Kommentar: Warum das Elektroauto nicht zum Erfolg wird

aus Im Auto Mobil

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die Verkaufszahlen für Elektroautos - hier der E-Golf - heben noch nicht so richtig ab. Foto: Chowanetz

Fahrten ohne lokale Emissionen - Elektroautos machen diese Vision wahr. Obwohl das Angebot wächst, lassen die Absatzzahlen extrem zu wünschen übrig. Die Stromer sind im...

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. Angela Merkel will also, dass in Deutschland im Jahr 2020 (das ist, nur weil es sich so ewig weit entfernt anhört, in sechs Jahren) eine Million Elektroautos zugelassen sind. Wahrscheinlich will die Kanzlerin auch Vollbeschäftigung in unserem Land, den Fußball-WM-Titelhattrick und den Weltfrieden. Die drei letztgenannten Ziele dürften aber einfacher zu erreichen sein als der Elektrofahrzeug-Millionenwunsch zu erfüllen ist. Zwar haben sich die Neuzulassungen der Stromer 2013 verdoppelt, allerdings auf einem mehr als überschaubaren Niveau von 3000 auf 6050. Bis zur Million ist es also noch weit.

Tesla S führte Zulassungsstatistik an

Das Problem ist: Mit Wünschen allein ist es nicht getan. In anderen Ländern unterstützt die Politik tatkräftig das Vorhaben, sich bei der Individualmobilität von fossilen Brennstoffen wenn schon nicht unabhängig, so doch unabhängiger zu machen. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen führte zum Beispiel dazu, dass in Norwegen der strombetriebene Tesla S zeitweise auf Platz 1 der Zulassungsstatistik stand. Wohlgemerkt: Nicht der Statistik für E-Fahrzeuge, sondern für alle Autos.

Maßnähmchen statt Maßnahmen

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In Deutschland wird jetzt der Weg freigemacht für Maßnähmchen. Wobei selbst dieses Wort noch übertrieben wirkt. Die Bundesregierung plant ein Gesetz, dass es Städten und Gemeinden erlauben soll, Stromern das Benutzen von Busspuren und das Parken auf speziell reservierten Plätzen zu genehmigen. Was für ein Anreiz, um sich statt des billigsten regulären Golf (laut Liste 17.325 Euro) den - zugegebenermaßen deutlich besser ausgestatteten - E-Golf für mindestens 34.900 zu kaufen! Hinzu kommt, dass selbst dieses Maßnähmchenpaket - hurra, wir sind in Deutschland - auf Widerstand stößt. Berlin und München haben ebenso wie der deutsche Städtetag schon einmal Bedenken angemeldet. Die Busspuren seien schon jetzt sehr voll, leider.

Die Abwrackprämie ist vergessen

Die Bundesregierung wiederum lehnt vehement jegliche Pläne ab, den Kauf von E-Autos finanziell zu belohnen. So etwas mache man nicht. Punkt. Als hätte es die Abwrackprämie nie gegeben. Der finanzielle Anreiz sei da, so heißt es, schließlich werde bei den Stromern ja keine Kfz-Steuer erhoben. Da aber eben diese Steuer mit der geplanten Autobahnmaut verrechnet werden soll, zahlen Fahrer von E-Autos für einen Trip auf der A3 oder A60 dann eben doch, weil es bei ihnen nichts zu verrechnen gibt.

Schon nach zwei Millionen Kilometern amortisiert

Warum also soll Otto Normalfahrer, um beim Beispiel zu bleiben, 17.000 Euro mehr zahlen, um sich einen elektrischen statt eines normalen Golf zuzulegen. Rechnen wir einmal nach: Der einfachste Golf mit TSI Bluemotion Technologie verbraucht laut EU-Test 4,9 l/100 km. Die Tests stimmen eh nie, sagen wir also 7 l/100 km. Das macht bei einem, seien wir großzügig zu den Ölkonzernen, Literpreis von 1,70 Euro 11,90 Euro pro 100 km. Der E-Golf braucht auf 100 Kilometer 13,4 kWh Strom, das entspricht bei einem Tarif von 28,8 Cent pro Kilowattstunde (Durchschnittspreis 2013) 3,86 Euro je 100 Kilometer. Natürlich berücksichtigen wir außer der nicht zu zahlenden Steuer für den Stromer (pauschal 700 Euro für sechs Jahre) auch, dass ein Elektromotor verschleißfreier ist als ein Verbrenner. Nehmen wir also an, dass wir an Werkstattkosten, seien wir noch einmal großzügig, weitere 800 Euro sparen. Der E-mobile Golffahrer spart zahlt also 15.500 Euro Aufpreis, damit er - ich erwähne es nochmals - in einem deutlich besser als das Basismodell ausgestatteten Stromer je 100 Kilometer Fahrt acht Euro spart. Das hat er ja schon nach fast zwei Millionen Kilometern wieder raus. Und die sind locker abzureißen, wenn nach jeweils 150 bis 200 Kilometern die Batterie leer ist. Wobei ja heute noch niemand weiß, wie viel Energie die verschleißende (und im Austausch alles andere als billige) Batterie nach sechs, sieben, acht Jahren überhaupt noch speichern kann.

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Hilft die gute Fee der Kanzlerin?

Den Zynismus einmal ausgeschaltet: Autofahren ist teuer. Sowieso schon. Und die Zahl derer, die mal eben einen fünfstelligen Betrag zusätzlich locker machen können (oder wollen), um ihr ökologisches Gewissen zu beruhigen, dürfte überschaubar sein. Vielleicht kommt Angela Merkel bei ihrem Millionenwunsch aber doch, bildlich gesprochen, noch die gute Fee zur Hilfe. Nissan und Mitsubishi arbeiten, wie dieser Tage verkündet wurde, gemeinsam an einem Elektroauto, das für umgerechnet 10.900 Euro auf den Markt kommen könnte. Selbst wenn sich diese Zahl noch verdoppeln würde: Mit einem solchen Angebot wären die Karten in Sachen Elektromobilität völlig neu gemischt. Zu gönnen wäre es der Technik.