Bali ist ein beliebtes Urlaubsziel für Surfer und junge Reisende

Sonnenuntergang am Strand von Bali: Hier treffen sich am Abend Touristen und Einheimische.Foto: Anne Steinbach  Foto: Anne Steinbach

An den Straßen Canggus reihen sich Cafés und Boutiquen aneinander. Sonntags, wenn der Markt geöffnet ist, stehen die Motorroller Schlange. Zugezogene und Balinesen verkaufen...

Anzeige

. An den Straßen Canggus reihen sich Cafés und Boutiquen aneinander. Sonntags, wenn der Markt geöffnet ist, stehen die Motorroller Schlange. Zugezogene und Balinesen verkaufen ihre selbst gemachte Kleidung, Kokosöle und frisches Essen auf dem Markt. Canggu ist Balis hippes Zentrum. Hier geht man tagsüber surfen und am Abend unterhält man sich am Strand oder in einer der vielen Bars mit anderen über die Wellen.

Sonnenuntergang am Strand von Bali: Hier treffen sich am Abend Touristen und Einheimische.Foto: Anne Steinbach  Foto: Anne Steinbach
Auf dem Markt in Canguu gibt es selbst gemachten Schmuck zu kaufen.Foto: Anne Steinbach  Foto: Anne Steinbach
Reisende in einem Café in CangguFoto: Anne Steinbach  Foto: Anne Steinbach
Der Tempel Pura Ulun Danu Bratan ist ein bedeutender Wassertempel auf Bali – und ein beliebtes Fotomotiv.Foto: Anne Steinbach  Foto: Anne Steinbach

Noch vor einigen Jahren kamen nur wenige, erfahrene Surfer nach Canggu. Der Strand gehörte den Fischern, die hier ihre Netze ausbreiteten. Zwei, drei Straßen bahnten sich einen Weg durch die zahlreichen Reisfelder im Südwesten Balis, an deren Ende sich noch heute die Wellen überschlagen.

Heute lockt Canggu all jene, die den Orten Kuta und Seminyak weiter im Süden den Rücken gekehrt haben, weil diese dem Ballermann zu sehr ähneln. Es lockt die, die zwischen Reisfeldern und Wellen Ruhe suchen, aber nicht auf den Komfort von zu Hause verzichten möchten. Jene, die WLAN zum Arbeiten benötigen und die in gemütlich eingerichteten Cafés mit aufgeklappten Laptops vor gesunden grünen Smoothies sitzen wollen.

Anzeige

In Seminyak, nur knappe 30 Autominuten von Canggu entfernt, vermietet Made am Strand seit Jahren Sonnenstühle und Surfbretter. Manchmal gibt er sogar Surfstunden. „Made’s Bar“ nennt er seinen improvisierten Stand. Bislang lief das Geschäft gut.

Doch voriges Jahr war es anders: In der Hochsaison blieben viele Kunden aus. „Die Zeiten von Seminyak und Kuta sind vorbei. Das möchten die Touristen nicht mehr. Sie fahren lieber nach Canggu,“ sagt Made. Das, was Canggu mittlerweile zur Genüge hat – stilvoll eingerichtete Bars und Cafés – sucht man in Seminyak vergeblich. Der Ort hat die Zeichen der Zeit verpasst.

Anders als Ubud. Das kulturelle Zentrum Balis lockt seit Jahren immer mehr Besucher an. Es sind vor allem die Urlauber, die das authentische Bali sehen wollen. Von Canggu aus dauert es mit dem Auto nur rund eine Stunde nach Ubud.

Auf dem Weg dorthin offenbart sich wieder ein anderes Bali. Ein Bali, das vom Hinduismus geprägt ist. Hier sind die Reisfelder grüner. Es scheint, als sei in jeder freien Ecke ein kleiner Schrein gebaut worden, wenn nicht genug Platz für einen ganzen Tempel war. Die alten Steine, aus denen die heiligen Orte erbaut sind, haben schon Moos angesetzt. Es riecht nach Räucherstäbchen.

Anzeige

Selbst im dichtesten Verkehr sieht man Balinesen, die vor Schreinen beten, mit Blumen hinter den Ohren und Reiskörnern auf der Stirn. Sie sind so in ihr Gebet vertieft, dass sie scheinbar alles um sich herum ausblenden können, um mit andächtigen Handbewegungen ihren Glauben zu praktizieren. Im Herzen der größten muslimischen Nation der Welt hat Bali es geschafft, den Hinduismus zu bewahren. Indische Händler brachten ihn einst auf die Insel. Seit Jahrhunderten leben die Menschen hier nach dem Prinzip der „Tri Hita Karana“ – der Harmonie aus Göttern, Natur und Menschen, die selbst im Alltag offensichtlich ist.

Morgens legen Gläubige kleine, liebevoll hergerichtete Opfergaben-Schälchen auf Straßenkreuzungen, an den Strand, vor die Haustür und in die zahlreichen Tempel, Schreine und Stupas.

Touristen sieht man auf dem Weg nach Ubud nur selten. Die meisten der vier Millionen, die jährlich nach Bali reisen, bleiben im Süden. Die kleinen Seitenstraßen teilen sich Kühe mit Einheimischen. Rechts und links reihen sich Warungs – traditionelle, indonesische Restaurants – aneinander. Mal sind es kleine Stände, die maximal ein oder zwei Gerichte anbieten, mal türmen sich die Gerichte auf Tellern in riesigen Vitrinen. Am besten bestellt man wegen mangelnder Sprachkenntnisse mit dem Zeigefinger.

Erst kurz vor Ubud wird der Verkehr wieder dichter. Den Straßenrand säumen Werkstätten und Cafés. Chinesische und japanische Reisegruppen mischen sich unter die Balinesen, die Tickets für den traditionellen Kecak-Tanz verkaufen. Aussteiger schlendern mit Laptop bewaffnet in das nächste Café mit WLAN, um dort mit Blick auf die Reisfelder zu arbeiten. Die Künstler, die das Stadtzentrum einst bevölkerten, sind Yogis und Unternehmern gewichen, die sich mit Yogamatte unter dem Arm am Abend zur täglichen Gong-Meditation wiedertreffen.

Dennoch: Im künstlerischen und spirituellen Zentrum Balis bekommt man das Gefühl, dass die Spiritualität der Insel auf einen überschwappt. Und nur ein paar Meter hinter dem Gewusel von Ubuds Zentrum zeigt sich die Insel der Götter, wie Bali genannt wird, wieder von ihrer ruhigeren Seite. Hier sind die Reisfelder grün und die Vitrinen der Warungs prall gefüllt. Statt trendigen Smoothies gibt es frischen Mangosaft und Kaffee, der von den vielen Farmen stammt, die es entlang der Straße in Richtung Nord-Bali gibt.

Am Strand von Canggu wird es kurz vor Sonnenuntergang noch einmal voll. Die Wellen sind gut. Schnell füllt sich das Meer mit Surfern, während am Strand die ersten Besucher bei einem kühlen Bintang-Bier auf den Tag anstoßen. Fischer sieht man hier nur noch selten. Doch genau wie früher treffen sich hier am Abend die Menschen, um die Magie Balis zu genießen. Die Magie einer Insel, die die Gratwanderung zwischen touristischer Entwicklung und der Bewahrung des Echten so gut meistert, das sie den Namen der Götterinsel wahrlich verdient.

Von Anne Steinbach