Eintracht will „das Unmögliche möglich machen“

aus Eintracht Frankfurt

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„Wir brauchen viele Antworten“, sagt SGE-Trainer Adi Hütter vor dem Spiel beim FC Bayern. Archivfoto: dpa

Die Frankfurter Eintracht tritt als krasser Außenseiter am Mittwoch im Pokal-Halbfinale bei den Bayern an. Trainer Adi Hütter erklärt, wie die Sensation dennoch gelingen soll.

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FRANKFURT. Adi Hütter (50) hat für sich selbst eine ganz besondere Art der Vorbereitung gewählt. Der Trainer der Frankfurter Eintracht hat sich vor dem Halbfinal-Spiel im DFB-Pokal am Mittwoch (20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) beim FC Bayern München das letzte Aufeinandertreffen im Pokal angeschaut. Das war der 3:1-Endspielerfolg der Frankfurter im Mai 2018. Der Anschauungsunterricht sei „emotional sehr ergreifend“ gewesen, sagte Hütter. Vor der Mannschaft wird er über dieses Erfolgserlebnis nicht mehr viel sprechen, zu viel hat sich seitdem verändert. Als Maßstab für die Vorbereitung gilt vielmehr das Bundesligaspiel an gleicher Stelle, der leeren Allianz-Arena, vor knapp drei Wochen. „Das haben wir nochmal analysiert und werden den Jungs zeigen, was sie gut gemacht haben und was sie unbedingt besser machen müssen“, sagt der österreichische Fußball-Lehrer. Die Eintracht hat gegen die Bayern 2:5 verloren, es gibt also genügend Ansatzpunkte für Verbesserungen.

Dreimal hat die Eintracht in ihrer langen Pokalgeschichte im Halbfinale auswärts gespielt. Jedesmal war sie Außenseiter, jedesmal hat sie gewonnen. 1988 1:0 in Bremen, 2017 7:6 im Elfmeterschießen in Mönchengladbach, 2018 1:0 auf Schalke 1:0. Doch diesmal ist die Rolle des „Underdogs“ so ausgeprägt, dass schon ziemlich viel Fantasie dazu gehört, um an eine Überraschung zu glauben. Bei verschiedenen Wettbüros bekommt man für einen Eintracht-Sieg mehr Geld als für einen Sieg des Regionalligisten 1.FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen im zweiten Halbfinale. Da kann man mit viel Mut reich werden. „Die Bayern sind Favorit, sie sind ja immer Favorit“, sagt Adi Hütter, „aber wir fahren dorthin, um das Unmögliche möglich zu machen.“ Die Eintracht habe mit der dritten Halbfinalteilnahme in den letzten drei Jahren (zweimal DFB-Pokal, einmal Europa-League) gezeigt, dass sie „Großartiges“ leisten können. Darum sei die Vorfreude „riesengroß“.

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„Wir brauchen viele Antworten“

Das kann man glauben, muss man aber nicht. Denn der letzte Sieg in München liegt zwanzig Jahre zurück, die letzten Spiele in München waren nicht vergnügungssteuerpflichtig. Dass also nicht viel für die Eintracht spricht, ist hinlänglich bekannt. Der Trainer hat immerhin einen Ansatzpunkt gefunden. „Jede Mannschaft ist in gewissen Momenten zu knacken“, sagt er, „wir haben in dieser Saison in zwei Spielen sieben Tore gegen Bayern erzielt“. Auch am Mittwochabend werden es wieder Räume für Konter geben, „dann müssen wir unsere Chancen nutzen.“ Das eine oder andere Tor alleine wird aber nichts nutzen, wenn die Eintracht die Offensivpower der Bayern nicht stoppen kann. Es sei nun seine Aufgabe, eine Taktik auszutüfteln, die die Bayern überrascht. „Wir brauchen viele Antworten“, sagt Hütter. Dabei seien die Münchner „eigentlich unausrechenbar.“ Die Eintracht müsse flexibel spielen, bissig, aggressiv. Und die guten Spieler müssten einen besonders guten Tag haben, beginnend bei Torhüter Kevin Trapp. „Kevin ist bei uns ein Führungsspieler, er findet die richtigen Worte nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine“, lobt der Frankfurter Trainer seinen Nationalspieler, „wir brauchen ihn in bester Verfassung.“ Zumal auf der anderen Seite mit Manuel Neuer der „beste Torhüter der Welt“ stehe.

Dass den Frankfurtern mit Filip Kostic wegen einer Rotsperre auch noch ihre schärfste Angriffswaffe fehlen wird, verringert die eh schon geringen Chancen noch einmal. Der serbische Nationalspieler sei ein „Schlüsselspieler“, sagt Hütter, „wir müssen ihn im Kollektiv ersetzen.“ Für Kostic gibt es im ganzen Kader nicht die Spur einer Alternative. „Wir werden aber jemand finden, der über linke Seite Druck macht“, sagt Hütter. Vermutlich wird Timothy Chandler diese unangenehme Aufgabe zufallen. Weitere Änderungen sind zu erwarten: David Abraham wird von Beginn an spielen, sicher auch Mijat Gacinovic, vielleicht Djibril Sow. Weiter fehlen werden Goncalo Paciencia (nach Muskelverletzung zurück im Mannschaftstraining) und Gelson Fernandes (Wadenverletzung).

Von Peppi Schmitt