Seat-Chef: Schnelligkeit ist Spezialität des Hauses

aus Im Auto Mobil

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Eine halbe Fahrzeugklasse höher positioniert als bisher: Seat-Chef Luca de Meo vor dem neuen Seat Ibiza. Foto: Chowanetz

Vor wenigen Jahren gehörte Seat noch zu den Wackelkandidaten der Automobilbranche. Gerüchte machten die Runde, dass sich der VW-Konzern von seiner spanischen Tochter trennen...

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. Herr de Meo, früher war der Ibiza der Bestseller im Seat-Sortiment. Inzwischen übertrumpfen ihn Leon und Ateca bei den Verkaufszahlen. Welche Position hat der Ibiza überhaupt noch im Produktportfolio bei Seat?

Luca de Meo: Tatsächlich war bis vor Kurzem Seat gleichbedeutend mit dem Ibiza. Er war das erste spanische Produkt, das die Welt erobert hat. Die Gene des Unternehmens wurden durch den Ibiza definiert. Der Ibiza ist für Seat das, was der Golf für Volkswagen bedeutet. Und mit der fünften Generation wird diese Tradition nicht nur fortgesetzt, sondern auch ein neues Kapitel des Ibiza geschrieben.

In welcher Hinsicht?

Luca de Meo: Der Ibiza ist das erste Fahrzeug im VW-Konzern, das auf der MQB A0-Plattform produziert wird. Die ermöglicht, dass sich der Ibiza künftig eine halbe Klasse höher positioniert als bisher, näher an den Leon heranrückt.

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Wieso erhielt Seat den Zuschlag für den Ersteinsatz der Plattform MQB A0 – und nicht die „Hausmarke“ Volkswagen, die mit dem Polo die Startposition hätte einnehmen können?

Luca de Meo: Zum einen hat Seat in der Vergangenheit gezeigt, dass das Unternehmen extrem schnell ist bei der Umsetzung von Neuem. Das ist sozusagen eine Spezialität des Hauses. Außerdem gibt es im Konzern die strategische Entscheidung, rund um die MQB A0-Plattform eine Art automobiles Ökosystem auf der iberischen Halbinsel zu implementieren. Drei Konzernmarken werden in Spanien auf MQB A0 fünf Fahrzeugmodelle produzieren.

Ihr Unternehmen wirbt seit einiger Zeit mit dem Claim „Created in Barcelona“. Wie wichtig ist die Stadt für Barcelona?

Luca de Meo: Obwohl ich aus dem Marketing komme, halte ich nicht viel von Claims. Ikea beispielsweise hat gar keinen, der vermeintliche „Just do it“ von Nike wird seit 15 Jahren nicht mehr vom Unternehmen eingesetzt. „Created in Barcelona“ soll unsere Verbundenheit mit Barcelona zum Ausdruck bringen. Wir sind eben nicht das „New Kid on the Block“, sondern seit Jahrzehnten in und um Barcelona ansässig. Natürlich profitieren wir auch von der Attraktivität, die Barcelona ausstrahlt. Die Stadt ist einer der coolsten Plätze in Europa. Und selbstverständlich arbeitet unser Unternehmen intensiv mit Barcelona zusammen. Beispielsweise beim automobilen Megatrend Connectivity. Hier verzahnen wir unsere Entwicklungsergebnisse mit den Forschungsarbeiten der Stadt in Bezug auf das Projekt „Smart City“.

Und welche Bedeutung hat Seat für Spanien?

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Luca de Meo: Die ist nicht zu unterschätzen. Einer aktuellen Studie zufolge sorgt unser Unternehmen – direkt und indirekt – für 100.000 Jobs im Land, einem Land, das unter einer extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit leidet. Wir bemühen uns, wo immer möglich jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben. Interessant ist auch diese Zahl: Seat ist größter Exporteur des Landes, trägt zu drei Prozent zur spanischen Handelsbilanz bei – und zu 0,8 Prozent zum Bruttosozialprodukt.

In der Autobranche spielt die Musik, was die Absatzzahlen angeht, derzeit besonders laut in China. Hat Seat Pläne, dorthin zu expandieren?

Luca de Meo: Im Moment eher nicht. Um einen neuen Markt zu erobern, muss man dort mit einer vollen Modellpalette antreten – und das kostet erst einmal Millionen. Es ist eine Frage der Priorisierung. Für uns ist derzeit wichtiger, die technischen Herausforderungen anzugehen: Elektrifizierung der Fahrzeuge und Ausbau der Connectivity, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber es stimmt: Die Tatsache, dass 75 bis 80 Prozent des Seat-Umsatzes aus vier bis fünf Ländern kommt, ist sehr riskant. Wir sehen großes Expansionspotenzial eher in Süd- und Mittelamerika.

Zurück zum Ibiza: Der Wagen bietet mehr Komfort, mehr technische Möglichkeiten. Wird der Preis jetzt durch die Decke gehen?

Luca de Meo: Mit Sicherheit nicht. Der Ibiza tritt in einem sehr preissensitiven Wettbewerbsumfeld an. Deshalb können wir keine allzu großen Aufschläge durchsetzen.