten Jahren sehr hoch.

Das Anforderungsprofil war bald erstellt. „Wir wollten einen Teamplayer, einen Mann mit einem guten Netzwerk hat und er sollte kommunikativ sein“, sagt Holzer. In Krösche glaubt er ihn gefunden zu haben. „Er hat bewiesen, dass er aus wenig viel machen kann“, sagt er. Krösche hat den „Underdog“ Paderborn mit einem Minietat in die Bundesliga geführt. Er kann aber auch groß. Während seiner Zeit in der Champions-League mit Leipzig hat er intensive Kontakte zu den Großen der Branche aus Madrid, Barcelona oder aus England geknüpft.

30 Stunden Gespräche

„Uns war wichtig, dass er auch eine gewisse Internationalität mitbringt“, sagt Holzer. Krösche habe in den Gesprächen total überzeugt. „Wir haben bestimmt 30 Stunden geredet“, berichtet der AR-Chef, der tief in die Materie eingetaucht ist. Sogar Krösches Bachelorarbeit nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachholschule der Wirtschaft in Paderborn aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Die finanzielle Situation von Fußballprofis nach der Karriere – eine empirische Befragung unter 400 Fußballprofis“, habe er gelesen. Am Ende aller Überlegungen habe alles für Krösche und nichts gegen ihn gesprochen. Holzer: „Er ist ein Teamplayer. Er ist eine Führungspersönlichkeit, er hat eine klare Meinung, denkt analytisch und strukturiert. Er geht die Aufgabe mit Mut und Überzeugung an.“

Drei weitere Kandidaten waren neben Krösche in die engere Wahl gekommen. Mit allen hat sich Holzer intensiv beschäftigt. Mit dem zuletzt von der „Bild“ ins Gespräch gebrachten Alexander Rosen aus Hoffenheim habe er dagegen „nie gesprochen“. Holzer musste in allen Gesprächen dezent vorgehen, diskret, möglichst geräuschlos. Und musste dabei den medialen Druck mit fast täglich neuen Spekulationen aushalten. Das ist ihm gelungen. „Ich habe mich nicht unter Druck setzen lassen“, beschreibt er sein Vorgehen, „ich habe eine Dualstrategie gebraucht, weil ja auch Fredi Bobic noch im Amt war und die Kandidaten bei anderen Klubs unter Vertrag gestanden haben.“ Keine ganz so einfache Aufgabe. Jetzt sagt Holzer: „Ich habe geliefert.“

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Entscheidung über einen neuen Trainer

Selbstverständlich hat er auch die Meinung der beiden anderen Vorstände Axel Hellmann (Marketing und Kommunikation) und Oliver Frankenbach (Finanzen) eingeholt. Gemeinsam mit dem Neuen sollen sie den Verein in aller Harmonie in die Zukunft führen. „Ich denke, der Vorstand ist sehr zufrieden mit der Wahl“, sagt Holzer. Krösche selbst ist begeistert. „Die Eintracht ist eine großartige Adresse im deutschen Fußball“, sagt er, „ich möchte dazu beitragen, dass die aktuelle Erfolgsstory dieses Traditionsvereins auch in der Zukunft weitergeschrieben werden kann“. Das erste Kapitel seines eigenen Frankfurter Buchs wird die Entscheidung über einen neuen Trainer sein.

Holzer ist zuversichtlich, dass der neue Sportvorstand diese Bewährungsprobe bestehen wird. „Er hat sich intensiv mit dem Trainermarkt beschäftigt. Er hat bewiesen, dass er einen guten Trainer auswählen kann“, sagt er, „es gilt bei der Suche auch hier Qualität vor Schnelligkeit.“ Der Neue wird bei der Suche nicht bei null anfangen. Der zum Direktor Profifußball beförderte Ben Manga und Finanzchef Oliver Frankenbach haben Vorgespräche geführt und Interesse bei Trainerkandidaten hinterlegt, im Zweifel schon in Absprache mit Krösche. Kandidaten für die Nachfolge von Adi Hütter: Der Wolfsburger Oliver Glasner, der Paderborner Steffen Baumgart und der Dortmunder Edin Terzic.

Von Peppi Schmitt