Wenn der Assistent nicht richtig assistiert

aus Im Auto Mobil

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Die Temporegelanlage ACC kann dank Navi kilometerweit vorausschauen und zum Beispiel beim Zufahren auf einen Ort rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren. Foto: Volkswagen

Wenn eine Software, der man komplette Texte diktieren kann, eine Genauigkeit von 98 Prozent hat, sind die vereinzelt auftretenden Fehler zwar ärgerlich, mehr aber auch nicht...

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. Als Bestätigung für diese Erkenntnis dient der neue VW Arteon. Ausgerechnet, denn die Wolfsburger Ingenieure haben die Assistenzsysteme bei diesem Fahrzeug auf ein neues Niveau gehoben. Beispiel Kurvenlicht: Dass der Lichtkegel der Frontbeleuchtung einem Lenkradeinschlag folgt und so den Rand der gefahrenen Kurve ausleuchtet, ist nichts Neues. Wohl aber, dass sich die „LIchzentrale“ beim Arteon Informationen vom Navigationssystem besorgt, mit dem Verschieben des Lichtkegels schon beginnt, bevor der Fahrer mit einem Lenkradeinschlag sein Kurvenmanöver beginnt.

Kommunikation mit dem Navi

Nach spannender wirkt aber die Kommunikation zwischen dem Tempomaten, der hier Adaptive Cruise Control heißt, und Navi sowie Verkehrszeichenerkennung. Soll heißen: Man stellt ACC auf der Autobahn auf Tempo 130 ein – und ohne weiteres Zutun verändert sich die Geschwindigkeit nach Verlassen der Autobahn auf 100, 80, 70 km/h – oder was gerade als Tempolimit Trumpf ist. In Ortschaften bremst der Arteon mit ACC auf Tempo 50 ab, in verkehrsberuhigten Zonen auf 30. Unnötig zu erwähnen, dass das neue VW-Topmodell dabei automatisch den richtigen Abstand zum Vordermann hält und nach einem Stopp – etwa an der Ampel – von selbst wieder anfährt.

Überwachung ist anstrengend

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So weit die Theorie. Tatsächlich machen die adaptive Geschwindigkeitskontrolle bei den Testfahrten des Arteon rund um Hannover meistens das, was sie soll – aber „meistens“ reicht bei einer Fahrt mit Tempo 70 in Richtung eines wegen roter Ampel stehenden Vordermanns und ausbleibender automatischer Geschwindigkeitsreduzierung eben nicht. Hätte ich dann nicht doch eingegriffen, wäre es zur Kollision gekommen (zumindest wäre meinem „Vorfahren“, der ebenfalls mit einem Arteon unterwegs war, nicht ganz so viel passiert wie in einem anderen Wagen, denn die automobile Neuerscheinung bereitet den Fahrer jetzt auch mit dem vollen Programm – Gurtstraffung, Fensterschließung, Schiebedachschließung – auf einen drohende Kollision vor). Die Assistenten sind eben nur Assistenten, müssen grundsätzlich überwacht werden – was oft ebenso anstrengend ist wie gleich ohne diese digitalen Helferlein zu fahren.

Viele neue "Freunde" in der Stadt

Doch selbst wenn die elektronischen Unterstützer perfekt funktionieren, ist die erhoffte Entspannung nicht in Sicht. Adaptive Cruise Control hält sich dermaßen perfekt an alle Vorschriften, dass es sich auch bei einer beliebigen Behörde bewerben könnte. Das geht bei genauerer Betrachtung nicht anders, denn natürlich kann man dem automatischen Tempoeinhalter nicht ab Werk einprogrammieren, dass das Auto ruhig ein paar Stundenkilometerchen schneller fahren soll als erlaubt. In der Folge wird man mit eingeschaltetem System in einer Autobahnbaustelle, bei der zehn Kilometer lang Tempo 80 herrscht und sich ACC stur daran hält, ebenso zum besten Freund aller Verkehrsteilnehmer wie auf der städtischen mehrspurigen Einfallstraße, auf denen der Arteon keinen Strich schneller als 50 fährt. Natürlich kann man, nebenbei bemerkt, das ACC-System übersteuern, das aber nur in Zehnerschritten. Und mit Tempo 60 durch die Stadt zu fahren, ist nun auch nicht vorbildlich.

Wagen wartet eine gefühlte Ewigkeit

Bleiben wir beim Thema Verkehrshindernis. Natürlich ist es eine tolle Sache, wenn das Navi weiß, dass hinter der langgezogenen Kurve ein Ortseingangsschild kommt und deshalb den Wagen schon einmal vom Landstraßentempo in Richtung 50 km/h ausrollen lässt. Aber ob es der nachfolgende Verkehr so toll findet, wenn ein Auto aus scheinbar unerfindlichen Gründen immer langsamer wird? Und dann ist da noch die Sache mit dem Anfahren im Stop-and-Go-Verkehr. Theoretisch sieht die Sache so aus: Das Auto bremst ab, weil der Wagen davor an einer roten Ampel steht. Es wird grün, der Vordermann fährt los – und eigentlich soll jetzt auch der Arteon anfahren. Macht er (meistens) auch, allerdings nach einer gefühlten Ewigkeit. Auch hier gilt: Um sich nicht den Zorn der anderen Verkehrsteilnehmer zuzuziehen, fährt man dann doch lieber selbst an. Assistent hin, Assistent her.