Bobic will weg – Eintracht ist sauer

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurts Noch-Sportvorstand Fredi Bobic. Archivfoto: dpa

Der Vertrag des Eintracht-Sportvorstands Fredi Bobic läuft noch bis Sommer 2023. Nun will er Frankfurt schon früher verlassen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft schon.

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FRANKFURT. Wochenlang hat Fredi Bobic (49) die Frankfurter Eintracht hingehalten, manch einer hatte schon gesagt, er habe den Verein, dem er in den letzten fünf Jahren maßgeblich zu neuer sportlicher Blüte verholfen hat, an der Nase herumgeführt. Jetzt soll der Sportvorstand beim Klub hinterlegt haben, dass er die Eintracht im Sommer trotz eines Vertrages bis 2023 vorzeitig verlassen will. Das hat zunächst „Sky“ gemeldet, eine Information, die sich mit Informationen dieser Zeitung deckt. Ziel von Bobic: Hertha BSC, die sportlich aktuell in Abstiegsgefahr schweben, aber mit ganz viel Geld locken. Der Aufsichtsrat der Eintracht, allen voran der Vorsitzende Philipp Holzer und Präsident Peter Fischer, muss nun entscheiden, ob sie Bobics Wunsch erfüllen oder auf Vertragstreue pochen. Im noch zwei Jahre laufenden Vertrag soll es keine Ausstiegsklausel geben, es würde also eine Ablösesumme fällig. „Fredi Bobic hat bei Eintracht Frankfurt einen Vertrag bis 2023“, sagte Holzer am Montagabend, „wir befinden uns mit ihm in Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der bislang sehr erfolgreichen Zusammenarbeit.“

Eintracht muss sportliche Führung neu aufstellen

Bei der Eintracht haben sie schon seit einigen Wochen geahnt, dass Bobic dem Angebot aus Berlin nicht widerstehen und auch nicht allzu viel von Vertragstreue halten würde. Trotz mehrmaliger Aufforderung hatte sich der ehemalige Stuttgarter, der 2016 seine Arbeit in Frankfurt aufgenommen hatte, nicht zur Eintracht bekannt. Was bei vielen Weggefährten der letzten Jahre zunächst für Irritationen gesorgt hat und nun zu großer Enttäuschung führen wird. Allerdings gibt es nicht wenige, die bei aller fachlichen Qualität Bobics, nicht besonders traurig über einen Abschied wären.

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Die Nachricht, dass Fredi Bobic die Eintracht verlassen will, kommt zur Unzeit, findet Tobias Goldbrunner. Seinen Kommentar lesen Siehier.

Da auch Manager Bruno Hübner im Sommer den Klub verlassen wird, muss die Eintracht sich in der sportlichen Führung neu aufstellen. Es sei denn, man verweigert Bobic die Freigabe für die Berliner. Doch da die Hertha über scheinbar unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügt, wird es so weit wohl nicht kommen. Am Ende wird der Wechsel mit Geld geregelt. Die Eintracht wird ihren erfolgreichen Boss sicher nicht ohne eine höhere einstellige Millionen-Euro-Ablöse gehen lassen.

Chefscout Ben Manga soll bleiben

Die Frankfurter, so die Information dieser Zeitung, sind aber offenbar nicht unvorbereitet. Sie haben die letzten Wochen dazu genutzt, andere Personalien festzuzurren, um Bobic zumindest die Möglichkeit zu nehmen, weitere Mitarbeiter mitzunehmen. So soll noch in dieser Woche die Vertragsverlängerung mit Chefscout Ben Manga verlängert werden. Zudem hat Trainer Adi Hütter am Sonntag klar gesagt, dass er der Eintracht erhalten bleiben wird. Hauptaufgabe des Aufsichtsrates aber wird nun sein, neue Führungskräfte zu suchen. Dabei wird es in jedem Fall eine Strukturänderung geben. Einen direkten Manager-Nachfolger für Hübner wird es nicht geben. Stattdessen wird die Eintracht wohl auf ein Modell mit einem Teambetreuer setzen, ähnlich wie in Dortmund mit Sebastian Kehl. Mit den ehemaligen Spielern Gelson Fernandes und Pirmin Schwegler gibt es zwei aussichtsreiche Kandidaten. Aber wer wird der neue Chef?

Nachdem die Eintracht das Bekenntnis von Bobic vermisst hatte, wurden im Hintergrund wohl bereits erste Gespräche mit Kandidaten geführt. Offiziell gibt es noch keine Namen. Allerdings gibt es eine Idealvorstellung: Christoph Spycher (42), Sportdirektor vom Schweizer Meister Young Boys Bern. Auch er hat einst bei der Eintracht gespielt, der Nationalspieler war in Frankfurt sogar Kapitän. Ob Spycher, der in Bern erfolgreich mit Adi Hütter zusammengearbeitet hat, freilich bereit wäre, vom beschaulichen Bern nach Frankfurt zu wechseln und ob es vertraglich möglich wäre, ist völlig offen.

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Von Peppi Schmitt