BMW 530e iPerformance - Ein Auto voller Überraschungen

aus Im Auto Mobil

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Mit dem BMW 530e iPerformance will BMW seine Position auf dem Markt für elektrifizierte Fahrzeuge ausbauen. Foto: BMW

BMW hat ehrgeizige Ziele, was den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge angeht. 2017 will der Konzern die Marke von 100.000 Einheiten knacken. Das wäre gegenüber 2016 ein Plus von...

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. Wer er denn kommt, der Boom der Elektromobilität, wird er, so heißt es, ohne maßgebliche Beteiligung der deutschen Autohersteller stattfinden. Die Branche hierzulande, so heißt es, habe es versäumt, rechtzeitig die Weichen hin zum Stromantrieb zu stellen. Den Vorsprung, den die ausländische Konkurrenz habe, so heißt es, sei kaum noch aufzuholen.

Tatsächlich?

In der Rangliste der erfolgreichsten E-Fahrzeuganbieter weltweit, die McKinsey seit 2010 jährlich erstellt, hat sich BMW in der aktuellen Statistik auf den dritten Platz vorgekämpft – mit einem Weltmarktanteil an elektrifizierten Autos (hierzu zählen neben den reinen Stromern auch die Plug-in-Hybride) von sieben Prozent. Das ist nicht die einzige Überraschung, die der aktuelle McKinsey Electriv Vehicle Index zu bieten hat. Den „Platz an der Sonne“ in der Top-Ten hat nicht etwa, wie vielleicht spontan zu vermuten wäre, ein japanischer Hersteller, der mal behauptete, „nichts ist unmöglich“. Tatsächlich findet sich auf Platz 1 das chinesische Unternehmen BYD (13 Prozent Weltmarktanteil), gefolgt von – darauf immerhin hätte man kommen können – Tesla (neun Prozent).

Malaysia und Thailand rücken auf die Karte

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BMW hat nicht die Absicht, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Schon in diesem Jahr wollen die Münchener 100.000 elektrifizierte Fahrzeuge an den Mann oder an die Frau bringen – was einer Steigerung von 60 Prozent gegenüber 2016 entspräche. Maßgeblichen Anteil am Erreichen dieses Ziels soll die Plug-in-Hybrid-Version des 5ers haben, die auf den etwas sperrigen Namen 530e iPerformance hört und jetzt in den Handel kommt. Bei der Präsentation des Fahrzeugs ging es mit den Überraschungen weiter. Ein großer Markt für den 530e iPerformance sei, so hieß es da, die USA (keine Überraschung), als weitere besonders wichtige Absatzgebiete werden aber nicht, wie sonst bei BMW üblich, Russland oder Länder der EU genannt, sondern Malaysia und Thailand. Malaysia als wichtiger Markt für die Plug-in-Hybrid-Variante der, so BMW, „weltweit erfolgreichsten Business-Lounge“ – das ist wahrlich außergewöhnlich.

Welcher Kurzstreckenpendler fährt einen 5er?

Der 530e iPerformance sei, so BMW-Projektleiter Steffen Löschner, das ideale Auto für Berufspendler, die im Schnitt 30 Kilometer pro Strecke zurücklegen, weniger also, als der Teilzeit-Stromer rein elektrisch zurücklegen kann. Der 5er als Kurzstrecken-Pendlerfahrzeug? Man lernt nie aus… Auch den Durchschnittsverbrauch von 1,9 l Superbenzin/100 km als Märchen zu bezeichnen, wäre wohl eine Beleidigung für jedes Märchen. Einmal abgesehen davon, dass ein Plug-in-Hybrid vollgeladen in den EU-Test hineingeht und Kosten für sowie Umweltauswirkungen bei der Stromerzeugung unberücksichtigt bleiben, geht der Fahrzyklus davon aus, dass die Nutzer solcher Wagen immer nur auf der Kurzstrecke unterwegs sind.

