Das besondere Golf-Erlebnis auf dem Hanglip Mountain – ein...

Das „Extreme 19.“ ist nur mit dem Helikopter zu erreichen. Foto: Norbert Eisele-Hein  Foto: Norbert Eisele-Hein

Es gab an jenem Tag wahrlich jede Menge Gründe etwas genauer hinzusehen. Schließlich hatten sich die Finalistinnen des „Miss World Contests 2009“ alle auf dem Hanglip...

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. Es gab an jenem Tag wahrlich jede Menge Gründe etwas genauer hinzusehen. Schließlich hatten sich die Finalistinnen des „Miss World Contests 2009“ alle auf dem Hanglip Mountain versammelt. Aber als Miss Kolumbien mit einem perfekten Abschlag auf das Green des „Extremen 19. Lochs“ traf, fielen uns endgültig die Augen aus dem Kopf“, plaudert der Golf-Pro-Trainer Mark Truter aus dem Nähkästchen des „Golf Legend“-Hotels.

Das „Extreme 19.“ ist nur mit dem Helikopter zu erreichen. Foto: Norbert Eisele-Hein  Foto: Norbert Eisele-Hein
Abschlag von der Felskante: 280 Meter trennen den Ball vom 19. Loch.Foto: Norbert Eisele-Hein  Foto: Norbert Eisele-Hein

Das „Extreme 19.“ zählt laut Daily Telegraph zu den achtzehn schönsten Löchern der Welt. Wäre Gott Golfer, der Abschlag hoch oben auf dem Hanglip Mountain, der wie ein südafrikanisches Matterhorn aus dem wilden Busch Limpopos in den Himmel ragt, wäre auf einem von ihm designten Golfplatz zweifelsohne dabei. Das Mini-Plateau an einer spektakulären Felskante ist nur mit dem Helikopter erreichbar. Jäh fällt die nahe Felskante 430 Meter senkrecht zu Tal. Die horizontale Distanz bis zum 19. Loch beträgt 280 Meter. Das Grün in der Form des afrikanischen Kontinents befindet sich inmitten eines Wildparks. Der Ball braucht an die 22 Sekunden bei seinem Flug in das Territorium der „Big Five“. Aber keine Angst: Löwen, Nashörner, Elefanten, Leoparden und der Afrikanische Büffel müssen draußen bleiben – das Fairway ist großzügig eingezäunt, die Zufahrt erfolgt im Safari-Jeep. Das wohl längste, höchste und vor allem spektakulärste Par 3 der Welt kann sicher zu Ende gespielt werden.

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Alles begann im Jahr 1994. Die Familien Cilliers und Tucker kauften 4 000 Hektar in der Region Entabeni und entwickelten einen Wildpark und ein Resort für Touristen. Nach dem Erwerb weiterer Flächen und Wildtiere wurden 1999 auch Löwen eingegliedert und der Entabeni Park somit zur Big-Five-Destination. 2004 dachte Peet Cilliers erstmals an den Bau eines Golfplatzes und schon 2006 erfolgte der erste Spatenstich – der Beginn einer wahren Legende. Dabei war das Rezept denkbar einfach: Man nehme die besten Golfspieler der Welt und lasse ihnen – unter gewissen geografischen Parametern – möglichst viel kreativen Spielraum, um ihre eigenen Vorlieben und Spielweisen auf dem Platz zu verewigen. Während eines Fly-In-Frühstücks auf dem Hanglip-Mountain, das ihm seine Frau Mart zum Geburtstag schenkte, entwickelte Peet die verrückt anmutende Vision von einem ganz besonderen Abschlag, einer Weltsensation für Golfer.

Gary Player, selbst eine südafrikanische Golfer-Ikone, eröffnete 2009 das Extreme 19. Die gesamte Weltelite folgte: der Spanier Sergio Garcia, der Deutsche Bernhard Langer, der Schotte Colin Montgomerie. Hollywoodstars wie Morgan Freeman, der Formel Eins Weltmeister Lewis Hamilton, das einstige Topmodel Christy Brinkley, die Ex-Frau von Billy Joel und das Who‘s who der golfenden Wirtschaftsbosse pilgerten zum wohl weltbesten Ausblick, den man über ein Golf-Tee haben kann.

