Weltpremiere des neuen Octavia: Bestseller in Bestform

aus Im Auto Mobil

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Der neue Škoda Octavia - hier in der Kombi-Version - ist noch einmal um etwa zwei Zentimeter in der Länge gewachsen. Foto: Škoda

Er ist Exportschlager und Auto-Ikone. Jetzt geht der Škoda Octavia in seine vierte Generation. Hat der Wagen weiterhin das Zeug zum Bestseller?

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. Wenn es einen Preis gibt für die verschwurbeltste Ansprache bei einer Autopremiere, hätte Bernhard Maier gute Chancen auf einen Platz ganz vorne in der Rangliste. Der Vorstandsvorsitzende von Škoda philosophierte über die Zahl Acht, die ja dem Namen des wichtigsten Autos der Tschechen, dem Octavia, zugrundeliegt. Die Acht, sagte Maier bei der Weltpremiere des Octavia in Prag, sei nicht nur quergelegt identisch mit den Symbol für Unendlichkeit, der achte Tag sei auch der erste Tag einer neuen Woche und stehe somit für den Neuanfang. Nun ja.

Für jede 40. Krone im Export verantwortlich

Dabei bedarf es eigentlich gar keiner solcher Gedankenkonstruktionen, um den neuen Octavia mit Worten aufzuwerten. Der Erfolg des seit 60 Jahren in 6,5-millionenfacher Auflage produzierten Kompakten spricht für sich. Nicht nur ist der Octavia nach wie vor das wichtigste Modell in der stetig wachsenden Palette der tschechischen VW-Tochter, er ist auch ein nicht wegzudenkender Wirtschaftsfaktor für das Land. Das Fahrzeug macht aktuell 2,5 Prozent der gesamten tschechischen Exportleistung aus - tschechischem Bier und Prager Schinken zum Trotz. Entsprechend groß sind die Erwartungen, die Skoda, VW, Tschechien und die stetig wachsende Zahl der Octavia-Fans an die neue, die vierte Generation (gezählt seit dem Octavia-Comeback 1996) an die, man darf sie ohne Übertreibung so nennen, automobile Ikone.

Noch einmal zwei Zentimeter Längenzuwachs

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Beim ersten Sichtkontakt mit dem Octavia stellt sich einmal mehr die Frage: Ist das noch Kompaktklasse? Mit einer Länge von 4,689 Metern ist die Limousine noch einmal 19 Millimeter länger geworden, der Kombi - pardon, Škoda, der Combi natürlich - sogar um 22 Millimeter. Die Breite nahm um 15 Millimeter zu. Der Kofferraum der Limousine fasst jetzt 600 Liter, 10 Liter mehr als bisher; beim Kombi steigt das Laderaumvolumen um 30 auf 640 Liter. Mehr hat, sagt man bei Škoda, kein Konkurrent im Segment zu bieten. Auch im Innenraum geht es dank erweitertem Radstand noch geräumiger zu als ohnehin schon.

Das Wort, das einem als erstes einfällt, um die Optik des neuesten Octavia zu beschreiben, lautet "elegant". Das betrifft nicht nur die “augenschmeichelnde” Silhouette, das betrifft auch und vor allem den Innenraum. Škoda folgt dem Branchentrend und baut das zentrale Display freistehend auf. Hochwertige Materialien, die neue modulare Instrumententafel, das weiterentwickelte Virtual Cockpit und die LED-Ambientebeleuchtung sorgen für Akzente, die eher an die Premiumklasse als an ein, sorry, Škoda, Allerweltsauto erinnern. In die gleiche Kerbe schlägt das erstmals erhältliche Head-Up-Display. Den schlüssellosen Türöffner Kessy kennt man zwar schon, jetzt funktioniert das System auch an den hinteren Türen.

Auch als Plug-in-Hybrid und mit Gasantrieb

Bei den Antrieben setzt Škoda für den Octavia zwar auf die Klassiker Benziner und Selbstzünder, aber nicht nur. Den tschechischen Bestseller wird es auch als Plug-in-Hybrid geben, die anderen Benzinmotoren sind teilweise mit Mildhybrid-Technik ausgestattet, die Diesel emittieren bis zu 80 Prozent weniger Stickoxide. Ebenfalls im Angebot: Ein Erdgas-Octavia mit einer Gas-Reichweite von 523 Kilometern; hinzu kommen weitere angeblich bis zu 278 Kilometer dank Benzin-Reservetank. Das Leistungsspektrum beim Octavia reicht zunächst von 81 kW/110 PS bis 150 kW/204 PS.

Während früher die Zahl der Getränkehalter - vor allem in den USA - erstaunlicherweise ein “Qualitätskriterium” für Neuwagen war, ist es heutzutage die Zahl der USB-Anschlüsse. Der Octavia, immerhin von einem Hersteller, der mit “simply clever” wirbt, braucht sich in dieser Disziplin nicht zu verstecken. Insgesamt fünf Anschlüsse stehen zur Verfügung. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass der Octavia auch sonst auf dem neuesten Stand in Sachen Konnektivität ist. Bei der Bedienung der immer unüberschaubarer werdenden Optionen (nicht nur bei Škoda ein Trend) hilft die virtuelle Assistentin Laura.

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Shift-by-Wire beim DSG-Getriebe

Nur wenige Kunden werden wahrscheinlich ein wirklich revolutionäres Feature zur Kenntnis nehmen. Als erster Škoda überhaupt nutzt der Octavia die Shift-by-Wire-Technologie für die Bedienung des DSG. Hier wird die Fahrstufenauswahl elektronisch statt mechanisch an das Getriebe übertragen. Das spart Platz und bietet neue Designoptionen, heißt es bei Škoda. Der DSG-Wählhebel alter Schule hat ausgedient und wird durch eine Wippe ersetzt.

Für Bernhard Maier ist der Octavia mehr denn je der Third Place, der dritte wichtige Ort, an dem man sich aufhält - neben Arbeitsplatz und dem Zuhause. Der Neue soll - wie alle anderen Škoda-Produkte auch - ein Kribbeln im Bauch anregen und das Herz überzeugen. Zumindest statisch erfüllt der Octavia diese Vorgaben schon einmal; jetzt muss er sich noch im Fahrtest bewähren. Aber gaubt irgendjemand ernsthaft daran, dass das dem erfolgreichsten Pferd im Škoda-Stall nicht gelingt?