Achtung: Vom Schminkspiegel geht Gefahr aus

aus Im Auto Mobil

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Im Jeep Grand Cherokee der Modelljahre 2011 bis 2014 kann es im Schminkspiegel zu einem Kurzschluss kommen. Fiat als Besitzer der Marke Jeep ruft deshalb 900.000 Autos in die Werkstätten. Foto: Wikimedia Commons/Ruben de Rijcke

Jeep-Fahrer aufgepasst: Wenn Ihr einen Grand Cherokee der Modelljahre 2011 bis 2014 fahrt, droht Euch Gefahr für Leib und Leben. Die Fiat-Tochter Chrysler ruft weltweit etwa...

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. Der Chrysler-Rückruf, der immerhin auch 175.000 Autos außerhalb Nordamerikas und damit möglicherweise auch in Deutschland betrifft, ist schon ein wenig eine Überraschung. Irgendwie ist es zwar klar, dass auch ein Auto, das nicht nur vorgibt, geländetauglich zu sein, sondern explizit auch als Offroader vermarktet und von der Kundschaft auch abseits befestigter Straßen eingesetzt wird, mit einem Schminkspiegel ausgestattet ist. Das nicht etwa, weil der typische Grand-Cherokee-Käufer (der Dodge Durango wird hierzulande nicht angeboten) ein solches Utensil unbedingt und ständig brauchen würde, sondern weil ein Schminkspiegel nun einmal zur Fahrzeug-Standardausstattung gehört wie noch vor zehn Jahren Zigarettenanzünder und Aschenbecher.

Würde man den Schminkspiegel vermissen?

Ich kann mir jedenfalls nur schlecht vorstellen, dass der stolze Grand-Cherokee-Besitzer über Stock und Stein fährt, während sich die Beifahrerin (haben Jeep-Fahrer bei ihren Offroad-Abenteuern eigentlich häufig jemanden Weibliches neben sich sitzen?), mit ständigem Blick in den Schminkspiegel den Lippenstift nachzieht. Das Ergebnis einer solchen Kosmetikaktion jedenfalls würde wahrscheinlich nicht nur ich gerne sehen. Wenn ich es recht bedenke: Der Schminkspiegel gehört prinzipiell wohl eher nicht zu den am häufigsten genutzten Features eines Autos. Natürlich werfen Beifahrer und vielleicht sogar Fahrer von Zeit zu Zeit mal einen prüfenden Blick in diesen Spiegel, wenn er aber nicht in die Sonnenblende integriert wäre, würde man ihn wahrscheinlich nur sehr kurz vermissen - und sich dann Rück- oder Außenspiegel zuwenden. Aber halt: Die sind ja nicht beleuchtet…

Fast schon eine Rückruf-Tradition bei GM

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Natürlich ruft Chrysler nicht aus Lust und Laune mal eben fast eine Million Autos zurück (obwohl es beim Konkurrenten General Motors fast schon zu einer wöchentlich Tradition wurde, bei immer mehr Fahrzeugen - allein in diesem Jahr wurden fast 30 Millionen Autos und damit gefühlt die komplette Nachkriegsproduktion in die Werkstätten gerufen - vor teilweise lebensgefährlichen Produktionsfehlern zu warnen). Tatsächlich handelt es sich bei der Schminkspiegel-Kurzschlussgefahr nicht um eine theoretische, sondern höchst reelle. Drei Menschen seien im Zusammenhang mit dem Problem bereits verletzt worden, teilte die amerikanische Fiat-Tochter mit.

Bloß nicht ins Visier der Verbraucherschützer geraten!

Nur Zyniker würden diese Zahl drei in Relation setzen zur Zahl 900.000 der potenziell betroffenen Fahrzeuge. Chrysler hält sich auch bedeckt, was die Schwere der Verletzungen angeht (wobei bei der Schminkspiegel-Beleuchtung nicht unbedingt von Starkstrom-Werten reden…). Der wohl ungewöhnlichste Rückruf des Jahres macht aber deutlich: General Motors zögerte offensichtlich jahrelang, die teilweise lebensgefährlichen Produktionsfehler öffentlich zu machen und hierfür nun öffentlich zur Rechenschaft gezogen wird. Das ist gleichermaßen peinlich wie geschäftsschädigend und die Konkurrenz will mit allen Mitteln vermeiden, im Kielwasser der GM-Affäre auch ins Visier der Verbraucherschützer zu geraten.

Und wenn es "nur" um einen kurzschlussgefährdeten Schminkspiegel geht.