Fredi Bobic: „Mit Reden hat noch keiner Punkte geholt“

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht-Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic. Foto: dpa

Die Frankfurter Eintracht möchte beim VfB Stuttgart den zweiten Auswärtssieg einfahren. Womöglich kann dabei ein sehnlichst vermisster Akteur nach seiner Verletzung wieder...

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FRANKFURT. Fredi Bobic hatte sich zuletzt in der Öffentlichkeit rar gemacht. Nach dem Ende der sommerlichen Transferperiode hatte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht erst einmal im Urlaub ein paar Tage ausgespannt. Der sportliche Ertrag nach seiner Rückkehr nach Frankfurt war nicht so wie erhofft. Dem 0:5 beim FC Bayern war nun das 1:1 gegen Werder Bremen gefolgt, mit einem Sieg als Geschenk zum 49.Geburtstag für Bobic hatte es also nicht geklappt. Die Eintracht hat damit eine zunächst gute Ausgangsposition wieder verspielt, steckt im Mittelfeld fest.

Die Kritik des Sportchefs fiel dennoch milde aus. „Bis jetzt sind wir eigentlich auf einem guten Weg“, sagte Bobic dem Kicker, „wir haben nur ein Spiel verloren, gegen die Bayern, und haben in allen anderen Spielen gepunktet.“ Bei drei 1:1-Unentschieden allerdings jeweils nur einfach. Vor allem die vielen Gegentore ärgern auch den Sportchef. Noch nicht ein einziges Mal in dieser Saison haben die Frankfurter „zu Null“ gespielt.

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Die Enttäuschung bei den Spielern über das zuletzt eher mäßige Abschneiden mit zwei Punkten aus drei Spielen ist offensichtlich. Zumal fast alle in Interviews immer hohe Ziele anpeilen. So hatte Torjäger André Silva, der als einziger regelmäßig trifft, sogar von der Champions-League-Qualifikation geträumt. Und Abwehrchef Makoto Hasebe hatte vor den Spielen gegen Bremen und am Samstag beim VfB Stuttgart „sechs Punkte“ gefordert. Daraus wird schon mal nichts mehr. „Die Jungs haben große Wünsche und wollen wieder nach Europa“, sagt Bobic, „aber mit Reden hat noch keiner sechs Punkte geholt, du musst es eben zeigen.“ Dementsprechend steht die Eintracht beim Auswärtsspiel in Stuttgart, der früheren sportlichen Heimat von Bobic, mächtig unter Druck.

Eintrachts großer Trumpf: Die Personallage

Nur der zweite Auswärtssieg kann die Ausgangslage wieder so weit verbessern, dass die Frankfurter in Ruhe in die Länderspielpause gehen und auf die nächsten schweren Spiele, unter anderen zu Hause gegen Leipzig und Dortmund, schauen können. Der große Trumpf der Eintracht in diesem Fußballherbst ist auch jetzt wieder die Personallage. Mit Ausnahme von Ragnar Ache, der nach seiner Sehnenverletzung, zugezogen bei der U21-Nationalmannschaft, im Lauftraining steht, sind alle anderen Profis aus dem 29 Spieler umfassenden Aufgebot einsatzbereit.

Darunter auch Filip Kostic, der nach seinem Innenbandanriss im rechten Knie, den er sich beim Spiel in Berlin am 25.September zugezogen hatte, seit Anfang der Woche wieder im Mannschaftstraining steht. Kostic fiebert seinem Comeback gegen seinen früheren Arbeitgeber entgegen. „Ich fühle mich gut“, sagt der serbische Nationalspieler, der gerade seinen 28. Geburtstag gefeiert hat, „mal sehen, ob schon in Stuttgart was geht.“ Keine Frage, Kostic würde gerne sofort wieder spielen. Im Training sind die Kollegen von seiner Form begeistert. „Er spielt, als sei er nie weg gewesen“, sagte dieser Tage Aymen Barkok, „Filip ist einfach eine Maschine.“ Eine Maschine, die den stotternden Motor der Eintracht wieder ins Laufen bringen könnte.

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Kein Risiko bei Kostic

Freilich liegt es nahe, dass Trainer Adi Hütter gerade bei Kostic kein großes Risiko mit einem eventuell zu frühen Einsatz eingehen wird. Zumal er ja ziemlich große Auswahl und darum keine Aufstellungsnot hat. Andererseits: Kostic in halbwegs normaler Form ist schlicht besser als sein Vertreter Steven Zuber und hat auch deutlich größere psychologische Wirkung auf den Gegner. Gerade die Stuttgarter würden dem Duell mit dem ehemaligen Stuttgarter mit gemischten Gefühlen entgegensehen.

Hütter hatte in den letzten drei, vier Begegnungen immer der gleichen Mannschaft vertraut. Das könnte sich diesmal ändern. Nicht nur Kostic ist eine Alternative, auch Abwehrspieler Evan Ndicka und Angreifer Amin Younes drängen ins Team. Genau wie Aymen Barkok. Andere wie Danny da Costa, Timothy Chandler, Dominik Kohr, Djibril Sow und der zweite Neuzugang Ajdin Hrustic werden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Aber so ist das eben in Spielzeiten ohne Europapokal. Weniger Spiele bedeuten nun mal weniger Einsatzchancen. Geduld ist bei den Reservisten die erste Profipflicht. Denn Hütter erwartet, „dass die Jungs bereit sind, wenn sie gebraucht werden.“ Wann das so weit ist, entscheidet er alleine.

Von Peppi Schmitt