Im Auto mobil… mit dem X6 M in Texas

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Sorry für die schlechte Bildqualität, aber dieses Straßenschild musste im Land des "Drive 55 and stay alive" einfach fotografiert werden. Foto: Chowanetz

Wer an Texas denkt, denkt an endlos große Rinderfarmen mit prächtigen Portalen, an Ölbohrtürme bis zum Horizont und an breitbeinige Cowboys mit Stetsonhut, die, Zahnstocher...

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. Na bravo! Da hockt man also Stund´ um Stund´ im Flugzeug, um dem, Schmuddelwetter zu entfliehen und unter der texanischen Wintersonne im neuen 2er Cabrio mit ohne Dach durch die Landschaft zu cruisen. Und dann das. Kaum ist das Verdeck im Heck des wunderschönen Neuen in der BMW-Modellpalette verschwunden, beginnt es zu regnen. Aber sowas von! Also Dach wieder zu (dauert nur 20 Sekunden und funktioniert bei Geschwindigkeiten bis 50km/h) und etwas mürrisch der von den Bajuwaren ausgetüftelten Route gefolgt. Immerhin kann eine Regenfahrt ja auch optische Reize bieten.

Im Land der Abkürzungen

So weit die Theorie. Tatsächlich kann es mir - einem Cabrio-Fan! - nicht schnell genug gehen, den 2er wieder am COTA (für Nichteingeweihte: die Amerikaner kürzen alles ab, machen aus Brooklyn B´lyn, aus Guantanamo Gizmo und aus der hypermodernen Rennstrecke Circuit of the Americas eben COTA) abzustellen. Das nicht etwa, weil ich genug hätte vom Autofahren, sondern weil ich umsteige: in den X6 M.

Nicht gerade ein Fliegengewicht

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Ich muss einräumen, dass ich den X6 nicht unbedingt für das, wie formuliere ich es höflich, unentbehrlichste Fahrzeug auf dem Markt halte. Aber ebenso gebe ich zu, dass die Kombination aus bullig (und dennoch nicht unelegant) wirkender Karosserie und schier unendlicher Leistung ihre Reize hat. "Der neue M TwinPower Turbomotor für den BMW X5 M und BMW X6 M ist das stärkste Triebwerk, das bisher von BMW für Allradfahrzeuge entwickelt worden ist", habe ich zuvor in der Pressemappe gelesen. Wenn dieser Satz als Pulsbeschleuniger nicht reicht, hier die technischen Daten: Der 4,4-Liter-V8-Motor stellt 424 kW/575 PS zur Verfügung. Das reicht, um den nicht gerade im Fliegengewicht antretenden X6 M in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu schleunigen.

Fahren fast mit Lichtgeschwindigkeit

Reise-Profis winken jetzt ab. Beschleunigen? In Amerika mit seinen allgegenwärtigen lächerlich niedrigen Tempolimits? Forget it. Aber in wie so vielen Bereichen demonstriert Texas auch bei den Verkehrsgesetzen, was es vom Rest der USA hält. Nicht viel mehr als nada - nichts. Das Schild mit der Ansage "Speed Limit 85" (umgerechnet 136 km/h, was für amerikanische Verhältnisse nicht ganz Lichtgeschwindigkeit entspricht) habe wahrscheinlich nicht nur ich fotografiert. Während der X6 M, in der Grundausstattung immerhin 114.300 Euro teuer, mit seinen großen Lufteinlässen in der Frontpartie, der Niere mit Doppelstegen, seitliche Kiemen mit Modellschriftzug und Air Breather, M-spezifischen Außenspiegeln mit Doppelstegcharakter und vierflutiger Abgasanlage hierzulande wahrscheinlich auffallen wie ein freier Parkplatz an einem Adventssamstag in der Innenstadt, geht die Karosse, kaum zu glauben, zwischen all den Pickups, auf denen sich wahrscheinlich kleine Planeten transportieren ließen, beinahe unter. Allerdings nur, bis man aufs Gaspedal tritt. Der Sound, den der X6 M entwickelt, reicht spätestens aus, um Passanten zum Hinschauen zu bewegen.

Wo sind die Öltürme

Nicht nur Passanten gibt es spärlich in Texas. Auch die erhofften Rinderfarmen á la Southfork Ranch müssen irgendwo anders im Land angesiedelt sein. Ebenso ist von Ölbohrtürmen weit und breit keine Spur. Dafür aber gibt es in jedem noch so kleinen Ort - und hier bestätigt sich das Klischee - eine Kirche. Die Konkurrenz ist so groß, dass die Pfarrer auf Anschlagtafeln vor den Gotteshäusern das Thema der nächsten Predigt ankündigen und in den Bars und Cafés Visitenkarten mit den Gottesdienstzeiten ausliegen. So freundlich alle Menschen, denen wir begegnen, auch sind: Bei der Frage, welcher Partei sie bei Wahlen ihre Stimme geben, gibt es keine Zweifel. In einem Anfall von Übermut wollten mein Fahrer-Kollege und ich in einer etwas schummrigen Bar nach dem Weg zur örtlichen Parteizentrale der Demokraten fragen. Haben wir dann doch nicht gemacht. War wohl besser so. Denn: Don´t mess with Texas. Den Höhepunkt meiner Begegnung mit dem X6 M habe ich dann am späten Nachmittag. Auf der Formel-1-Rennstrecke COTA darf ich noch ein wenig schneller sein als die maximal 85 Miles per Hour, die mir der texanische Verkehrsminister zuvor gegönnt hat. Zunächst ist es zwar etwas exotisch, mit einem derartigen Gefährt über einen Rennkurs zu heizen. Aber, hey: Spaß macht es allemal.

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(Einen ausführlichen Bericht zum neuen 2er Cabrio von BMW lesen Sie in der Wochenendausgabe dieser Zeitung)