"La Lucha" in Darmstadt

Tafeln an der Europalette: Blick ins „La Lucha“ an der Schleiermacherstraße in Darmstadt. „La Lucha“ bedeutet übersetzt übrigens „Kampf“.   Foto: André Hirtz

Fleisch, Gemüse, Avocado-Soße: Das sind die wichtigsten Zutaten der Sandwiches, die im "La Lucha" serviert werden. Das peruanische Lokal ist eine schöne Erweiterung der...

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DARMSTADT. Restaurantkritik – Wo früher das Hotel "Weinmichel" gehobene Küche bot , hat in einem Neubau an gleicher Stelle das "La Lucha" eröffnet – Sandwiches und handgemachte Einrichtung Fleisch, Gemüse, Avocado-Soße: Das sind die wichtigsten Zutaten der Sandwiches, die im "La Lucha" serviert werden. Das peruanische Lokal ist eine schöne Erweiterung der kulinarischen Landkarte Darmstadts.

Weinmichel? Was? Wer? Nicht vergessen, aber gefühlte Äonen her sind die Jahre eines der ersten Hotels am Platz, das in Gestalt eines hässlichen Siebziger-Jahre-Betonklotzes das Landesmuseum in Darmstadt flankierte. Schon im 19. Jahrhundert hatte es im damaligen „Pfälzer Hof“ bei Johann Michel Wein gegeben, der Weinmichel gehörte zum Stadtbild. Und die baulich hässliche Version ebenfalls, hinter deren Fassade über viele Jahre ambitionierte Kochkunst geboten wurde. Das ist lange her, 2012 wurde das Traditionshaus nach langem Leerstand abgerissen. An seiner Stelle entstand in der Schleiermacherstraße neben der Galerie Netuschil ein mehrstöckiges Bürohaus. Und in dessen Erdgeschoss ist nun wieder gastronomisches Leben.

Dort gibt’s auch Wein. Aber ansonsten erinnert nichts an die frühere Lokalität. „La Lucha“ heißt die nagelneue Neueröffnung der Betreiber Hakki Agca und Aycan Topal. Seit Anfang Februar können Gäste dort täglich von 9 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag bis 1 Uhr essen, trinken, feiern. Auf der überschaubaren Speisekarte stehen peruanische Sandwiches. Mit Fleisch, Gemüse und Avocado-Soße. Es gibt täglich wechselnden Mittagstisch, Kuchen, Panini, Kleingebäck, Tee, Kaffee, Bier – und eben Wein.

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Hinter der gläsernen Theke warten etwa die Zutaten für die Sandwiches. Das Mittagsangebot trägt verheißungsvolle Namen wie „Machu Picchu“, die Ruinenstadt in Peru, oder „Atahualpa“, benannt nach dem letzten Herrscher des Inka-Reiches. Little Peru in Darmstadt.

Bevor die Dippegucker die Sandwiches testen, kommt eine der angebotenen warmen Mahlzeiten auf den Tisch. Lamm-Köfte, Kartoffelbrei und Kohlrabigemüse für 6,40 Euro. Das Gemüse ist sehr sahneverwöhnt, der Kartoffelbrei ganz schön sämig.

Der Durst zwischendurch wird mit einem Wasser gelöscht, 0,2 Liter kosten 2,20 Euro. Gespannt werden die typisch peruanischen Sandwiches erwartet. Sie kommen warm, im krossen Brötchen. Eines ist mit Schweinefleisch bestückt, Tomatensalsa, gebratenen Zwiebeln, Süßkartoffelscheiben und Guacamole für 5,10 Euro. Das andere wurde mit Rindfleisch belegt, Aubergine, Salat, auch Zwiebeln und Mayonnaise und kostet 6,40 Euro. Handgemachte südamerikanische Hausmannskost, die auch handverspeist gehört. Wobei, eins muss klar sein: Schön essen kann man das nicht. Was per se aber keinem Gericht schadet, siehe Döner oder Brathähnchen. Die Sandwiches sind warm und üppig. Das Fleisch sogar etwas zu großzügig geschnitten, die Scheiben müssten dünner sein. Und vielleicht braucht es nicht das komplette Würze-Bett fürs Fleisch, etwas weniger Guacamole, Salsa und gebratene Zwiebeln ließen dem Fleisch Luft zum eigenen Geschmack.

Aber das „La Lucha“ hat gerade erst eröffnet, Feintuning gehört in nächster Zeit sicher dazu. Auf jeden Fall sind die Zutaten frisch, die Betreiber legen Wert auf Bio, Nachhaltigkeit und haben auch vegane Besucher im Blick.

A propos Blick, sich umschauen lohnt sich. Denn das Café-Bistro ist äußerst liebevoll eingerichtet. Individueller geht Gastro-Ausstattung kaum. Fernab vom durchgestylten Interieur kulinarischer Ketten haben Agca und Topal das „La Lucha“ gestaltet. Die Atmosphäre ist industriemäßig-chic, nachhaltig-modern, holzelementig-anheimelnd. Alte Hörsaal-Stuhlreihen wurden aufgemöbelt, die Theke ist im Schiffscontainerstil verkleidet, von der Decke hängen Designer-Lampen herunter, in einer Nische wartet die Club-Ledercouch neben Großmutters besticktem Sessel. Aber der Hit sind die Tische: eigenhändig (wie auch die Fotos auf der Facebookseite www.lalucha.de verraten) veredelte Euro-Paletten auf Stahlträgerbeinen. Das ist auch der Look des DJ-Pults, von dem aus das „La Lucha“ bei Events beschallt wird.

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Spätestens dann wird die Erinnerung an „Weinmichel“ verflogen sein.

Von pelo