Aufstieg in DEL möglich

Das erste Derby zwischen dem EC Bad Nauheim und den Löwen Frankfurt in der DEL2-Spielzeit 2020/2021 wird am 6. Dezember in der Kurstadt stattfinden. Foto: Storch

(wbe). 14 Vereine nehmen die Jagd auf die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga 2 auf, die diesmal unter ganz besonderen Bedingungen steht. Erstmals ist der Titelgewinn...

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BAD NAUHEIM. 14 Vereine nehmen die Jagd auf die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga 2 auf, die diesmal unter ganz besonderen Bedingungen steht. Erstmals ist der Titelgewinn nach den Playoffs nicht nur mit der reinen Ehre der Meisterschaft verbunden, sondern der sportliche Erfolg kann sich auch in dem Aufstieg in das deutsche Eishockey-Oberhaus DEL niederschlagen.

Das gilt zumindest für die Löwen Frankfurt, die Kassel Huskies und die Bietigheim Steelers, die mit Hinterlegung der notwendigen Lizenzgebühren für die DEL die erste formale Hürde übersprungen haben und jetzt natürlich noch den DEL2-Meistertitel benötigen. Alle drei Teams zählen zwangsläufig zum Kreis der Titelaspiranten, wobei vor allem die Frankfurter als Favorit Nummer eins gehandelt werden.

Für die Löwen spricht, dass sie einen eingespielten Kader haben, der nur punktuell ergänzt werden musste. Königstransfer ist der von Iserlohn gekommene Alexej Dmitriev, mit Abwehrspieler Kyle Sonnenburg aus Schwenningen wurde ein weiterer DEL-Akteur geholt, der den zum Start der Vorbereitung bereits ausgefallenen Max Faber ersetzen soll. Mit dem Schweden Sebastian Collberg und dem großen Talent Christian Obu haben sich die Löwen zudem weiter prominent verstärkt. Lediglich auf der Torhüterposition könnten die Frankfurter mit Patrick Klein und dem Ex-Nauheimer Bastian Kucis nicht unbedingt erstligareif besetzt sein.

Genau wie Frankfurt setzt auch Bietigheim auf Kontinuität und hat bislang nur drei Kontingentstellen besetzt. Dabei kamen der früher in Frankfurt aktive US-Boy C.J. Stretch und der Kanadier Riley Sheen als neue Kontingentspieler. Mit Max Renner wechselte ein DEL-Akteur aus Straubing und auch auf der Torhüter-Position haben die Steelers mit dem Ex-Frankfurter Jimmy Hertel nachgelegt.

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Eine andere Strategie haben die Kassel Huskies gewählt. Sie haben elf neue Spieler in ihren Kader geholt. Drei von vier Kontingentstellen wurden neu besetzt, lediglich der Kanadier Corey Trivino blieb aus der letzten Saison an Bord. Ansonsten bedienten sich die Nordhessen schwerpunktmäßig in der DEL2 mit einem Trio von den Lausitzer Füchsen (Joel Keussen, Oliver Granz und Clarke Breitkreuz) sowie dem Landshuter Marc Schmidpeter.

In den Dreikampf der Aufstiegskandidaten dürften in erster Linie die Ravensburger Towerstars eingreifen können. Mit Torwart Jonas Langmann und den drei Ausländern Olivier Hinse, Matthieu Pompei und Robbie Czarnik hat man ein Quartett zurückgeholt, das ein Jahr nicht zur Verfügung stand. Da die Oberschwaben mit den Stürmern Robin Just, Andreas Driendl, David Zucker weitere Hochkaräter geblieben sind und auch die Abwehr nur punktuell verstärken mussten, ist mit Ravensburg in jedem Fall zu rechnen.

Als gefährliche Außenseiter, die ebenfalls einen sicheren Playoff-Platz erreichen wollen, sind der EHC Freiburg und die Heilbronner Falken anzusehen. Die Breisgauer überraschten in der letzten Saison mit Rang drei nach der Hauptrunde und haben bereits in der Vorbereitung mit guten Ergebnissen überzeugt. Sie haben sich gezielt verstärkt mit Jordan George von den Lausitzer Füchsen, mit dem Ex-Nauheimer Hagen Kaisler und mit Tom Horschel vom DEL-Club Bremerhaven. Einen ganz anderen Weg sind die Heilbronner gegangen. Sie haben ihre Nähe zum Kooperationspartner Mannheim genutzt und gleich sieben Förderlizenzspieler und zwei Akteure von den Jungadlern aus Mannheim in ihren Reihen. Echte Neuzugänge sind der Ex-Kasseler Justin Kirsch und der Kanadier Matthew Neal.

