Eintracht: Trapp-Verkauf? Was hinter den Diskussionen steckt

aus Eintracht Frankfurt

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Kevin Trapp. Archivfoto: dpa

Eine Aussage von Sportvorstand Bobic hat Spekulationen über die Zukunft der beiden Torhüter der Frankfurter Eintracht entfacht.

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FRANKFURT. Die Frankfurter Eintracht hat zwei „Nummer-eins-Torhüter“, so Trainer Adi Hütter, unter Vertrag. Den deutschen Nationalspieler Kevin Trapp (29). Und den dänischen Nationalspieler Frederik Rönnow (27). Die Rollen sind klar verteilt: Trapp ist zwischen den Pfosten gesetzt, Rönnow ist sein Stellvertreter. Oder doch nicht? Mit einem Nebensatz in seiner über 80 Minuten dauernden Pressekonferenz hat Sportvorstand Fredi Bobic unter der Woche eine Diskussion in Gang gesetzt. Und das hat Bobic im Wortlaut auf die Frage nach Rönnows Zukunft gesagt: „Ich bin glücklich, dass Frederik zeigen konnte, wie stark er ist. Auf den kannst du setzen! Er treibt Kevin Trapp im Training an. Da ist ein guter Kampf zwischen den beiden. Wir sind glücklich mit dieser Situation. Doch es ist klar, dass uns der eine oder andere auch mal verlassen kann. Und ich weiß nicht, wer. Das wird sich zeigen.“

Für die Bild-Zeitung wirft dieses Zitat die Frage auf: „Will Bobic jetzt Trapp verkaufen?“ Weltmeister Thomas Berthold, weit entfernt von der Eintracht und ihren Verantwortungsträgern, hängte als „Experte“ dem Torwart schon mal ein Preisschild um. Für sieben Millionen Euro sollte die Eintracht Trapp gehen lassen. Was voraussetzen würde, dass es überhaupt Interessenten gibt und Trapp Interesse an einem Wechsel hätte. In Deutschland könnte unter wirtschaftlichen und sportlichen Aspekten überhaupt nur Hertha BSC in Frage kommen.

Rönnow mit Reservistenrolle nicht zufrieden

Aber will die Eintracht Trapp (Vertrag bis 2024) wirklich verkaufen und Rönnow (Vertrag bis 2022) behalten? Oder steckt etwas anderes dahinter? Das einer zu viel ist, ist seit langem klar. Der Wechselkandidat schien bislang immer Rönnow. Der Däne ist mit seiner Reservistenrolle natürlich nicht zufrieden. Und hat sich in einem Interview mit der „FAZ“ beklagt. „Der Verein und der Trainer möchten, dass Kevin die klare Nummer eins ist“, hat er gesagt, „für mich ist das eine sehr schwierige Situation, weil es mehr als um das rein Sportliche geht.“ Hintergrund: Trapp sollte mit dem Rückkauf von Paris St. Germain im letzten Sommer (Ablöse: 7 Millionen Euro) zum neuen „Gesicht“ und demnächst auch zum Kapitän der Eintracht werden.

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Manager Bruno Hübner hat das mit aktuellen Aussagen noch einmal unterstrichen. Trapp sei eine „Königstransfer“ gewesen. Den man jetzt rückgängig machen will? Eher nicht. Hübner deutlich: „Ich glaube, dass Rönnow von sich aus eine Veränderung anstrebt.“ Also hat sich Bobic nur versprochen oder unglücklich ausgedrückt? Wohl auch nicht. Womöglich dient der dezente Hinweis, man könnte ja auch die „Nummer eins“ verkaufen und die „Nummer zwei“ zur „Nummer eins“ machen, auch dazu, um bei den Gesprächen um weitere Gehaltsverzichte in eine bessere Position zu kommen. Trapp nämlich ist der Bestverdiener bei der Eintracht mit angeblich fünf Millionen Euro im Jahr. Bobic hat Gespräche mit allen Profis angekündigt, die in der Krise weiter weniger Geld verdienen sollen. Bei Trapp wäre am meisten einzusparen. Und sparen muss die Eintracht.

Dazu passend gibt es schlechte Nachrichten aus England. Angeblich ist West Ham United im Zahlungsverzug bei der Ablöse von Sébastien Haller (26), der im letzten Sommer zu den Londonern gewechselt ist. Die zweite vereinbarte Rate der bei 50 Millionen Euro liegenden Ablöse in Höhe von 6 Millionen Euro soll bislang nicht gezahlt worden sein. Den Weltverband FIFA hat die Eintracht schon eingeschaltet. Haller gehört seit dem Corona-Neustart nicht mehr dem Kader des abstiegsbedrohten West Ham an. Angeblich soll er an der Hüfte verletzt sein, was einige Medien aber in Frage stellen.

Von Peppi Schmitt