Limburg: Märchenhafte Stadt an der Lahn

Blick auf Limburger Dom im Winter. Foto: Heidrun Braun

Limburg an der Lahn beeindruckt nicht nur mit dem Limburger Dom. Bei einem Spaziergang durch die alten Gassen der Fachwerkstadt endeckt der Aufmerksame Gast hinter jedem Winkel...

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Limburg. Vor der Kulisse der bunten, mit Schnitzereien herausgeputzten Fachwerkhäuser des 1.100-jährigen Limburgs könnte man ohne Bedenken jedes Grimmsche Märchen verfilmen – im Winter, wenn das Städtchen weiß überzuckert ist, sogar die "Schneekönigin" von Hans Christian Andersen.

Detailreich verzierte Fassaden in der Altstadt

Spaziert man über das holprige Kopfsteinpflaster der engen Gassen, erwartet man hinter jedem Winkel eine neue, vieldeutige Überraschung an einer Fassade, einem Brunnen oder einer Figur. Und man wird nie enttäuscht. Als Bischofssitz des Bistums Limburg-Weilburg ist die Stadt streng katholisch, was aber nicht ausschließt, dass ihre Bewohner schon im Mittelalter Fantasie und Witz zu paaren wussten.

Auch wenn die Stolpergefahr groß ist, empfiehlt es sich, beim Gang durch die Straßen den Blick zu heben, um die detailreichen Verzierungen und hintersinnigen Anspielungen nicht zu verpassen.

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Nicht alle Figuren und Schnitzereien stammen aus uralter Zeit. Wenn man vom Bischofsplatz nach links durch die Barfüssergasse zum Kornmarkt spaziert, entdeckt man an der Fassade der Bäckerei Hensler rote Gestalten. Bäckermeister Friedel Hensler, bekannt für die besten Brote der Welt, setzte sich hier inspiriert von Minotaur, Panotieren und Schimären als fantasievoller Bildhauer ein Denkmal.

„Pflastersteine“ und Belgische Brocken

Heute leitet sein Sohn Ingmar das Geschäft und führt die alten Traditionen engagiert fort. Wenn das Schild vor dem Laden verkündet, dass es frische Pflastersteine gibt, füllt sich der Laden. Auch der Pflasterstein ist ein Brot aus – natürlich – selbst hergestelltem Sauerteig und schmeckt sensationell gut. Eine ebenso begehrte Spezialität sind die Belgischen Brocken, ein dick bemehltes Brötchen aus besonders leichtem Teig. Kenner füllen es mit einem Mohrenkopf.

Aus bis zu 80 Einzelteilen zusammengesetzte Figuren aus Lebkuchenteig gehören ebenfalls zu dem einzigartigen Angebot. Darunter auch der berühmte Säcker. Der Spitzname "Säcker" für die Limburger soll aus der Zeit stammen, als der Handelsweg durch Limburg über eine Furt führte. Um die Wagen zu entlasten, wurden die Säcke über den Fluss getragen. Die nach oben breiter gebauten Häuser verengten die ohnehin schmalen Straßen, so dass die hoch beladenen Wagen stecken blieben – und schon lief das Geschäft für die Säcker wieder gut.

Von der Alten Lahnbrücke hat man den schönsten Blick in das Lahntal und auf den Dom, 1235 geweiht wurde, dessen Geschichte aber bis in das frühe 10. Jahrhundert datiert.

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EXTRA HAUS DER 7 LASTER Das wohl bekannteste Fachwerkhaus Limburgs ist das Haus der sieben Laster in der Brückengasse 9. Sieben bunt bemalte Masken mit bemerkenswerten Gesichtsausdrücken wurden 1567 bei einem Umbau des Hauses am Gebälk angebracht. Die Deutung der Masken als die biblischen "sieben Laster" – Hochmut, Neid, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Zorn, Trägheit und Geiz – ist naheliegend, aber unbewiesen. Wahrscheinlicher ist, dass die Fratzen zur Abwehr böser Geister dienen sollten.

Von Heidrun Braun