Advent im bayrischen Bad Tölz: Krippen auf Schritt und Tritt,...

Der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt in Bad Tölz verbreitet Festtagsstimmung unter Besuchern und Einheimischen.Foto: Claudia Diemar   Foto: Claudia Diemar

Blaue Stunde in der Tölzer Marktstraße. Die mit bunten Lüftlmalereien verzierten Fassaden bieten die perfekte Kulisse für den Christkindlmarkt. Es duftet nach Glühwein und...

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. Blaue Stunde in der Tölzer Marktstraße. Die mit bunten Lüftlmalereien verzierten Fassaden bieten die perfekte Kulisse für den Christkindlmarkt. Es duftet nach Glühwein und Punsch, nach gebrannten Mandeln, Bratwurst und Räucherschinken. Fast alle Stände sind einheitlich in dezentem Silbergrau gestrichen und geschmackvoll mit Tannenzweigen und Christbaumkugeln geschmückt. Blinkend bunte Lichterketten und amerikanische Weihnachtsschnulzen haben hier nichts zu suchen. Stattdessen lauscht man vor der „Bühnenkrippe“ einheimischen Musikanten wie der Bläsergruppe der Tölzer Stadtkapelle oder den Tegernseer Alphornbläsern.

Der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt in Bad Tölz verbreitet Festtagsstimmung unter Besuchern und Einheimischen.Foto: Claudia Diemar   Foto: Claudia Diemar
Der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt in Bad Tölz verbreitet Festtagsstimmung unter Besuchern und Einheimischen.Fotos: Claudia Diemar   Foto:

Gleich nebenan hält die Imkerei Konrad heimischen Honig, warmen Met und viele Bienenwachsprodukte feil. Kerzen aller Art, in vielen leuchtenden Farben, lassen sich bei der Tölzer Manufaktur Steinhart finden. Dem Tastsinn schmeicheln die kuscheligen Schaffellprodukte von Jakob Monn aus dem nahen Wackersberg. Der Tölzer Konditor Volkland zeigt an seinem Stand die Herstellung seiner leckeren Baumkuchen – probieren ausdrücklich erwünscht! Und bei Schwingshackerl Esskultur dreht sich alles rund um knusprigen Entengenuss – natürlich aus regionaler Zucht.

Wer jetzt noch nicht fündig geworden ist, muss den Handwerkerpavillon aufsuchen, in dem alle paar Tage andere Kunsthandwerker ihre Produkte anbieten und sich zum Teil bei der Arbeit zusehen lassen. Hier gibt es Filzarbeiten von Barbara Urban, selbst gemachten Christbaumschmuck und hausgemachte Marmelade vom hiesigen Trachtenverein oder Gold- und Silberschmuck des aus Syrien stammenden, aber schon lange in Bad Tölz ansässigen Künstlers Saba Al Day.

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Es soll ja Leute geben, die freiwillig den Stress auf sich nehmen, zum Weihnachtsshopping nach Dubai oder New York zu fliegen, um sich dort durch riesige Malls zu schieben. Man kann aber auch nahezu klimaneutral mit der Bahn nach Bad Tölz fahren und dort auf gemütlich-überschaubare Weise seine Einkäufe erledigen. Das Schöne an der rund 18 000 Einwohner zählenden Stadt ist nämlich, dass alles hübsch nah beieinander liegt. Denn die Marktstraße ist nicht nur der Schauplatz des Christkindlmarktes, sondern zugleich die wichtigste Einkaufsmeile der Stadt.

Unbedingt aufsuchen sollte man die seit mehr als 125 Jahren bestehende Enzianbrennerei Max Schwaighofer mit diversen hochprozentigen Spezialitäten, die man vor Ort auch verkosten kann. Gleich nebenan liegt der Tölzer Kasladen mit einer erstklassigen Auswahl regionaler und französischer Käsesorten. Köstliches Gebäck wie etwa die legendären „Tölzer Prügel“ gibt es im Café Schuler. Bestens beraten wird man in der Buchhandlung Urban.

Jetzt ist es Zeit, die Schätze ins Hotel zu bringen und sich auf einen Streifzug zu den vielen Tölzer Krippen zu begeben. Man schlendert über die Isarbrücke hinüber ins Kurviertel, wo in einem Seitengebäude der Franziskanerkirche die Tölzer Jahreskrippe wartet. Am gleichen Ort gibt es weitere Exemplare, die der Tölzer Krippenverein zusammengetragen hat. In der Kirche direkt nebenan findet sich die nächste Krippe. Mit dem kleinen „Krippenplan“ in der Hand kann man noch ein weiteres halbes Dutzend vorweihnachtlicher Krippen entdecken, etwa die in der mächtigen Barockkirche auf dem Kalvarienberg.

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Wer sich beim stimmungsvollen Spaziergang müde gelaufen hat, beschließt den Abend am besten im Sitzen mit einem Kulturprogramm. Der Schlossplatz liegt nur einen Steinwurf von der Marktstraße und dem Christkindlmarkt entfernt und bietet gleich zwei attraktive Adressen unter einem Dach. Zum einen ist hier das Tölzer Marionettentheater beheimatet, das nicht nur die Kinder in der Nachmittagsvorführung verzaubert, sondern auch Erwachsene mit einem eigenen Abendprogramm. Da wird der Barbier von Sevilla, der Brandner Kaspar und sein ewiges Leben oder die Heilige Nacht von Ludwig Thoma gegeben. Im gleichen Gebäude findet sich das Tölzer Planetarium, wo man in ultrabequemen Kinosesseln unter einem Sternenhimmel-Simulator den winterlichen Tölzer Himmel ohne Störlichter bewundern und einiges über die Sternbilder in der Vorweihnachtszeit lernen kann.

Gut, wenn man mindestens zwei Abende vor Ort eingeplant hat. Denn im altehrwürdigen Kursaal warten noch akustische Verzauberungen wie das Adventssingen der Tölzer Sing- und Musikschule sowie das Konzert des berühmten Tölzer Knabenchors. Glockenhell tönen die Stimmen der Buben durch die Nacht. Da ist es kein Wunder, dass selbst der Heilige Nikolaus vorbeischaut und den frommen Sängern persönlich seine Gaben bringt. Ganz warm ums Herz tritt man die Rückreise an. Und zum Fest werden die Tölzer Prügel aufgetischt.

Von Claudia Diemar