Eintracht: Wie Armin Reutershahn mit der Coronakrise umgeht

aus Eintracht Frankfurt

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Auch in Zeiten der Coronakrise stehen Eintracht-Trainer Adi Hütter (links) und Co-Trainer Armin Reutershahn (rechts) im täglichen Austausch. Foto: dpa

Eintracht-Co-Trainer Armin Reutershahn zeigt sich gegenüber der Coronakrise besorgt. Wie sein Alltag aussieht und wie er sich auf eine mögliche Fortsetzung der Saison vorbereitet.

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FRANKFURT/MAIN. Vor ein paar Wochen hat Armin Reutershahn seinen 60. Geburtstag gefeiert. Und sich genauso wenig wie andere vorstellen können, wie schnell sich das Leben in Tagen des Coronavirus ändern kann. Von 2004 bis 2009 hat er bei der Frankfurter Eintracht unter Friedhelm Funkel als Trainerassistent gearbeitet, seit 2016 ist er wieder ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Trainerteams. Erst unter Niko Kovac, seit 2018 unter Adi Hütter.

Reutershahn blickt in der aktuellen Krise über den Tellerrand hinaus, hat in einer Telefon-Pressekonferenz gegenüber Journalisten seine Gedanken zur sportlichen, persönlichen und gesellschaftlichen Lage preisgegeben. Der erfahrene Fußball-Lehrer zeigte sich höchst besorgt: „Es geht ums nackte Überleben. Behalten wir unsere Jobs? Bleiben meine Eltern am Leben? Das sind Fragen, die zählen!“

Der Fußball spiele sicher im Moment keine Hauptrolle, aber dennoch habe er Bedeutung. „Fußball ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens“, sagt er, „die Entwicklungen in den letzten Jahren waren toll, denken wir nur an die vollen Stadien, das Interesse der gesamten Gesellschaft an diesem Sport.“

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Fußball leiste einen "riesigen gesellschaftlichen Beitrag"

Auffällig ist aus seiner Sicht die Anzahl der Frauen in den Stadien und immer größer werdende Identifikation von Kindern und Jugendlichen mit vielen Vereinen, gerade aber auch mit der Eintracht. Da gebe es viel Zustimmung und Enthusiasmus schon ab dem Kindergartenalter. Reutershahn: „Der Fußball leistet einen riesigen gesellschaftliche Beitrag.“ Er geht davon aus, dass auch nach Corona das Interesse ungebremst sei. „Und das ist auch gut so“, sagt er.

In diesen Tagen verfolgt er für sich selbst freilich einen komplett anderen Ansatz. Das Bewusstsein für die „wirklich wichtigen Dinge“ würden geschärft. Gerade in den Familien gibt es Veränderungen. Die Krise fördere Fragen und fordere Antworten. „Wie beschäftige ich mich mit meinen Kindern?“, sagt der Familienvater, „lasse ich sie nur im Internet spielen und vor der Glotze sitzen oder macht man etwas gemeinsam, rückt als Familie zusammen“. Ob es eine dauerhafte Veränderung im Miteinander geben wird, vermag er nicht einzuschätzen. „Es gibt immer Gut und Böse“, glaubt er, „nicht alles wird hinterher gut sein.“

Neben allen grundsätzlichen Fragen des Lebens beschäftigt sich Armin Reutershahn auch weiterhin mit Fußball und mit der Eintracht. Er schaut sich Spiele aus der bisherigen Saison nochmal an, um vielleicht doch noch ein Detail entdecken zu können, dass Verbesserungen herbeiführen könnte. Täglich steht er in Kontakt mit Cheftrainer Adi Hütter, gesprochen wird dabei über gesellschaftliche und private Probleme, aber natürlich auch über eine mögliche Fortsetzung der Saison und was zu tun ist, um am „Tag X“ bereit zu sein.

Auswirkungen der "Geisterspiele" noch offen

„Wir halten uns daran, was die DFL beschlossen hat“, sagt er, „und gehen davon aus, dass wir uns am 5. April wieder zum ersten Training treffen.“ Gespielt werden soll dann ohne Zuschauer wieder Anfang Mai, so ist der Plan der Liga, so wäre es auch der Eintracht recht. Welche Auswirkungen die „Geisterspiele“ haben würden, ist offen. „Alle Mannschaften wären davon gleich betroffen“, sagt Reutershahn, „Vorteile sehe ich für keinen Klub, nur Nachteile für alle.“

Die Eintracht ist jedenfalls auf einen Neustart eingestellt. „Wir hoffen, dass wir es so durchziehen können“, sagt Reutershahn und spielt mit seinen Kollegen diesen Idealfall durch. „Dann hätten wir drei bis vier Wochen Vorbereitung aufs erste Spiel“, sagt er, das wäre ausreichend. Konditionell und athletisch sei es kein großes Problem, die Spieler würden aktuell ihre Heimarbeit sehr konzentriert ausführen, „es wäre dann wie eine Vorbereitung auf die Rückrunde, die halt nur ein bisschen kürzer wäre.“

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Neun Spiele hätte die Eintracht noch in der Liga zu absolvieren, mindestens noch jeweils eines in Europa- und DFB-Pokal. Freilich: An ein Mannschaftstraining ist angesichts der Kontaktsperre weiter nicht zu denken. "Von 60 Tests waren vier positiv – zwei bei den Spielern, zwei beim Staff. Ihnen geht es wieder gut", erläutert Sportvorstand Fredi Bobic die Lage, „die Quarantäne endet aber unterschiedlich, weil nicht jeder mit jedem in Kontakt war."

Auch für den Trainer Reutershahn hat sich der Alltag komplett verändert. „Ich versuche mich in kleinem Rahmen körperlich fit zu halten und ich fühle mich in diesen Tagen weniger als Trainer denn als Lehrer“, erzählt er. Nicht wie ein Fußballlehrer für Fußballprofis, sondern wie ein Schullehrer für die eigenen Kinder. Zuhause geht es nicht um Spielsysteme, Doppelpässe und Flachschüsse, sondern um „Primzahlen oder die Verschmutzung der Nordsee.“ Hausaufgaben mir den Kindern gehört nun zum Tagesablauf. „Da bin jetzt gefragt“, sagt er, „das war alles ganz weit weg“. Und ist jetzt ganz nah.

Von Peppi Schmitt