Graf Zahl im Autohaus

aus Im Auto Mobil

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Der neue Audi A1 - in einer von theoretisch mehr als einer Million Ausstattungskombinationen. Foto: Audi

Der Trend zur Individualiserung beim Autokauf scheint nicht aufzuhalten. Jetzt macht auch Audi bei seinem A1, der sich an die jüngste Käufergruppe unter den...

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. Nun ist, so scheint´s, Graf Zahl (genau: der aus der Sesamstraße) nach einem Besuch bei vielen Konkurrenten auch bei Audi eingetroffen. Den neuen Audi A1 gibt es, so heißt es von Pressesprecher Christoph Lungwitz, in mehr als einer Million verschiedenen Kombinationen zu bestellen. Damit trage man dem wachsenden Wunsch der Kundschaft nach Individualisierung Rechnung. Dieser Satz ist beileibe nicht neu, er war zuletzt - und diese kleine Aufzählung erhebt bei Weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bei der Vorstellung des Citroen C4 Cactus, des Mini und des Opel Corsa zu hören.

Alles wird mit allem kombiniert

Die zunächst unvorstellbare Zahl von einer Million Kombinationsmöglichkeiten, die jedem Logistiker in der Fahrzeugproduktion die Haare zu Berge stehen lassen sollte, klingt zwar gewaltig, ist es letztendlich aber gar nicht. Wenn man, wie beim A1, 17 Rädervarianten hat, dazu 19 Farb- und Stoffkombinationen und sogar die Zierlinien der Luftausströmer in sieben Farben anbietet, kommt - und das ist jetzt der Job für Graf Zahl - der Millionenwert allein dadurch zustande, dass man alle Optionen mit allen anderen multipliziert (dabei nicht die Motorenvielfalt und die Getriebeoptionen vergessen!).

Und was ist beim Wiederverkauf?

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So weit, so gut, dem Individualisierungstrend ist also mehr als nur Genüge getan. Spulen wir aber jetzt einmal fünf, sechs Jahre nach vorne. Der dann gebrauchte A1 soll verkauft werden. Jetzt aber rächt sich die "einmalige" Farb- und Stoffauswahl. Denn was dem Neuwagenkäufer gefallen hat, muss ja dem Gebrauchtwagenkunden noch lange nicht zusagen. Vielleicht würde man sich ja handelseinig, wenn der Erstbesitzer seinerzeit auf dieses schreckliche Muster bei den Sitzbezügen oder die schrille Kontrastfarbe bei den Scheinwerfern verzichtet hätte. Aber so? Vielen Dank. Hinzu kommt, dass der Individualisierungstrend natürlich auch auf den Gebrauchtwagenmarkt durchschlagen wird. Die Kunden von morgen werden mit ganz konkreten Vorstellungen an den Start gehen, was die Ausstattung ihres Wunschfahrzeugs angeht. Natürlich werden sie dabei Kompromisse eingehen, dafür aber einen Nachlass bei den Preisen verlangen.

Leasingfirmen meiden bestimmte Farben

Ist dieses Szenario zu weit hergeholt? Dann konfigurieren Sie sich doch einmal, nur so zum Spaß, ein Fahrzeug bei einem Leasinganbieter. Sie werden feststellen, dass schon bei den Außenfarben die Auswahl gegenüber dem Angebot des Fahrzeugherstellers eingeschränkt ist. Ein knallgelber Kleinwagen? Der lässt sich nach Ablauf der Leasingzeit nur schwer wieder absetzen und steht deshalb erst einmal gar nicht in der Optionsliste.

Den Kunden vor sich selber schützen

Es gibt Farben und Formen, die passen nun einmal nicht zusammen. Diese Erkenntnis kann für den Individualbesteller eine bittere sein. Denn trotz aller Bemühungen bleiben selbst 3D-Konfiguratoren hinter der Wirklichkeit zurück. Wenn das vermeintliche Traumauto dann geliefert wird, sieht die ach so chice Kombination von Außen-, Dach-und Innenfarbe dann doch nicht so toll aus. Die Chance, dass das Auto in der gewünschten Kombination im Vorfeld des Kaufs exakt so beim Händler zu begutachten ist, steht wiederum - siehe oben - bei 1 zu 1.000.000. Da ist selbst ein Lotto-Sechser nur wenig unwahrscheinlicher. Und nicht jeder ist so fair wie Citroen: Bei den theoretischen Kombinationsmöglichkeiten in Sachen Farbgebung werden einige dann doch nicht angeboten. Man müsse letztendlich, so die hinter vorgehaltener Hand genannte Begründung, den allzu mutigen Kunden ja auch vor sich selber schützen.