Eintracht Frankfurt: Ab wie viel Zuschauern macht es Sinn?

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Fans von Eintracht Frankfurt schwenken ihre Fahnen.  Foto: dpa

In Frankreich wird bereits vor Zuschauern gekickt, in Holland ist es in der neuen Saison soweit. Deutschland hinkt noch hinterher, Meinungsbildung ist das Stichwort. Auch bei...

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FRANKFURT. 51.500 Zuschauer fasst die Frankfurter Fußball-Arena in normalen Zeiten. Zur Europameisterschaft 2024 soll das Fassungsvermögen nach einer Übereinkunft der Stadt Frankfurt mit der Eintracht auf knapp 60.000 erhöht werden. Diese Pläne werden völlig unabhängig vom Ende der Corona-Pandemie weiter verfolgt. In den letzten Wochen sind nun die Diskussionen über die so herbeigesehnte Rückkehr der Fans zur neuen Saison (Beginn 18. September) in Gang gekommen. Dabei werden in der Bundesliga verschiedene Vorschläge diskutiert, die letzten Endes der Politik zur Genehmigung vorgelegt werden sollen. Union Berlin ist mit der weitreichendsten Idee vorgeprescht. Danach sollen alle 22.000 Zuschauer für das Stadion an der „Alten Försterei“ vor dem Spiel auf Corona getestet werden, um Einlass zu finden. Und in Leipzig hat das Gesundheitsamt einen Vorschlag des Klubs, mit deutlich weniger Zuschauer zu starten, wohlwollend geprüft.

In der deutschen Nachbarschaft ist der Profifußball schon weiter. In Frankreich hat Meister Paris St. Germain gerade in Le Havre ein Freundschaftsspiel vor 5000 Zuschauern bestritten. In Holland hat die Regierung dem Verband zugesagt, dass die im September beginnende Saison wieder mit Zuschauern stattfinden kann. Freilich mit Einschränkungen. So muss ein Sicherheitsabstand von anderthalb Metern zwischen den einzelnen Fans gewährleistet sein und auf Fangesänge soll weitgehend verzichtet werden. Damit wird es bei unseren Nachbarn zwar keine Geisterspiele mehr geben, aber für viele Stadien heißt das, dass die Zuschauerränge nur höchstens zu einem Drittel besetzt werden können.

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Bei der Frankfurter Eintracht ist die Meinungsbildung über das weitere Vorgehen noch im Gange. Fredi Bobic plädiert für ein „ganz oder gar nicht“. Der Sportvorstand hält nicht viel davon, nur 10.000 oder 20.000 Zuschauer in die Arena zu lassen. „Wie soll das gehen?“, fragt er, „losen wir die Tickets dann aus?“ Bobic hat freilich betont, dass dies seine Privatmeinung sei und keine offizielle des Klubs. Auch im Aufsichtsrat wurde die Frage der Zuschauerzulassungen mit all ihren Problemen diskutiert. „Wem soll ich sagen: Du kannst kommen, du nicht?“, sagt Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing, „wer darf ein Bier trinken, wer nicht?“. Dennoch würde er sich wünschen, „dass bald ein paar Zuschauer da wären.“ Entscheiden wird darüber alleine die Politik. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will den Klubs nur einen „Leitfaden“ an die Hand geben, der nicht für alle gleich umzusetzen sein wird. Die Entscheidungshoheit liegt bei den Bundesländern.

Die Vereine suchen derweil nach maßgeschneiderten Lösungen für ihren Standort. Philipp Reschke, verantwortlich für die Organisation rund um die Spiele der Eintracht, steht in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt und den anderen relevanten Behörden. Da geht es unter anderem auch um die An- und Abreise von tausenden von Menschen. Völlig offen auch, wie die bekannt eigenwilligen Eintracht-Fans mit Ein- oder Beschränkungen umgehen werden. Wie sie reagieren auf die dann vorübergehende Quasi-Abschaffung von Stehplätzen, einhergehend mit der Einführung von personalisierten Tickets. Die Grundsatzfrage an allen Orten: Ab wie vielen Zuschauern ergibt es Sinn? „Das weiß kein Mensch“, sagt Wolfgang Steubing, „sind es 12.000? Ganz schwierig.“

Die Bundesliga war es in den letzten Jahren gewohnt vor „vollen Häusern“ zu spielen. In Dortmund (81.000) und München (75.000) waren im Grunde alle Spiele ausverkauft. Die Eintracht hat es zuletzt auf einen Zuschauerschnitt von knapp 50.000 geschafft. Das war nicht immer so. Zur Erinnerung: 1974, die Eintracht war gerade Pokalsieger geworden, waren beim spektakulären Spiel gegen den VfB Stuttgart (5:5) gerade mal 15.000 Zuschauer im alten Waldstadion. Zehn Jahre später, 1985, waren es gegen Leverkusen (11.000) oder Köln (13 000) noch weniger. Und nochmal fast zehn Jahre später haben die Frankfurter 1994 im UEFA-Pokal gegen Olimpia Ljubljana vor 11.500 Zuschauern gekickt. Heute kaum mehr vorstellbar. Oder doch bald wieder?

Von Peppi Schmitt