Enge Leistungsdichte

Neben den vermeintlichen Favoriten für die ersten sechs Plätze wollen sich auch der EC Bad Tölz, der ESV Kaufbeuren und der EC Bad Nauheim nach der Hauptrunde das Playoff-Ticket sichern. Die Tölzer Löwen gehen mit einem quantitativ kleinen Aufgebot in die neue Saison. Nur 20 Spieler werden offiziell aufgeboten, wobei man beim bayrischen Traditionsverein auf Kontinuität setzt. Sieht man von den beiden Ausländern Reid Gardiner und Kenney Morrison ab, hat sich nur wenig gegenüber der letzten Runde getan.

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Auch in Kaufbeuren ließ man Torwartposition und Abwehr sogar ganz unverändert, mit John Lammers und Tyler Spurgeon kamen zwei Kanadier als neue Stürmer. Vom DEL-Club Nürnberg wurde zudem der Routinier Patrick Reimer ausgeliehen, der bis 2018 allein 105 Mal für die deutsche Nationalmannschaft aktiv war.

Bei den restlichen fünf Clubs von vermeintlichen Abstiegskandidaten zu sprechen, verbietet die enge Leistungsdichte innerhalb der Liga. Am ehesten darf man noch den EV Landshut als möglichen Playoff-Kandidaten bezeichnen, zumal die Niederbayern zeigen wollen, dass sie in der DEL2 angekommen sind. Da sie in ihrem aufgeblähten Kader (27 Spieler) gleich 16 neue Akteure haben, bedeutet dies für den ebenfalls neuen Coach Rob Pallin viel Arbeit. Deutlich abgespeckt haben dagegen die Dresdner Eislöwen, die ihre Aufstiegspläne ad acta gelegt haben und jetzt schon froh wären, wenn nach der Hauptrunde ein Playoff-Platz herausspringen würde.

Dies gilt auch für die Eispiraten Crimmitschau, die Lausitzer Füchse und die Bayreuth Tigers. Crimmitschau startet nominell nur mit neun Stürmern in die Saison, in der Lausitz musste man viele erfahrene Akteure ziehen lassen und vertraut auf 18 neue und vor allem junge Spieler und Bayreuth ist einen ganz anderen Weg gegangen und hat gleich vier Spieler über eine Ausleihe besorgt.

Trotz der Unsicherheit mit Corona hat sich das Wechsel-Geschehen in der DEL2 nur wenig verlangsamt. Immerhin 105 Spieler (mehr als 7 Spieler pro Verein) haben neue Verträge erhalten, dabei sind die vielen Förderlizenzspieler oder ausgeliehenen Akteure noch nicht einmal mitgerechnet. Landshut und Weißwasser (jeweils 12) sowie Bad Nauheim und Kassel (jeweils 11) verzeichnen die meisten Neuzugänge, Heilbronn (3), sowie Bayreuth und Bad Tölz (jeweils 4) haben sich deutlich zurückgehalten.

Neben den vielen Spielerpositionen wurden auch fast die Hälfte aller Trainerstühle neu besetzt. In Frankfurt soll der Finne Olli Salo den Aufstieg realisieren, in Bietigheim steht Daniel Naud, zuvor in Crimmitschau, vor der gleichen Aufgabe. Bei den Eispiraten hat jetzt Mario Richer das Sagen. Michel Zeiter hat in Heilbronn den Österreicher Mellitzer abgelöst und Rob Pallin tritt in Kaufbeuren in die großen Fußstapfen von Andreas Brockmann. Auch in Bad Nauheim hat bekanntlich ein Wechsel stattgefunden. Hannu Järvenpää beerbte Christoph Kreutzer und steht wie die gesamte Liga vor einer sicherlich spannenden aber auch ungewissen Saison.