Den absoluten Medien-Hype jedoch lösten die Pros Padraig Harrington und Raphael Jacqeulin aus, als sie zu einem live im Fernsehen ausgestrahlten Duell in den Helikopter stiegen. Das daraus geschnittene Video wurde in Spitzenzeiten bis zu 100 000 Mal täglich geklickt, erreichte in wenigen Wochen vier Millionen Golfer. Pete Richardson, der Golfdirektor des Legend, formulierte es treffend: „Das Video vermochte in einer Minute alles zu vereinen, was das Extreme 19. ausmacht: der Flug mit dem Helikopter, der Ausblick, der Tee-Shot in eine gefühlte Unendlichkeit und die Reaktion der Spieler.“

Doch auch Golfer mit einem etwas höheren Handicap erleben im Legend besondere Momente am laufenden Band. Das gewaltige Hanglip-Massiv verströmt eine geradezu magische Aura, ragt es doch wie eine Sprungschanze über die Anlage. Viele sehen in ihm auch einen ruhenden Löwen, der über den penibel gepflegten 18-Loch-Golf-Platz wacht. Eine Anmutung, die sich kongenial im Logo des Legend widerspiegelt. Während Golfer die Eisen schwingen, traben Zebras friedlich auf den Fairways und Impala-Antilopen hüpfen schon mal aus purer Freude fünf Meter hoch über einen Bunker. Aber auch hier gilt: „Only the harmless come in“, also nur harmlose Tiere kommen rein, wie Cheryl Oosthuizen, die Managerin verspricht. Die big five haben ihr ausgedehntes Revier gleich hinter den riesigen Toren im Entabeni Wildpark. Wer sie sehen will, fährt am besten mit Guides wie Jesus Mosekla auf Safari. Seinem geschulten Auge entgeht nichts. Er weiß, wo die Breitmaulnashörner grasen, Krokodile in der Sonne faulenzen. Der Profi sieht schon anhand von Spuren, wo der äußerst scheue Leopard seine Beute hingeschleppt hat. Er bremst aber auch für einen Käfer, der seine große Kugel aus Mist im Handstand über die Savanne rollt. Seine Tour führt auch zum weltweit ersten nicht kommerziellen Waisenhaus für Nashornbabys, deren Eltern von Wilderern erlegt wurden. Das Legend engagiert sich auch in einem Wildhund-Projekt, deren Bestand ebenfalls stark bedroht ist. Den riesigen Löwen, Mapimpan, hat Greenkeeper Johan Koch 2008 ebenfalls mehr tot als lebendig gefunden. Das damals winzige Baby wurde von einem eifersüchtigen Löwenmännchen heftig attackiert. Zum Glück konnte es mit der Nuckelflasche wieder aufpäppeln werden.

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Es zeugt von hoher architektonischer Expertise und kultureller Sensitivität, wie sich das Legend trotz seiner Größe der Umgebung anpasst. Für die Einfahrt diente der Westwall der Ruinen des einstigen Königreichs Monomotapa im heutigen Zimbabwe als Vorbild. Die gleiche Ziegelarchitektur in warmen Tönen wurde für das neue Clubhaus verwendet. Es stellt ein Abbild des mysteriösen Fort Nyangwe dar. Auch die zahlreichen, großzügig verstreuten Bungalowanlagen harmonieren in ihren Erdtönen mit der Buschlandschaft. Alle Gebäude fügen sich mit maximal zwei Geschossen dezent in das Gesamtbild der Pilgerstätte für Golfer ein – und nirgends ist der Ball so lange unterwegs wie am sagenhaften 19. Loch am Hanglip Mountain.

Von Norbert Eisele-Hein