Big Brother hat ´ne Sprinter-Flotte

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Der neue Sprinter ist vernetzt bis ins letzte Detail. Foto: Daimler

Es ist eine Binsenweisheit, aber bei der Vorstellung des neuen Sprinter erweist sie sich wieder einmal als zutreffend: Jedes Ding hat zwei Seiten. Während die Käufer des...

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. Normalerweise ist es bei Fahrzeug-Neuvorstellungen, insbesondere bei Weltpremieren, so: Die Veranstaltung findet an einem glanzvollen Ort statt, durch das Programm führt ein Promi, das Auto wird mit viel Trara vorgestellt und anschließend stellen sich die geladenen Gäste an, um irgendwann mit Kennerblick über den Lack zu streichen, die Türen zu öffnen und wieder zu schließen und im Idealfall sogar im Fahrzeug Platz zu nehmen, um die Luftdüsen zu verstellen (nicht, dass das etwas brächte, die Zündung der Karre ist schließlich nicht eingeschaltet) und die Spaltmaße zu überprüfen. Kurz: Das Auto ist der Star des Abends.

Bei der Weltpremiere der neuen Sprinter-Generation läuft die Sache ein bisschen anders. Hier ist in den Präsentationen von Daimler-Chef Dieter Zetsche und dem Boss von Mercedes Vans, Volker Mornhinweg, in einer Halle im Duisburger Hafen nur wenig zu hören über die Hardware, also den neuen Sprinter selbst. Es geht vielmehr um die digitalen Möglichkeiten, die sich dem Besitzer eines solchen Transporters bieten. Und die sind, man kann es nicht anders sagen, gigantisch. Durch die Vernetzung der Fahrzeuge hat der Flottenmanager jeden einzelnen Sprinter nicht nur im Blick, sondern auch im Zugriff. Die Zentrale sieht, wo genau jedes einzelne Fahrzeug sich gerade befindet, kann bei geänderten Abläufen eine neue Route direkt auf das Navi senden und bekommt ständig Informationen über den Zustand der Transporter. Das zugrundeliegende System Pro connect weiß, wann die nächste Wartung fällig ist, findet anhand der Auftragslage sogar das ideale Zeitfenster dafür und macht mit der Vertragswerkstatt den passenden Termin aus.

Wie ist der Wischwasserstand?

Die (angestellten) Fahrer werden indes vielleicht nicht ganz so begeistert sein von einigen Möglichkeiten der neuen Sprintergeneration. Pro connect gibt an die Disposition selbst speziellste Fahrzeugdaten weiter, beispielsweise über den Stand des Wischwassers. Sollte es, wie in der Transportbranche vielfach üblich, in der Verantwortung des Fahrers liegen, sich um die Verbrauchsmaterialien zu kümmern, lässt sich also überprüfen, ob das tatsächlich geschehen ist. Fast zwangsläufig bietet Pro connect auch die Möglichkeit, die Fahrweise des Mannes oder der Frau am Steuer zu analysieren. Bei der Weltpremiere hieß es zu dieser Möglichkeit offiziell, sie diene dazu, Fahrerin oder Fahrer über den Fahrstil zu „informieren“ - es gehört aber nur wenig Fantasie dazu, sich auszumalen, was auch möglich wäre: beispielsweise Transportfahrer, bei denen der die Fahrweise für einen überdurchschnittlichen Verschleiß )oder auch nur Verbrauch) des eingesetzten Sprinters sorgt, auszumachen.

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Beinahe-Weltpremiere für MBUX

Übrigens: Pro connect ist beim neuen Sprinter erstmals serienmäßig mit an Bord – ebenso wie die neue Informations- und Unterhaltungsplattform MBUX (Mercedes Benz User Experience). Bei der wäre es beim Sprinter fast zu einer Weltpremiere gekommen – aber eben nur fast. Diese Ehre gebührt der nur wenige Tage zuvor vorgestellten neuen A-Klasse. Während Pro connect sicherlich nicht die uneingeschränkte Begeisterung bei den Mitarbeitern der Transportbranche hervorrufen dürfte, könnte das MBUX gelingen. Das System ist – wichtig, wenn man als Sprinterfahrer immer wieder in anderen Autos sitzt – personalisierbar. Soll heißen: Egal, in welches Auto einer noch so riesigen Sprinterflotte jemand einsteigt, er kann von MBUX erkannt werden. Die Lieblingsradiosender sind dann schon ebenso voreingestellt wie die Navi-Route. Die wiederum soll sich jetzt so präzise wie nie zuvor einstellen lassen. Der „Tour Guide“ führt den Sprinter beispielsweise nicht nur auf das Gelände, wo eine Fracht abzuholen ist, sondern dort auch gleich zur richtigen Rampe.

E-Sprinter kommt 2019

Nun soll es aber doch noch einmal auch um die Hardware des neuen Sprinters gehen. Hier nämlich gibt es schon zwei wesentliche Neuheiten. Erstmals wird es den Marktführer künftig auch mit reinem Frontantrieb geben. Das erhöht einerseits die Zulademöglichkeiten um 50 Kilogramm und soll andererseits dem Sprinter einen neuen Markt erschließen. Wohnmobile, für die der Transporter die technische Basis bieten könnte, sind zu 90 Prozent Fronttriebler. Außerdem wurde bei der Weltpremiere des Daimler-Transporters ein Elektro-Sprinter gezeigt, der 2019 auf den Markt kommen soll.

Über Preise zu reden, ist beim Sprinter angesichts der buchstäblich Tausenden von Kombinationsmöglichkeiten nahezu aussichtslos. Eine Kennzahl gab es bei der Weltpremiere aber doch: Der Transporter mit dem Stern startet knapp unter 20.000 Euro – netto, versteht sich.