Nach ISO zertifiziert

BMW weiß offensichtlich um die Absurdität des Testzyklus, hat beim TÜV Rheinland eine ISO-Zertifizierung beantragt und diese auch ausgestellt bekommen. ISO 14040 und ISO 14044 bescheinigen dem BMW 530e iPerformance ein im Vergleich zum BMW 530i mit reinem Verbrennungsmotor um 15 Prozent reduziertes „Treibhauspotenzial“. In einer idealen Welt, in der für die Aufladung des Teilzeit-Stromers ausschließlich regenerativ erzeugter Strom zum Aufladen der Hochvoltbatterie genutzt wird, fallen die Umweltauswirkungen des Plug-in-Hybrid-Modells sogar um 47 Prozent geringer aus. Das mag man schon eher glauben.

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Hier kommt eine weitere, leider nicht allgemein anerkannte persönliche Zertifizierung: Im Vergleich zum 320i, dessen 2,0-Liter-Vierzylindermotor im 530e zum Einsatz kommt und hier 135 kW/184 PS leistet, erhöht sich der Fahrspaß um 132,52 Prozent. Grund dafür ist – natürlich – der zusätzlich verbaute Elektromotor, der 83 kW/113 PS leistet und im Zusammenspiel mit dem Verbrenner-Kollegen die Systemleistung auf 185 kW/252 PS treibt. Das reicht für die vielzitierte „Freude am Fahren“ aus.

Hervorragendes Energiemanagement

Bei einer Testtour durch die bayerischen Alpen setzten sich die in der Theorie erlebten Überraschungen in der Praxis fort. Die Erfahrung mit anderen Plug-in-Hybriden zeigte, dass die angegebene E-Reichweite nur mit äußerst disziplinierter Fahrweise zu erreichen ist. Der 530e jedoch hat uns trotz engagierter Fahrweise und zahlreicher eingeschalteter Zusatzverbraucher (Licht, Scheibenwischer, Klimaanlage) elektrisch deutlich weiter gebracht als die versprochenen 50 Kilometer. Obwohl: Ein wenig gemogelt war die Angelegenheit schon: Die Tour ging über weite Strecken talwärts – in umgekehrter Richtung wäre die Bilanz vielleicht nicht ganz so gut ausgefallen. So oder so wirkte das Energiemanagement ausgereift. Wenn es denn ging, wurde Strom für die Batterie erzeugt (natürlich beim Bremsen, eher dezent beim beschleunigungslosen Rollen). Natürlich gibt es auch einen Modus, bei dem man während der Fahrt einen Teil der vom Verbrennungsmotor erzeugten Energie abzwackt, um den 9,2 kWh großen Speicher aufzufüllen. Aus dem Physikunterricht wissen wir aber, dass es im direkten Vergleich immer die schlechtere Idee ist, Energie für später zu speichern, als sie direkt zu nutzen. Denkbar ist aber dieses Szenario: Wenn man sich auf eine Stadt zubewegt, in der man sich nur mit Autos mit elektrischem Antrieb fortbewegen kann, ist es möglich, den Speicher im „Battery Control“-Modus auf einen Ladegrad von bis zu 70 Prozent zu bringen. Sinnvollerweise lädt man den 530e aber an der Steckdose auf. An den konventionellen Vertretern ihrer Art dauert das knapp fünf Stunden, mit der optionalen i-Wallbox weniger als drei Stunden.

Etwas mehr Zeit dürfte wohl vergehen, bis man sich die Penunzen für den 530e erarbeitet hat. Der Teilzeitstromer kostet 52.800 Euro. Das ist unbestreitbar viel Geld. Im direkten Vergleich zum Benziner-Modell mit gleicher Leistung, dem 530i, beträgt der Aufschlag lediglich 2800 Euro. Da ist selbst der ähnlich starke Diesel-5er (530d, 195 kW/265 PS) teurer (54.300 Euro).