Festival of Speed: Wie Ascot mit Autos – nur ganz anders

aus Im Auto Mobil

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Die Vielfalt der Fahrzeuge, die sich daran machen, den „Hill Climb“ zu bewältigen, macht den Reiz des Festival of Speed aus. Foto: Chowanetz

Die Engländer lieben ihre Gärten, ihre Rasenanlagen, ihre perfekt gestutzten Hecken. Und was macht der Earl of March, Besitzer riesiger Ländereien bei Goodwood? Er lädt zu...

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. Das Festival of Speed ist wie eine motorisierte Version des berühmtesten Pferderennens in Ascot – nur doch ganz anders. Zwar nippt die selbsternannte Elite des Landes gelangweilt am 75-Pfund-Champagner (Preis, nicht Gewicht), aber auch Otto Normalautofahrer kämpft sich mit Kind und Kegel über verstopfte Straßen nach Goodwood, um Rennfahrer-Legenden und Motorsport-Verrückten ganz nahe zu sein. Den Rasen vor dem herrschaftlichen Haus des Earls kannst Du nach dem Wochenende in die Tonne kloppen. Dafür klingelt es bei 50 Pfund Eintritt und Sponsoreneinnahmen in Fantastilliardenhöhe in der Kasse des Adligen. Denn egal ob Mercedes oder Ferrari, Ford oder Porsche, Bentley oder Nissan: Beim Festival of Speed wollen sie alle dabeisein und zahlen dafür fast jeden Preis. Merke: Geld stinkt nicht – es macht nur einen Heidenlärm. Den im Vergleich zu dem Krach, den die Boliden – gewollt – erzeugen, dürfte es einem selbst direkt neben eines startenden Space Shuttle (die Älteren erinnern sich) idyllisch ruhig vorkommen.

Rennen der Hill-Climb-Kategorie

Auch wenn die Details in Goodwood nur wenige FOS-Gäste wirklich ernsthaft interessieren, reden wir zuerst über die Rennen: Die 1,86 Kilometer lange Strecke mit offiziell neun Kurven ist als Hill Climb kategorisiert (immerhin geht es ja 92,7 Meter aufwärts…), was ihr eine gewisse Bedeutung verschafft. Im Laufe der drei Tage gibt es Dutzende Wettbewerbe auf der Strecke, manche einigermaßen ernst zu nehmen, andere, wie das Rückwärtsfahren oder der Versuch, sie auf zwei Rädern (mit einem Auto, wohlgemerkt), eher nicht. Fürs Protokoll: Den Rekord häkt Nick Heidfeld, der den Hill Climb 1999 in einem Formel-1-Auto in 41,6 Sekunden schaffte. Heidfeld kann beruhigt sein, was eventuelle Herausforderer angeht: Aus Sicherheitsgründen dürfen F1-Boliden keine Rekordversuche mehr auf der Strecke unternehmen.

Alle namhaften Autohersteller zeigen Flagge

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Was die Fahrer und Teams der berühmtesten Rennserie der Welt aber nicht davon abhält, in Goodwood Flagge zu zeigen. Und das macht den Reiz des Festival of Speed aus. So nah kommt man seinen Idolen und natürlich den Autos bei wohl keiner anderen Gelegenheit, F1-Rennen einbezogen. Da malt der aktuelle F1-Führende Nico Rosberg beim Drehen auf der Stelle ein Gummi-Autogramm, einen Donut, auf die Strecke – und Paralympic Goldmedaillengewinner Alex Zanardi tut es ihm nach. Später, in der „Box“, unterhält sich Rosberg mit Keanu Reeves – auch diese Begegnung für die Fans zum Greifen nah.

Inzwischen auch eine inoffizielle Automesse

Inzwischen hat sich das Festival of Speed auch zu einer inoffiziellen Automesse entwickelt. Seitdem es in London keine solche Ausstellung mehr gibt, präsentieren die Hersteller ihre überwiegend PS-starken Neuheiten, Prototypen und Showcars halt in Goodwood. Eines der meistfotografierten Exponate stand in diesem Jahr bei Ford: ein Ford GT, gebaut aus 40.000 Legosteinen im Maßstab 1:3.

Wie ein Kind im Süßwarenladen

Der Earl of March könnte sich nicht nur dieses Unikat, sondern wohl auch jedes der in Goodwood gezeigten Autos kaufen, ohne um eine Ausweitung seines Dispokredits bitten zu müssen. Angeblich war der Adlige fast pleite, als er das Festival of Speed initiierte. Heute verlangt er – wiederum angeblich – eine halbe Million Pfund, damit Hersteller ihre Fahrzeuge an der spektakulären Skulptur von Jerry Judah vor dem Wohnsitz des „März-Adligen“ anbringen können. Während der Veranstaltung ist der Earl allgegenwärtig und wirkt wie ein Kind im Süßwarenladen. Auch 2016 gibt es zig Fotos mit dem Adligen am Steuer oder als Beifahrer bei einem der unzähligen Wettbewerbe.