Neues von Carlos, Folge 9: Roadbook

aus Im Auto Mobil

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ARCHIV - Der Autoterminal in Bremerhaven, aufgenommen am 22.01.2009. Die gestiegene Nachfrage nach Autos hat den Bremer Häfen im ersten Halbjahr 2011 ein deutliches Plus beschert. Der Umschlag von Seegütern stieg im Land in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,5 Prozent auf mehr als 40 Millionen Tonnen. Dazu trug vor allem der Auto-Umschlag in Bremerhaven bei, der um rund 35 Prozent auf knapp 968 000 Fahrzeuge stieg. Foto: Ingo Wagner dpa/lni (zu lni 0578 vom 02.08.2011)  +++(c) dpa - Bildfunk+++

"Der Weg ist das Ziel", hat schon der alte chinesische Philosoph Konfuzius (551 - 479 v. Chr.) gesagt. Ein Leitspruch, der im übertragenen Sinne auch bei der Fahrvorstellung...

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. "Ein - bitteschön - waaas?", fragt der junge Kollege, als ich kurz vor Fahrtantritt vergeblich nach dem Roadbook im Fahrzeug suche. "Na eben eine Streckeninformation", erkläre ich ihm, die uns zeigt, wo wir hin müssen. "Aber dafür haben wir doch unser Navi", bekomme ich nur kopfschüttelnd zur Antwort.

Ein gut gemachtes Roadbook, versuche ich zu verdeutlichen, biete aber eben weitaus mehr als jener monotone Automaten-Sopran, der uns auch dann noch nach links schickt, wenn dort überhaupt keine Straße ist, oder auf der Autobahn mit einem ultimativen "Bitte wenden" zur Weißglut bringt. Mehr als ein leicht genervtes, mildtätiges Mit-den-Augen-rollen ernte ich allerdings auch diesmal nicht.

Was ist mit dem Hinweis auf eine hinter der Kreuzung lauernde Radarfalle? "Kann unser Navi auch." Und der Verweis darauf, dass wir die viertnächste Ausfahrt nehmen müssen? "Kein Problem." Selbst mit der sehenswerten Barockkirche im kommenden Ort kann ich nicht punkten. "Kinderspiel."

Lediglich den vom Gastgeber empfohlenen "Sightseeing-Point" als ideales Hintergrundmotiv enthält mir unser Navi vor. Um jenen Platz, wo alle anderen Kollegen ihre Standardfotos machen, habe ich allerdings schon immer einen großen Bogen gemacht.

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Wofür dann aber tatsächlich noch ein aufwendig erarbeitetes Roadbook? Vielleicht weil die zuständigen Routenplaner in den jeweiligen Firmen die Strecken früher noch selbst im Vorfeld abgefahren sind. Viel Mühe, die sich heute kaum noch einer macht. Stattdessen ermittelt der Computer die gewünschte Mischung aus Autobahn und Landstraße.

Was buchstäblich auf der Strecke blieb, ist der freundliche Hinweis auf die kleine unscheinbare Bäckerei im übernächsten Dorf, die die besten Croissants weit und breit macht, oder den gleich danebenliegenden Metzger, dessen selbst geräucherter Schinken tatsächlich noch ein Geheimtipp ist.

Einen Vorteil hat das heutige Navi gegenüber dem aus der Mode gekommenen Roadbook dann allerdings doch: Im Gegensatz zum früher notwendigen Beifahrer lässt es sich per Knopfdruck einfach abstellen.

Überhaupt ist das mit dem Kollegen/der Kollegin an seiner Seite bei Testfahrten so eine Sache. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

(Seit 25 Jahren berichtet der Autor über Neuheiten der Autobranche. Über seine Erlebnisse bloggt er hier künftig alle zwei Wochen unter dem Pseudonym Carlos.)