Eintracht Frankfurt: Markus Krösche ist direkt gefragt

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Markus Krösche, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. Archivfoto: dpa

Der neue Sportvorstand des Champions League-Anwärters startet mit viel Rückenwind und steht direkt vor einer heiklen Aufgabe.

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FRANKFURT. Wenn Markus Krösche am 1. Juni offiziell in sein Amt als Sportvorstand bei der Frankfurter Eintracht startet, wird er das mit einem großen Vertrauensvorschuss tun. Dass ihn Aufsichtsratschef Philip Holzer als „Glückgriff“ und „Volltreffer“ bezeichnet, war ja zu erwarten, nachdem er Krösche aus mehreren Kandidaten ausgewählt hat. Aber auch an der Basis kommt der 40 Jahre alte Krösche gut an. Die Einträge in den Fan-Foren der Eintracht sind durchweg positiv, genau wie in den Meinungsspalten der Tageszeitungen und Internet-Plattformen. Krösche wird ganz anders empfangen als vor knapp fünf Jahren sein Vorgänger Fredi Bobic, dem damals große Ablehnung und viel Skepsis entgegengeschlagen waren. Das Ende ist bekannt. Bobic (49) hat mit guter Arbeit die Kritiker überzeugt, die Eintracht auf einen sportlichen Weg nach oben geführt und sich dabei Respekt verschafft. Zuneigung freilich hat der nun vertragsbrüchig gewordene ehemalige Nationalspieler, der ja zu Hertha BSC geht, nie wirklich gespürt, womöglich auch nie angestrebt oder gar vermisst. Für ihn war die Eintracht „nur“ ein Projekt, nicht mehr, nicht weniger, nie eine Herzensangelegenheit. Mit der Seele des Klubs hatte Bobic nie etwas am Hut. Geschadet hat diese durch und durch professionelle Herangehensweise der Eintracht nicht, auch wenn innerhalb Vereins dem scheidenden Sportvorstand nun kaum einer eine Träne nachweint.

Krösche tritt in große Fußstapfen

Krösche wird im Gegensatz zu Bobic als „kommunikativ“ beschrieben, umgänglicher, freundlicher. AR-Chef Holzer strich heraus, „dass Markus ein absoluter Teamplayer ist“. Für das interne Klima wird der Wechsel von Bobic zu Krösche also womöglich sehr förderlich sein. Gemessen aber wird der neue Manager wie es der alte wurde: Am Erfolg seiner Arbeit. Und da tritt Markus Krösche ein schweres Erbe an. Denn die Fallhöhe bei der Eintracht ist hoch, ganz unabhängig davon, ob sich die Mannschaft nun für die Champions-League oder doch „nur“ für die Europa-League qualifiziert. Bobic hat bundesweit große Fußstapfen hinterlassen, auch und gerade weil viele nicht alle Details kennen und kannten.

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Krösche bietet sich bei den „Adlern“ durch die Entwicklung der letzten Jahre freilich auch eine große Chance. Der Klub ist gesund durch und durch. Daran konnte selbst die Corona-Pandemie nichts ändern. Die Kollegen im Vorstand, Axel Hellmann und Oliver Frankenbach, sind ausgewiesene Fachleute, die am Erfolg der Eintracht in den letzten Jahren mindestens genauso viel Anteil haben wie Bobic. Der hat ein stabiles sportliches Gerüst hinterlassen. Alle Spieler stehen über diese Saison hinaus unter Vertrag. Lediglich bei Luka Jovic läuft der Leihvertrag mit Real Madrid aus. Doch da könnte sich eine Tür für die Eintracht auftun, ist es doch unwahrscheinlich, dass die „Königlichen“ den Stürmer wirklich zurückholen wollen. Die Eintracht könnte den Serben vielleicht noch ein weiteres Jahr ausleihen. Auch dies wird eine lohnende Aufgabe für den neuen Sportvorstand sein, der den Kader für den „Tanz auf drei Hochzeiten“ in der kommenden Saison wieder verbreitern muss. Da passt es, dass mit Danny da Costa und Dominik Kohr zwei gestandene Bundesligaspieler aus Mainz zurückkommen und mit Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli) und Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) zwei Talente auf ihren Leihstationen große Entwicklungsschritte getan haben. Mit Christian Lenz von Union Berlin und Ali Akman aus Bursaspor gibt es auch schon zwei feste Neuverpflichtungen. Keiner dieser Spieler wird Ablöse kosten. Krösche kann also aufbauen auf einem Fundament, das Bobic gelegt hat.

Die größte Baustelle: Der Trainer

Eine der größten Baustellen aber hat der ihm auch hinterlassen. Der Neue im Amt muss einen Nachfolger für Adi Hütter finden. Denn so wichtig ein Sportvorstand auch ist, genauso große Bedeutung hat in einem Bundesligaklub der Cheftrainer. Keine leichte Aufgabe, denn viele Vereine suchen Trainer. Bayer Leverkusen, der 1.FC Köln, wahrscheinlich auch Hertha BSC und Werder Bremen, dazu möglicherweise der VfL Wolfsburg, der wohl den begehrten Oliver Glasner verliert. Krösche steht also direkt im Wettkampf. Übrigens: Einen Nachfolger für Bruno Hübner sollte er auch noch finden. Auch wenn da im Zuge der sportlichen Neuausrichtung eher ein Teambetreuer als ein Manager gesucht wird. In jedem Fall viel Arbeit für den neuen Boss.

Von Peppi Schmidt