Eintracht Frankfurt: Auf einmal eine Auswärtsmacht

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Frankfurts Torschütze Andre Silva feiert mit seinen Teamkollegen. Foto: dpa

Mit dem dritten Sieg in Folge hat sich die Frankfurter Eintracht jedweder Abstiegssorgen entledigt. Und die Adlerträger schielen sogar etwas in Richtung Europa.

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BERLIN. Seit wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer gespielt werden muss, sind Auswärts- die neuen Heimspiele. Das gilt für die Bundesliga im Allgemeinen, für die Frankfurter Eintracht im Speziellen. Aus der bis vor der Pause schlechtesten Auswärtsmannschaft ist die beste geworden. Drei Spiele, drei Siege bei 9:2 Toren in fremden Stadien ist die eindrucksvolle Ausbeute der Eintracht, die sich mit dem 4:1 (0:1) bei Hertha BSC nicht nur endgültig vor dem Abstieg gerettet hat, sondern auch noch ein ganz kleines bisschen nach oben zu den Plätzen schielen kann, die für Europa reichen würden.

Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf Platz sieben (TSG Hoffenheim) bei noch neun zu vergebenen Punkten an den letzten drei Spieltagen. „Wir müssten ja alle drei Spiele gewinnen, um Platz sieben zu erreichen und wären dann immer noch auf die Konkurrenz angewiesen“, gibt sich Trainer Adi Hütter eher skeptisch, „aber natürlich wollen wir immer das Beste rausholen.“

„Immer an unsere Qualität geglaubt“

Hütter hat am Samstag in Berlin zum 500.Mal als Cheftrainer auf der Bank gesessen und hat bei der Eintracht schon ein Spiel mehr als 100 hinter sich gebracht. Der 50 Jahre alte österreichische Fußball-Lehrer gehört zu den großen Gewinnern der letzten Wochen. Er hat das Eintracht-Schiff durch stürmisches Fahrwasser gesteuert und hat in Krisenzeiten nie die Nerven verloren. Realistisch werden die Frankfurter die Saison auf Platz acht, neun oder zehn beenden.

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Das wäre bei den Erfolgen, die parallel in den Pokalwettbewerben (Halbfinale DFB-Pokal, Achtelfinale Europa-League) zu verzeichnen sind, dann eine durchaus zufriedenstellende Bilanz in Anbetracht aller Probleme, mit der die Mannschaft in den letzten Monaten zu kämpfen hatte. „Wir haben immer an unsere Qualität und Erfahrung geglaubt und der Mannschaft das Vertrauen ausgesprochen, sie hat das mit toller Art und Weise zurückgegeben“, sagte der Trainer nach dem Erfolg im Olympiastadion. „Die Mannschaft hat eine top Mentalität und tollen Charakter, das hatte sie auch vor meiner Zeit schon.“

Hütter nimmt sich nicht zu wichtig und er lernt noch dazu, wie er gerade in Berlin unter Beweis gestellt hat. Gegenüber dem Pokalspiel vom Mittwoch bei den Bayern hatte er sieben Veränderungen vorgenommen, so viele wie zuvor in seiner Amtszeit in Frankfurt. Neben dem gesperrten Sebastian Rode durfte sogar eine unumstrittene Stammkraft wie Martin Hinteregger mal durchschnaufen. So stand trotz der dritten „englischen Woche“ in Folge eine relativ frische Mannschaft auf dem Rasen. „Uns ist schon lange klar, dass wir jeden Spieler brauchen“, sagte Torhüter Kevin Trapp, „heute haben wir viel rotiert, aber dennoch überzeugt.“ Aus Sicht von Manager Bruno Hübner waren die „Überlegungen des Trainerteams voll aufgegangen“. Die Eintracht war schon vor der Pause die bessere Mannschaft, war aber nach Unachtsamkeiten des sonst überzeugenden Makoto Hasebe in Rückstand geraten. Krzysztof Piatek war der Torschütze für die Hertha in der 24.Minute.

Überlegungen um Silva-Verpflichtung

Der Platzverweis für den Berliner Dedryck Boyata in der 44.Minute nach einer Notbremse gegen Bas Dost war dann die Wende. „Der Knackpunkt“, wie Hütter sagte. Dost musste sein 6.Saisontor nur ein paar Minuten in die zweite Halbzeit verschieben. In Überzahl und mit André Silva als zweitem Stürmer beherrschte die Eintracht den zweiten Durchgang nach Belieben. „Abgezockt und souverän“, lobte Manager Hübner den Auftritt, der durch vier schön herausgespielte Treffer belohnt wurde.

Beim 1:1 (51.) wurde Schütze Dost von Silva per Kopf perfekt eingesetzt und konnte artistisch verwandeln. „André hat super aufgelegt, mein Job ist das Toreschießen und das habe ich heute geschafft“, sagte der Holländer trocken. Das 2:1 (62.) durch Silva war ein „Kunstwerk“, (siehe nebenstehende Geschichte), das 3:1 (68.) ein perfekter Schuss von Verteidiger Evan Ndicka, der damit zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Saison erfolgreich war. Und den vierten Treffer (86.) hatte Stefan Ilsanker mit einem präzisen Pass eingeleitet, sodass Silva leicht und locker sein zehntes Saisontor erzielen konnte. Der Portugiese hat in den letzten fünf Begegnungen fünfmal getroffen und wird immer wertvoller für diese Mannschaft. Der Leihvertrag mit dem AC Mailand läuft noch bis 2021, bei der Eintracht gibt es nun Überlegungen, den feinen Fußballer Silva fest zu verpflichten.

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Mit Dominik Kohr spielt sich seit einigen Wochen ein weiterer Neuzugang aus dem letzten Sommer in den Vordergrund. „Als neuer Spieler ist es nicht einfach, in die Mannschaft zu kommen und man versteht den Trainer vielleicht manchmal nicht vollständig“, hat Kohr in Berlin seine anfänglichen Probleme erklärt, „mittlerweile habe ich ihn verstanden.“ So fügt sich bei der Eintracht am Ende einer außergewöhnlichen Saison doch noch einiges zusammen.

Von Peppi Schmitt