G63: AMG spielt mit den G-Kräften

aus Im Auto Mobil

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Ordentlich Grip auf der Straße und im Gelände: Die Reifen wurden speziell für die neue G-Klasse entwickelt. (Foto: Julian Peters)

Wenn man nach dem Einsteigen die Fahrertür hinter sich zuziehen will, muss man ein bisschen Kraft aufwenden, damit die Pforte ordentlich ins Schloss schnappt. Ginge bestimmt...

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. Von Julian Peters Alleine die Leistungsdaten des Sport-Gelände-Hybriden, den Daimler ab Juni an alle ausliefert, die bereit sind, die 148.400 Euro für die Basisversion auf den Tisch zu legen, bringen bei Freunden geschwindigkeitslastiger Automobilität die Augen zum Leuchten: 585 PS (430 kW) schlummern im von acht Zylindern befeuerten Vier-Liter-Biturbomotor, die das 2,5 Tonnen schwere Geschoss in exakt 4,5 Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer katapultieren.

Starker Auftritt auf kurvigen Landstraßen

Besonders heimisch fühlt sich der G63 dabei auf kurvigen Landstraßen. Im normalen Straßenbetrieb stehen dem Fahrer vier Fahrmodi zur Verfügung, zwischen denen auch während der Fahrt bequem per Kippschalter in der Mittelkonsole hin- und hergewechselt werden kann. Neben einem Modus für Glätte und dem noch recht moderaten „Comfort“-Betrieb stehen die Varianten „Sport“ und „Sport+“ zur Verfügung, bei deren Auswahl sich unmittelbar spüren lässt, wie die Ansprache von Lenkung und Gaspedal direkter werden und das Neun-Gang-Automatikgetriebe den höheren Drehzahlbereich immer weiter ausreizt, um den röhrenden Sound des Motors optimal zur Geltung kommen zu lassen.

Während die Kombination aus Breite und Preis des Wagens bei Begegnungsverkehr in den engen Herzen kleiner Dörfer für den einen oder anderen Schnaufer hinter dem leider mit Knöpfen völlig überfrachteten Lenkrad sorgt, sind schmale Straßen kein Problem mehr, sobald man bewohntes Areal einmal hinter sich gelassen hat. Selbst wenn ein oder zwei Reifen versehentlich kurz über den befestigten Straßenrand hinaus auf Sand und Splitt geraten sollten, hält die neueste Hochleistungsversion der G-Klasse ungerührt Kurs.

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Gelände-Fahrmodi für jeden Untergrund

Womit das Stichwort Offroad bereits angesprochen wäre: Dass der G63 mehr Geländefertigkeiten an Bord hat als es das nostalgisch-kernige Klackgeräusch beim Türenschließen und dem Reserverad an der Heckklappe, das die Rücksicht im Innenspiegel leider ein wenig einschränkt, vermuten lassen, dürfte beim Stuttgarter Autobauer mit dem Sternensymbol Ehrensache sein. Zwar fällt der G63 bei einigen Gelände-Leistungsparametern leicht hinter den etwas schwächer motorisierten, dafür offroad-fähigeren G500 zurück, die derzeitige „Einstiegsvariante“ der neuesten G-Klasse-Generation.

Auch ein spezieller „Low-Range“-Modus, mit dem der G500 selbst unwegsamste Areale erklimmt, fehlt. Dafür verfügt der G63 wiederum über drei spezielle Geländefahrmodi, die sich nach dem jeweiligen Untergrund richten: Stein, Sand oder „Trail“, eine Mischform aus beidem. Und auch mit diesen lässt es sich problemlos über flachen oder hügeligen nicht-asphaltierten Untergrund rollen; komfortabel, sicher, und vor allem so, wie es der Fahrer von AMG-Edelmodellen am liebsten mag – zügig.

Wer braucht so ein Auto?

Wer dann nach durchaus beeindruckenden Testfahrmomenten die Wagentür zuklappt, der muss zum Schluss nur noch eine Frage beantworten. Klar, die neue G-Klasse ist absolut „Jurassic Park“-tauglich, würde wie ihre Vorgänger, die bereits in der Reptilien-Reihe im Kino auftauchten, im Rennen mit einem hungrigen Dinosaurier quer durch den Dschungel eine ziemlich gute Figur machen. Aber wer braucht so etwas eigentlich – so wirklich, im realen Leben? Anhänger eines umweltbewussten Fahrstils angesichts eines CO2-Ausstoßes von 299 g/km (kombiniert) und Energieefizienzklasse F vermutlich nicht. Und auch der Farmer in der afrikanischen Steppe dürfte sich vermutlich zweimal überlegen, ob er für seine ausgedehnten Touren über unbefestigte Schlaglochpisten tatsächlich auf die neueste High-End-Variante aus dem Hause Daimler zurückgreifen muss.

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Dennoch hat sich Mercedes mit seiner neuen G-Klasse vermutlich nicht nur an die Spitze der Nahrungskette des aktuell erhältlichen Geländewagen-Sortiments gesetzt, sondern mit der Baureihe auch, das beweist ihr langanhaltender Erfolg, offenkundig einen Nerv getroffen: Vielleicht bei Menschen, die gerade mit dem G63 eher den Großstadtdschungel als die Wildnis zähmen, ganz bestimmt aber bei Leuten, die sich den Komfort und Fahrspaß des G63, und vor allem das Gefühl, beim Beschleunigen im Inneren einer kantigen Kanonenkugel gelandet zu sein, nicht entgehen lassen wollen.

(Julian Peters, Redakteur bei der VRM, wollte als kleiner Junge unbedingt Kapitän werden. Zwar wich die Begeisterung für Schiffe mit der Zeit jener fürs Schreiben – der Spaß am Steuern motorisierter Fortbewegungsmittel ist aber geblieben.)