Eintracht: Trainer Adi Hütter muss aus wenig viel machen

aus Eintracht Frankfurt

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Adi Hütter und Eintracht Frankfurt: das passt. Archivfoto: dpa

Eintracht-Coach Adi Hütter steht vor einigen Herausforderungen. So muss er aus Stars Teamplayer machen und neue Talente besser einbauen.

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FRANKFURT. Adi Hütter hat in seiner Trainerkarriere Meisterschaften in Österreich und der Schweiz gefeiert. Die Frankfurter Eintracht hat er in seinem ersten Jahr in der Bundesliga ins Halbfinale der Europa-League geführt und im zweiten ins Halbfinale des DFB-Pokals. In seinem dritten Vertragsjahr am Main wird der österreichische Fußball-Lehrer nun vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Die Corona-Krise hat die Eintracht wie viele andere auch wirtschaftlich ins Mark getroffen. Es wird nun an der Kreativität von Sportvorstand Fredi Bobic liegen, bei der Zusammensetzung des Kaders mit wenigen Mittel doch viel zu erreichen. Und vor allem wird es an Hütter sein, aus den eigenen Bordmitteln wieder mehr zu machen als noch in der vergangenen Bundesliga-Saison. Die Erwartungen an den 50 Jahre alten Trainer, dessen Vertrag, Stand jetzt, nur noch ein weiteres Jahr läuft, sind hoch.

Da sind die teuren Einkäufe aus dem letzten Jahr. Djibril Sow und Bas Dost haben aus den unterschiedlichsten Gründen die Erwartungen nicht erfüllt. Dominik Kohr hat eine längere Anlaufzeit gebraucht, um seine Qualitäten einzubringen. Gerade Sow, einen seiner absoluten Wunschspieler, muss Hütter jetzt auf Kurs bringen. Der 23 Jahre alte Schweizer Nationalspieler wird von vielen Fachleuten, nicht zuletzt von Hütter, deutlich mehr Potential zugeschrieben, als er bislang gezeigt hat. Sportchef Bobic hat immer wieder betont, „dass wir den Spielern auch mal Zeit geben müssen zur Entwicklung.“ Sow hatte ein gutes Jahr Zeit, um sich zu akklimatisieren. Jetzt muss er es schaffen. Hütter wird auch daran gemessen. Ähnliches gilt für Dost und Kohr. Beim einen war die Rückzahlung des Vertrauens schlicht nicht genug, beim anderen noch zu wenig. Und einer wie Erik Durm scheint ja durchgefallen.

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Talente noch nicht nach vorne gebracht

Da sind die jungen talentierten Spieler. Mit Ausnahme von Evan Ndicka (20) hat es der Eintracht-Coach noch nicht geschafft eines der Talente nach vorne zu bringen und in die Kernmannschaft zu integrieren. Selbst Daichi Kamada hat einen Umweg über Belgien benötigt. Es liegt nun an Hütter, die Talente zu fordern und zu fördern und sie idealerweise einzubauen. Die Scouting-Abteilung hat sich bei den Transfers von Tuta oder Dejan Joveljic ja etwas gedacht. Sie sind nach Leihgeschäften nun zurück, sie erneut zu verleihen, wie mit Rodrigo Zalazar geschehen, kann ja auf Dauer nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Zumal dann nicht, wenn das Geld für Transfers für erfahrene Spieler schlicht nicht zur Verfügung steht.

Da sind die taktischen Möglichkeiten. Der Frankfurter Trainer hat sich Variabilität auf die Fahne geschrieben. Mal Dreierkette, mal Viererkette, mal zwei defensive Mittelfeldspieler, mal einen, mal zwei Spitzen, mal eine. Das alles hat die Eintracht im Laufe der Zeit auch schon gespielt. Doch Hütter gehört zu jenen Trainern, die durchaus lange an einzelnen Spielern, aber auch an Spielordnungen festhält. Vielleicht muss er in Zukunft schneller reagieren, schneller umstellen, öfter wechseln, Spieler wie System.

Akribisch auf die Liga vorbereiten

Da sollten die zusätzlichen Trainingszeiten hilfreich sein, die eine Saison ohne Europacup-Teilnahme bieten. Hütter verspricht sich viel von der Gelegenheit, seine Mannschaft in „normalen“ Trainingswochen akribisch auf die Liga vorbereiten zu können. Es ist sein Anspruch und es ist der Anspruch an ihn, dass die Mannschaft dann vor allem auswärts besser und erfolgreicher spielt als in der letzten Saison. In der Vorbereitungszeit auf die Saison klappt das freilich noch nicht. Am Montag startet die Eintracht nach einer zusätzlichen Woche Urlaub zum zweiten Mal und hat dann im Grunde nur zwei Wochen Zeit unter anderem an konditionellen Grundlagen zu arbeiten. Nach genau zwei Wochen löst sich die Trainingsgruppe quasi wieder auf. Rund ein Dutzend Spieler werden dann für Länderspielabstellungen zehn Tage weg sein und erst ein paar Tage vor dem Pokalspiel am 11./12. oder 13.Septemer (bei 1860 München oder Viktoria Aschaffenburg) zurückkehren. Alles andere als ideal für einen geregelten Trainingsaufbau. Noch eine Herausforderung mehr, die Adi Hütter bewältigen muss.

Von Peppi Schmitt