Streng geheim: Eine Fahrt mit dem neuen Touareg

aus Im Auto Mobil

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Der Farbton passt zur Landschaft: Der neue VW Touareg mit halbem Tarnkleid. Foto: Chowanetz

In wenigen Tagen feiert der neue Touareg in Peking seine Weltpremiere. Wir waren bei Abnahmefahrten des großen SUV dabei und konnten uns einen ersten Eindruck vom...

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. Als Motorjournalist hat man auch nach vielen Jahren im Job noch unerfüllte Träume. Ein Besuch bei Ferrari in Maranello gehört dazu, eine Fahrt mit dem Ur-Mustang aus dem Jahre 1964 – und einmal am Steuer eines getarnten Autos zu sitzen, dessen Markteinführung erst noch bevorsteht.

Der drittgenannte Wunsch kann jetzt von der Liste gestrichen werden. Volkswagen lud 40 Journalisten und Blogger aus aller Welt ins Moncayo-Massiv im Norden Spaniens ein. Gut möglich, dass in dieser Gegend die Ortsbeschreibung „in the middle of nowhere“ geprägt wurde. Auf unseren Teststraßen kommen uns stundenlang keine Fahrzeuge entgegen. Die Orte, die wir durchfahren, scheinen übriggebliebene Kulissen aus einem frühen Buñuel-Film (der spanische Star-Regisseur wuchs im nahen Zaragossa auf) sein: Nirgendwo eine Menschenseele, kein erkennbarer Siedlungsmittelpunkt, kein Marktplatz, kein Restaurant, nicht einmal eine Bar. Für die Verpflegung der Testfahrer hat VW einen Food Truck irgendwo an den Straßenrand gestellt. Dort gibt es Wagyu-Burger, während kein Haus, kein Baum, kein Nichts den Blick in die schier unendliche Kargnis stört (wenn man mal von den beiden aufgestellten Klohäuschen absieht. Zwei, weil VW auch abseits der Zivilisation korrekt sein will. Ein stilles Örtchen für Männer, eines für Frauen).

Die Fahrzeugmitte bleibt ungetarnt

Genau so abgeschieden will es jeder Hersteller haben, wenn er mit Erlkönigen unterwegs ist und die letzten Fahrerprobungen macht. Noch sollen möglichst wenige Menschen den neuen Touareg sehen. Diejenigen, die Zeugen der Erprobungsfahrten werden, können gewissermaßen einen Halb(erl)könig bewundern. Weil die maßgeblichen Veränderungen zur Vorgängergeneration an der Front und am Heck stattfanden, bleibt die Mitte des großen VW-SUVs ungetarnt. Wer sich dem abgestellten Neu-Touareg nähert, wird, wenn er es irgendwie an dem Sicherheitspersonal vorbei geschafft hat, bei einem Blick ins Fahrzeuginnere auch nicht wirklich glücklich: Das Armaturenbrett (Verzeihung für dieses antiquierte Wort) wird nach jeder Fahrt mit einem Stoffbezug abgedeckt; die Schutzdecke wird erst abgezogen, wenn der Motor wieder gestartet wird. Die Hülle verbirgt tatsächlich einen der größten Schätze des neuen Touareg: das Innovision Cockpit mit seinen direkt nebeneinander liegenden zwei Digitalbildschirmen, die einen Durchmesser von bis zu 15 und zwölf Zoll aufweisen (die Aussage, dass so eine Gesamtbildschirmdiagonale von 27 Zoll entsteht, dürfte wahrscheinlich bei jedem Mathelehrer für eine Spontanergrauung der Haare sorgen). Das Innovision Cockpit wird an dieser Stelle noch eine ausführlichere Würdigung wert sein, wenn der Touareg in wenigen Wochen seine Weltpremiere in Peking erlebt.

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Diesem Diesel droht (natürlich) kein Fahrverbot

Hier und jetzt stehen erst einmal die Fahrqualitäten des „Großen“ in der wachsenden VW-SUV-Flotte im Mittelpunkt. In unserem Test-Touareg werkelt ein V6-Diesel mit 210 kW/286 PS. Diesel? Ja, Diesel, bekräftigt VW-Pressesprecher Martin Hube (der mit uns im Auto Platz genommen hat, hauptsächlich, um uns während der Fahrt Fragen zu beantworten, sicherlich aber auch, um sicherzustellen, dass wir nicht doch das noch streng geheime Cockpit fotografieren). Für ein solches Fahrzeug sei der kraftvolle Selbstzünder die sinnvollste Motorisierung. Natürlich erfüllt der V6-Diesel, den es auch mit 170 kW/231 PS geben wird, die aktuelle Abgasnorm EU6 AJ, ist also nicht einmal ansatzweise von den anstehenden Innenstadt-Fahrverboten bedroht. Häufiger als alle anderen Oberklasse-SUV wird, so heißt es bei VW, der Touareg als Zugfahrzeug eingesetzt. Nutzt man hier die maximale Anhängelast von 3,5 Tonnen (zusätzlich zu den plusminus zwei Tonnen, die der Touareg selbst auf die Waage bringt) aus, landet man fast automatisch beim Selbstzünder – auch wenn der V6-Benziner mit 250 kW/340 PS ebenfalls kein Kind von Traurigkeit ist.

Gefühlte Gewichtseinsparung von 200 Kilogramm

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass sich der Touareg fährt wie ein Nutzfahrzeug. Im Gegenteil: Das VW-Flaggschiff erweist sich bei den Fahrten über die kurvigen Bergstraßen als beeindruckend agil, nimmt die Kurven mit einer Leichtigkeit, die das Gewicht der Karosse vergessen lässt, zeigt keine Wankneigung, kurz: Es ist die reine Freude, am Steuer dieses SUV zu sitzen. 7,7 Zentimeter länger wird der Touareg in seiner neuen Generation und 4,4 Zentimeter breiter. Trotz dieses Längen- und Breitenzuwachses sank das Gewicht um 120 Kilogramm. Eigentlich sind es sogar virtuelle 200 Kilogramm, sagt Hube: Bei engagierten Touren wie der unsere fühle es sich dank des verbesserten Fahrwerks so an, als sei VWs Großer tatsächlich 200 Kilogramm leichter geworden. „Der Touareg ist gewissermaßen die Limousine unter den SUVs“, behauptet Hube. Eine Limousine mit gewissen Zusatzvorzügen, unter anderem der eines erhöhten Einstiegs, einer enormen Zuglast (mehr als 60 Prozent der Käufer ordern ihren Touareg mit Anhängerkupplung) und eines üppigen Laderaumvolumens von 810 Litern (Vorgänger: 697) bei aufgestellter Rückbank.