Mit dem Tarraco in Marokko: Seat-Surf auf Rädern

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Eine Fahrt durch die Wüste will auch mit einem offroadtauglichen SUV wie dem Seat Tarraco gelernt sein. Unser Neun-Punkte-Plan hilft dabei. Foto: Julian Peters

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man ein Motorboot steuern – und dabei ist Wasser in der Sahara Ostmarokkos, unweit der Grenze zu Algerien, so ziemlich das...

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. Von Julian Peters 1. Niemals anhalten: Nirgendwo hat der alte Macho-Spruch „Wer bremst, verliert“ einen so wahren Kern wie in der Wüste: Sobald man keinen festen Boden mehr unter den Rädern hat, kann man mit seinem Auto zwar prinzipiell viel machen – Stehenbleiben sollte allerdings nicht dazu gehören. Der feinkörnige Grund wartet nur darauf, zu zögerliche Wagen bis zur Radachse zu verschlucken. 2. Nicht zu schnell fahren: Zwar ist ähnlich wie im Film „Speed“ mit Keanu Reeves in einem zum Rasen verdammten Linienbus auch das Stoppen auf Sand eine eher schlechte Sache. Wer zu rigoros Gas gibt, riskiert auf dem holprigen Grund allerdings rasch die Gesundheit von Achsen und Bandscheiben. Die optimale Geschwindigkeit liegt zwischen 30 und 40 Stundenkilometern, wobei im ersten (maximal zweiten) Gang gefahren werden sollte. 3. Staub meiden: Auch ohne Wolken kann es ziemlich nebelig werden – das Fahren auf Sand ist eine dunstige Angelegenheit. Bewegt man sich in einer Kolonne, sollte ein gebührender Abstand gewahrt werden, da die Staubschwaden des Vorderwagens den imposanten Ausblick ansonsten rasch auf Nullsicht eintrüben. Auch die Fenster sollten zu bleiben. Wer sich für ein Foto nach draußen lehnt, während ein Reifen kurz durchdreht, hat sich selbst und den Innenraum flugs eine feinkörnige Panade verpasst. 4. Keine zu starken Lenkbewegungen: Es ist ein Effekt wie wenn Familie Feuerstein ihre Steinzeit-Kutsche zum Stehen bringt: Man haut die Hacken in den Grund und der Wagen wird langsamer. Einen ähnlichen Zweck erfüllen zu stark quer stehende Vorderräder auf Wüstenboden. Konsequenz: man bleibt stecken. Da sich der Wagen auf feinkörnigem Boden stärker aus Kurven tragen lässt und nur verzögert auf Lenkversuche reagiert (woraus sich der Eindruck speist, man steuere ein Boot), ist die Versuchung groß, diesem Effekt ein energisches Rucken am Lenkrad entgegen zu setzen. Fast so tückisch wie eine Fata Morgana. 5. Sand ist nicht gleich Sand: Wer in die Dünen fährt, sollte die Uhrzeit im Blick haben: Morgens, nach einer kühlen Wüstennacht, ist der Untergrund noch feucht und damit von festerer Konsistenz. Hat spätnachmittags die Sonne stundenlang auf die kleinen Körner hinabgebrannt, sind diese deutlich krümeliger und müssen in Dünenform mit mehr Schwung erklommen werden. Auch die Frage, wie viele Autos zuvor schon das Terrain durchpflügt haben, beeinflusst die Beschaffenheit des Sandes. 6. Tiefe Spurrillen meiden: Egal, wie viel Bodenfreiheit der Wagen bietet – wenn sich ein ganzer Autotross durch den Wüstensand wühlt, sind die Spurrillen irgendwann so tief, dass ein Aufsetzen auf dem Krümel-Kamm zwischen den Reifenfurchen fast schon unvermeidlich ist. Diesem Schicksal entkommt, wer die ausgetretenen Pfade verlässt: Lieber eine neue Spur eröffnen statt stumpf dem Kurvenverlauf des Vorderwagens zu folgen – macht ohnehin größeren Spaß. 7. Luft ablassen: Eine Fahrt über Sand setzt das gesamte Auto extremen Belastungen aus – einen großen Teil davon müssen die Reifen tragen. Um die Pistentauglichkeit der Pneus zu verbessern, wird vor Fahrbeginn ordentlich Luft abgelassen: der optimale Reifendruck für eine Wüstentour liegt bei nur etwa 1 bar. Durch den geringeren Luftdruck im Reifen erhöht sich dessen Auflagefläche – was wiederum die Traktion, oder vereinfacht gesagt die Fortbewegungsfähigkeit des Fahrzeugs, verbessert. 8. Dünen diagonal anfahren: Wie hieß es einst so schön im Matheunterricht? Der kürzeste Weg von A nach B ist eine Gerade. Das gilt natürlich auch in der Wüste, trotzdem: Wer pfeilgerade auf einen Dünenhügel zusteuert, um die Kuppe ohne Umwege zu erklimmen, bohrt sich dort, wo die Steigung beginnt, schnell mit der Frontschürze in den Sandhaufen. Besser ist es, einen kleinen Bogen zu schlagen und die Düne diagonal emporzuklettern. So machen es übrigens auch die Kamele. 9. Vorsicht an Dünenkuppen: In den hügeligen Teilen der Wüste zeigt die Landschaft klare Kante. Wind und Wetter haben die gigantischen Sandformationen an der Spitze oft zu messerscharfen Graten geformt. Wer oder was einen dahinter erwartet, ist unmöglich zu erkennen – ebenso wenig, wie steil es auf der anderen Seite nach unten geht. Vor einem Steigungswechsel ist daher ein leichtes Herausnehmen der Beschleunigung empfehlenswert.

(Julian Peters, Redakteur bei der VRM, wollte als kleiner Junge unbedingt Kapitän werden. Zwar wich die Begeisterung für Schiffe mit der Zeit jener fürs Schreiben – der Spaß am Steuern motorisierter Fortbewegungsmittel ist aber geblieben.)